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Samstag, 19. September 2015

Balti-Tour 2015: Mega Riga Power Trail

Das 1. MEGA-Event in Riga scheint gemütlich und überschaubar gewesen zu sein. Weniger als 350 Cacherteams haben im Juli 2013 für das MEGA RIGA 2013 ihr „Attended“ geloggt. Riga und die baltischen Staaten liegen doch etwas abseits von den Cacherhochburgen.
Beim Mega Riga 2014 im Folgejahr waren es dann nur 164 Teams die ihre Teilnahme loggten. Das sind Teilnehmerzahlen, die in Deutschland mitunter schon bei einem normalen Event erreicht werden.

Dabei hatten sich die lettischen Organisatoren schon 2013 solche Mühe gegeben, um ein interessantes Programm anzubieten: Vom Flash Mob bis zur Kletterwand, Konzerte, Fahrrad-Events, diverse Wettbewerbe, CITO und vieles andere mehr wurden in den drei Tagen angeboten. Und die Stadt selbst, 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt und 2014 als Kulturhauptstadt Europas gewürdigt, hat ja auch einiges zu bieten.

Ein Highlight der MEGA-Events war sicher auch ein Powertrail mit über 200 Caches in einem nahegelegenen Wald. Jeder Cache wurde einem lettischen Geocacher gewidmet und damit wollte Kagis, als Owner der Runde auch die Erinnerung an das MEGA-Event wach halten. Ein ausgelegtes „Field of Fame“, wo man sicher auch gerne mal seinen eigenen Cache sucht.
Vom Parkplatz aus führen zwei große Schleifen mit 97 und 116 ausgelegten Caches durch ein einsames Waldgebiet. Das Waldgebiet scheint aber der steigenden Zahl lettischer Geocacher nicht gewachsen zu sein, denn an anderer Stelle wurde 2015 ein zuusätzlicher Powertrail mit über 70 weiteren Petlingen ausgelegt.

Nach Riga zu fliegen und die baltischen Länder zu bereisen nur um Power-Runden abzufahren wäre wohl etwas einschichtig. Aber zumindest einen Tag für eine längere Wanderung durch die Wäder Lettlands, das war eingeplant. Dafür habe ich mir die westliche Schleife des Powertrails ausgeguckt und vorbereitet.

Von unserer Relaisstation unweit des Flughafens bis zum Startpunkt in Upesciems waren es nur knapp 25 km Fahrt. Was ich nicht bedacht hatte war die notwendige Durchquerung von Riga. Weil von den zwei Millionen Letten rund 700.000 allein in Riga wohnen, wurde aus der morgendlichen Anfahrt bei der Stadtdurquerung ein mühsames Stop and Go. Nach fast 90 Minuten für die kurze Strecke waren wir schon weit unserem Zeiplan hinterher.

Enttäuschend verlief auch der Beginn unserer Tour: Beim ersten Dutzend der Caches waren die Petlinge aus der Halterung verschwunden, nur noch beschädigte Halterungen vorhanden oder es fehlte Petling und Halterung. Sollte sich das abseits der Straße auch im Wald so fortsetzen? Dann wäre es zumindest eine interessante Wanderung mit magerer Cache-Ausbeute geworden. Das entspräche zwar nicht den Erwartungen, aber damit könnte man auch leben.


„ If a container is lost but you find the support, you are free to log it as found but please add a Needs Maintenance log so that I know which ones to visit and repair.“ So hatte es der Owner bereits in der Beschreibung des Treils beschrieben und im Gegensatz zu meinen sonstigen Log-Gepfligenheiten (Name im Logbuch = Cache gefunden) habe ich mich daran gehalten. Ohne Petling und ohne Support war ein DNF, Support mit Nachweisfoto ein Found.

Kaum der Zivilisation und den letzten Häusern entkommen wurde es besser. Trotz 700 und mehr Cachern, die zumindest die Caches auf dem von uns bewanderten Trail bereits loggten, waren sie gepflegt und in gutem Zustand. Fast alle auf Greifhöhe in Bäumen befestigt. Seniorengercht, denn Bücken musste man sich auf der ganzen Runde kaum. 
Manch einer scheint aber das Listing nicht genau durchgelesen zu haben. „Although almost all caches are next to a forest road you should be very careful if you are not driving a 4x4 - some of the roads are very sandy, others can turn into mud rivers, there is the occasional ditch that runs across the road." 

Die anfangs guten Forstwege mutierten unterwegs zu tiefen und weichen sandigen Pisten, die ich selbst mit einem Fahrrad nicht abradeln wollte. Und so häufen sich in den Logs die originellen Fotos von festgefahrenen Autos und den Bemühungen sie durch Schieben, Rausziehen, Ausgraben oder Unterlegen von Ästen wieder flott zu bekommen.

Dieses Problem blieb uns erspart, obwohl eine längere Wanderung über weiche Sandwege auch ganz schön anstrengend sein kann. Auf dem mageren Boden wachsen hauptsächlich Kiefern und Birken. Büsche und dichtes Unterholz wird man vergebens suchen. Vergeblich aber auch die Suche nach einer Bank, die zu einer gemütlichen Pause einlädt. Bei sonnigem Herbstwetter war es eine Genusswanderung, immer wieder unterbrochen von der kurzen Suche nach einem Petling. Auf der ganzen Tour haben wir nur fünf einsame Beerensammler gesehen. Aber zu einer überraschenden Begegnung ist es trotzdem gekommen.

Der einzige Cacher in den baltischen Staaten, zu dem ich Kontakt hatte, war Sandrius aus Litauen, der nahe seinem Wohnort Panevezys, knapp 200 km weiter südlich auf der aufgelassenen Schmalspurtrasse seinen Trail ausgelegt hatte. Ihn hatte ich vor der Reise mit ein paar Fragen kontaktiert. Wir freuten uns, als wir nach ein paar Stunden zwei Cacher trafen, die mit dem Fahrrad die Runde entgegengesetzt abgefahren sind.
Bei der etwas holprigen Plauderei in Englisch stellte es sich dann heraus, dass es sich um eben diesen Sandrius handelt, der ein paar Tage Urlaub im Nachbarland machte. Die Welt ist schon klein!



Wenn das Wetter auch noch so schön zum Wandern und die Wegführung durch den Wald auch noch so interessant und abwechslungsreich ist, irgendwann sehnt man sich dann auch nach dem Tagesziel.. Umso mehr, als die letzten Kilometer - zurück in die Zivilisation - nicht mehr so überwältigend waren. Nach 23,2 km und etwas weniger als acht Stunden waren wir wieder bei unserem Cachemobil am Parkplatz angelangt. Etwas müde zwar, aber voll von den Eindrücken, die wir heute in uns aufgesaugt haben.

Die Rückfahrt zu unserer Relais-Station ging um diese Zeit dann auch etwas flotter über die Bühne.


Freitag, 16. August 2013

Begegnungen: „Schön dass Sie endlich da sind!

Vom geparkten Cachemobil waren es knapp 100 Meter bis zum Final. An der Schnittstelle eines Wohngebiets mit einigen mehrstöckigen Häusern und eines kleinen Gewerbegebiets an einem eingezäunten unbebauten Grundstück musste er sein. Schnell war die magnetische Filmdose an der Querstrebe des verrosteten und mit dicker Kette und Vorhängeschloss gesicherten Eingangstores gefunden und ich war gerade dabei, mich in die Logrolle einzutragen.

„Schön, dass Sie endlich da sind“ tönte eine männliche Stimme in meinem Rücken. War es der Owner? Ein älterer kleiner Mann mit Spazierstock ist ja nicht unbedingt der Prototyp eines Cacheauslegers. Ein interessierter Muggel, der des öfteren suchende Cacher an dieser Stelle beobachtet hat?

„Lag auf meinem Weg und da bin ich heute halt vorbeigekommen“ war meine durchaus korrekte vorsichtige Antwort. „Eine Mordssauerei ist das! Schauen Sie sich doch das Grundstück an!“ entrüstete sich mein Gesprächspartner.

Tatsächlich war es ein extrem verwahrlostes Grundstück.. Der Zaun, verbogen und an manchen Stellen beschädigt, das verrostete Tor und dahinter eine geschotterte Zufahrt voller Schlaglöcher. Mehrere Haufen von Bauschutt und vor sich hin rostender Maschinenteile auf dem Gelände verteilt, eine baufällige kleine Hütte, eher ein Unterstand und das ganze Grundstück voller Brennessel, hochgewachsenem Unkraut und ein paar Büschen. Schön schaute es hier wirklich nicht aus und das Gelände war neben den von Rasen und ein paar Bäumen umgebenen Wohnhäusern und den properen kleinen Gewerbebetrieben ein Schandfleck.

„Schon zwei Mal haben wir an die Stadtverwaltung geschrieben und nichts ist passiert“ ereiferte sich der Anwohner. „Aber jetzt sind sie ja endlich doch gekommen um den Saustall zu begutachten!“ Jetzt fiel bei mir der Groschen: Ich stand vor dem heruntergekommenen Grundstück, machte gerade – nach seiner Meinung – Notizen und da konnte ich ja nur der herbeigesehnte Mitarbeiter der Stadtverwaltung sein.

Was tun? Ich packte langsam den Logstreifen in die Filmdose und deponierte sie seelenruhig an der Querstrebe. „Ziemlich verrostet das Ganze!“ kommentierte ich, was er mit Kopfnicken quittierte. „Da muss ja wirklich was getan werden“, was zu weiterem heftigen Kopfnicken führte. Noch ein paar Minuten diskutierten wir über diese hässliche ungepflegte Ecke und all den Dreck und Schmutz auf dem verwahrlosten Grundstück.


Nachdem ich ihn nochmals versicherte, dass dieser Zustand nicht akzeptiert werden könne, zog er zufrieden von dannen. Ich aber auch und ich hoffe nur, dass nach mir wirklich ein städtischer Mitarbeiter als Reaktion auf die Beschwerden zur Begutachtung der Zustände vor Ort erschienen ist. Sonst würde der alte Mann wohl endgültig seinen Glauben an die Stadtverwaltung verlieren.

Dienstag, 3. Juli 2012

Das alte kranke Auto


Frohen Mutes und innerlich noch beseelt von der längeren Wanderrunde im Wald, mit ein paar - trotz cleverer Verstecke - gut gefundenen Caches, marschierte ich zurück zu meinem Cachemobil, das ich vor ein paar Stunden auf dem Wanderparkplatz nahe der Straße abgestellt hatte.
Während man sonst oft Probleme hat, einen den landwirtschaftlichen Verkehr nicht störenden Parkplatz an einer Wegekreuzung zu finden, gab es hier gleich zwei größere Parkplätze hintereinander. Genutzt werden sie werktags anscheinend wenig, denn ich war der einzige, der hier am frühen Nachmittag seinen fahrbaren Untersatz abgestellt hatte.
Es war schon dämmrig geworden und etwas müde von der Tour war ich auch auf den letzten Metern quer über den hinteren Parkplatz zu meinem mobilen Untersatz.

Dann sah ich es!
Ein etwas schmutziges, altes und krankes Auto. Fast versteckt stand es in der Ecke des hinteren Parkplatzes.
Schon an der etwas abgeschossenen, gräulichen Farbe hätte man erkennen müssen, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Es hatte heftige Schweißausbrüche, denn die Scheiben der Fenster waren stark beschlagen und blind. Wie bei einem Schüttelfrost wackelte und wippte es ständig hin und her. Die keuchenden Geräusche erinnerten mich an meinen älteren Nachbarn, der häufig unter Asthmaanfällen leidet. Gelegentliche helle Quietschgeräusche hatte ich bei ihm allerdings nicht in Erinnerung.

Eindeutig Fieber und dann so krank und so allein im Wald!
Da wäre doch ein Platz in der trockenen und warmen Garage daheim wohl besser gewesen und vielleicht hätte sich das Schnauferl dann auch wieder erholt und auskuriert.

Leider verstehe ich wenig von Technik und Autos. Aber solange sie treu ihren Dienst erfüllen, bin ich auch gut zu ihnen und manchmal putze und wasche ich mein Cachemobil auch liebevoll, wenn die getrockneten Dreckspritzer von nassen morastigen Wegen zu sehr die Originalfarbe verdecken.
Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte es gestreichelt und getröstet. Besonders, als ein letzter größerer Anfall mit einem tiefen Seufzer endete und das Wackeln plötzlich aufhörte. War das der Exitus?

Ohne die technischen Fähigkeit helfend einzugreifen, ging ich jetzt schwer in Gedanken versunken und etwas betrübt die letzten 200 Meter zu meinem treuen Fahrzeug um meine Utensilien zu verstauen und meine Wanderschuhe für die Heimfahrt zu wechseln.

Und siehe da: Das alte Auto hat überlebt!
Fröhlich tuckerte es aus seiner hinteren Ecke kommend an mir vorbei.
Der Mann am Steuer und die jüngere Frau am Beifahrersitz müssen wohl auch mitgelitten haben. Mit etwas geröteten Köpfen und anscheinend tief in Gedanken fuhren sie, starr nach vorne schauend und jeglichen Blickkontakt meidend, an mir vorbei. Hatten anscheinend doch ein schlechtes Gewissen das alte kranke Auto so einfach im Wald stehen gelassen zu haben.

Eines habe ich mir für die Zukunft aber vorgenommen:
Wenn ich wieder auf ein ähnlich krankes Auto treffe, dann werde ich in Zukunft vielleicht doch hilfreich eingreifen. Oft trägt es schon zur Linderung bei, wenn man liebevoll die Schweißperlen  von den Scheiben wischt, auch wenn man sonst kaum helfen kann.

Samstag, 4. Februar 2012

Früh übt sich ...

... was ein echter Cacher werden will

Zwischen dem Fenster von meinem Home-Office und dem Schulkomplex gegenüber liegt ein kleiner Park. Kaum mehr als 10 größere Bäume und an die 20 Büsche wachsen in der, auf zwei Seiten von flachen Schulgebäuden eingerahmten, schmutzig graugrün eingefärbten bewachsenen Grünfläche, die trotz asphaltierter Wege rund herum von vielen abkürzenden Trails durchzogen ist. Es gibt nicht nur die Cachertrails zu Baumstümpfen und anderen Versteckobjekten, es gibt auch dort die Trails, wo die Wegführung nicht optimal an die Bedürfnisse angepasst ist.
In den Unterrichtspausen herrscht auf dem, mit Verbundsteinen gepflasterten, angrenzenden kleinen Schulhof reges und lautes Treiben, das aber weder mich, noch mangels anderer direkter Nachbarn, jemand anderen stört. Am wenigsten wohl die Bewohner des angrenzenden Friedhofs.
Sie sind mir gleich aufgefallen, die kleinen Gruppen 10 bis 12 jähriger Schüler, als sie mit einer bekannten Handhaltung durch den „Park“ streunten und Bäume und Büsche inspizierten. Tatsächlich, einer in der Gruppe hatte in der Hand des abgewinkelten rechten Arms ein GPSr und sie schienen etwas zu suchen.
Es war interessant, den unterschiedlichen Teams der Geocaching-AG der Realschule „bei der Arbeit“ zuzusehen. Schon hier, beim ersten Reinschnuppern, konnte man das ganze Spektrum der Cacher-Typologie beobachten.
Da gab es den Feinmotoriker, der langsam und bedächtig zum identifizierten Busch ging und vorsichtig und sorgfältig die Ästchen beiseite schob, um die Filmdose zu entdecken. Im Gegensatz dazu der robuste Grobmotoriker, der nach erster erfolgloser Suche den Busch kräftig mit seinen Füßen traktierte. Aus dem könnte einmal ein Baumwurzelzerfleischer und Moospolsterentferner werden. Es gab die Mitläufer, die dem führenden GPS-Träger brav hinterher trotteten, wie den Entdecker, der seine Schritte beschleunigte, je näher man ans Ziel kam, um ja der Erste zu sein, der das Döschen entdecken würde. Es gab welche, die ohne größere Suchaktion unschlüssig von Busch zu Busch irrten und wieder andere, die trotz einem eindeutigen Signal, erst einmal ganz andere Objekte untersuchten. Andere, als GPSr-Träger privilegiert, dirigierten souverän und überlegen die anderen Teammitglieder an die Stelle, wo sie nach Anweisungen dann suchen sollten. Alle Typen, wie im richtigen Cacherleben, waren vertreten. Auch jene, die sich ohne größere Begeisterung zu zeigen, aus welchen Gründen auch immer, in der GCAG angemeldet hatten und anscheinend ziemlich spaßfrei eben nur dabei waren. Einmal kam sogar die Lehrerin und prüfte, wohl nach einigen DNFs, nach, ob das Döschen noch vorhanden sei. Owner Maintenance bei diesem privaten Cache.
Weil sich das alles direkt vor meinem Fenster im 1. Stock abspielte, hatte ich eine ideale Beobachterposition und wartete bald gespannt auf die üblichen Cachingzeiten. Dann schlug ich an einem frühen Abend selbst zu und suchte – ohne GPS – den Busch ab und fand die Filmdose mit professioneller Logrolle und der Reihe von Einträgen.
Eine kleine unaktivierte Geocoin in einer Plastikfolie passte gerade noch in das Döschen. „Grüße von Albatross1901 und die Coin gehört dem nächsten Finder“ hatte ich auf einen kleinen Zettel vermerkt.
Am nächsten Tag saß ich gespannt und voller Vorfreude auf das, was jetzt geschehen würde, wie ein Spanner, wieder am Fenster. Und da kam auch schon die erste Gruppe, loggte den Fund, schaute sich die Coin an … und steckte sie wieder in die Filmdose. Aber irgendwann hat dann doch einer die Coin mitgenommen und das bunte Cachertreiben hörte mit dem Ende der Aktivitätswoche und der AG auch auf.
Überrascht war ich dann bei meinem eigenen offiziellen Cache, etwa 200 m von der Schule entfernt, einige Tage später einen found-log zu lesen: Cache mit 12 eifrigen Schülern gefunden (alle keine Muggel mehr). War sehr interessant zuzuschauen, wie diese „äußerst unauffällig“ suchten. PS: Danke schön für die kleine Überraschung und den Coin für die Schüler in einem unserer internen Verstecke. Für den Augenblick waren wir sehr verwundert. ;-)
Über ihr eigenes Geocaching-Account hat mir die Lehrerin geloggt und dann noch Grüße von der ganzen AG bestellt.
Ich muss jetzt wohl wieder ein Jahr warten, bis sich wieder Ähnliches vor meinem „Fenster zum Hof“, pardon "Fenster zum Park" abspielt. So dramatisch wie bei Hitchcock ging es ja auch wiederum nicht zu und auch optisch unterscheide ich mich ja auch geringfügig von James Stewart. Das meint jedenfalls meine Grace Kelly.

Dienstag, 24. Mai 2011

Begegnungen mit Muggles

Im Osten ...
Ein kalter durchdringender Landregen hat mich schon den ganzen Morgen begleitet. Kein Wunder, dass ich ziemlich allein und ungestört ein paar Dosen suchen konnte. Wer geht bei so einem Siffwetter auch vor die Tür? Und an der abgelegenen Location oberhalb der Stadt am Waldrand mit einem kleinen Parkplatz und der Kachelmann Wetterstation war ich völlig ungestört ... dachte ich.
Aber dann, gerade als ich die Kappe von einem Zaunpfosten entfernt hatte und den Logstreifen entrollte, eine Stimme in meinem Rücken. "Sie kommen ja sonst zum Ablesen nur am Monatsende? Was tun Sie den heute hier?"
Anscheinend hat mich der ältere Mann mit dem Regenschirm, den es trotz des Wetters zu einem kleinen Spaziergang herausgetrieben hatte, mit dem Mitarbeiter eines Serviceunternehmens zum Stromablesen oder sonst einem monatlichen Service verwechselt.
"Sie wissen doch sicher, dass der Herr Kachelmann in Mannheim vor Gericht steht?" Verständnisvolles und wissendes Nicken. "Und da müssen wir halt jetzt, bis das alles über die Bühne ist, einfach häufiger kontrollieren" sagte ich, während ich weiter unbeeindruckt den Fund loggte. Er nickte erneut verständnisvoll und langsam und befriedigt zog er weiter.
Man muss nur seine Argumente, auch wenn sie noch so absurd sind, mit Überzeugung und glaubwürdig rüberbringen, dann geht alles.

... wie im Westen
Da stehen sie, die drei Steinelefanten nach Grösse sortiert auf einem Privatgelände, das, wenn man einem älteren Log glauben darf, sogar videoüberwacht ist. Gut, dass die Filmdose ein paar Meter entfernt plaziert ist.
Und weil mich mein GPS in letzter Zeit - je nach eingestelltem Profil - etwas geärgert hatte, wurde am Final erst mal der Kompass kalibriert. Wie ich so dastehe und das GPS drehe … „Do honne is e!“ Schwäbisch für Ausländer durch einen LKW-Fahrer, bevor er einsteigt, seinen LKW rangiert und wegfährt. Ob der jetzt auch ein Cacher ist oder nur immer wieder die vielen Suchenden sieht? Jedenfalls, recht hatte er, denn da war das Döschen dann auch.
Gerade hatte ich das Filmdöschen aufgemacht und den Logstreifen entnommen, da gesellt sich ein anderer älterer Einheimischer zu mir. „Sind Sie jetzt deswegen gekommen und woher sind sie denn?“ Und das Missverständnis nahm seinen Lauf.
„Ja, weiß denn jeder Bescheid hier?"
"Ja", meinte er "das ist doch eine Sauerei!" Und dann erzählte er mir die ganze Geschichte von dem Grundstück, das die Stadt verkauft hat und das vom Käufer jetzt als illegale Müllkippe genutzt wird, und was für ein Dreck da rumliegt, und welchen Eindruck das doch macht und so ging es die nächsten paar Minuten weiter, während ich meinen Fund in aller Ruhe im Logstreifen eintrug. Alle Klagen bei der Stadt und beim Landratsamt hätten nichts genutzt. Einer verweist auf den anderen und jetzt hat es ja doch geklappt und er ist er wirklich froh, dass ich jetzt da sei und mir das anschauen würde.
Und da dämmerte es mir allmählich.
Er sprach von dem heruntergekommenen Grundstück und hielt mich für einen amtlichen Begutachter einer übergeordneten Behörde und ich war mit meinen Gedanken nur beim Cachen.
So kann es eben gehen. Zumindest hat den Glauben an amtliche Aufsicht wieder gewonnen und ich einen interessanten Fund mehr.

und nach den Elefanten die Bullen
Auf der Rückreise vom MEGA-Fort in Ulm haben anice77 und ich auch noch ein paar Autobahnrastplätze abgegrast. Bei einem etwas abseits gelegenen Pendlerparkplatz, als wir uns gerade durch die Büsche schlugen, kam dann das Polizeiauto. Sie drehten eine Runde und beäugten uns kritisch, bevor sie wieder wegfuhren. Beim nächsten Stop hatten wir gerade unser Cachemobil geparkt, als das gleiche Auto uns frontal entgegenkamen. Dieses Mal blieben sie stehen, die Scheibe ging runter und kritische Fragen nach dem Wie? und Was? wurden gestellt.
Dann haben wir der jungen hübschen Polizeibeamtin und ihrem Kollegen mit den drei Sternen am Revers erzählt, dass wir hier cachen und sie dann eingeladen, mit uns gemeinsam die Dose zu suchen. Er wollte ja nicht gleich, aber sie war ganz begeistert und wie häufig Frauen haben das bessere Duchsetzungsvermögen.
Leider war der Cache nur drei Meter von uns entfernt. Ich wäre gerne mal unter Polizeischutz über eine längere Strecke auf Dosensuche gegangen.
Wir haben ihnen noch gezeigt, wie so ein Cache aussieht, was so alles im Logbuch drin steht und wie man ihn wieder versteckt. Wieder zwei unserer Freunde und Helfer, die den Mugglestatus verloren haben und jetzt keinen Verdacht mehr schöpfen, wenn jemand an Pendler- und sonstigen -Parkplätzen mit einem GPS durch die Gegend schleicht.

Sonntag, 24. April 2011

War nett mit Red !

My name is Red .. you know … Gone with the wind?
Eine direkte Ähnlichkeit mit Clark Gable konnte ich zwar nicht erkennen und außerdem schrieb sich der Titelheld aus dem Film „Vom Winde verweht“ Rhett Butler – aber sonst war er ein netter Kerl.
Er bewirtschaftet die kleine Farm und beliefert ein paar Geschäfte in der Umgebung mit Gemüse, Kartoffeln und einigen anderen Produkten. Vieles wird aber in dem kleinen Laden selbst vermarktet. Das macht man so in dieser etwas menschenleeren Gegend in Oregon, dass man sein Obst und Gemüse direkt beim Nachbarn kauft.
Grandpa Farmer John sah wohlwollend zu, als wir uns über Landwirtschaft, die Arbeitsbedinungen und Gott und die Welt unterhielten.
Auf der Suche nach einem Cache war ich von der einsamen Landstraße abgezweigt und nach rund 200 Meter über eine ausgefahrene, staubige Schotterstraße bei seinem kleinen Laden angekommen.
Wasserprobleme habe er keine meint Red, denn für den Fluß ist seit 1886 das Wasserrecht auf der Farm. Nur wenn er die Farm verkauft, dann muss sich der neue Besitzer hinten anstellen und wenn es im Sommer knapp werden sollte, muss der neue Besichter als erstes die Entnahme einstellen. Aber verkaufen will er ja nicht, auch wenn er im Winter in die nahe Fleischfabrik zur Arbeit muss um die Familie zu ernähren.
Und der Cache? Ja, den hat neulich ein Sturm weggefegt und er hat die Munitionsdose vorsorglich geborgen. Und dann hat er mich noch persönlich hingeführt und das Loggen überwacht.
Der Cache hat auf meinem Oregontrip etwas länger gedauert als der geplante drive-in. Fast eine Stunde bin ich bei den beiden geblieben und nach anfänglichem behutsamen Abtasten sind sie dem Fremden aus Europa gegenüber gesprächiger geworden. Als Freunde sind wir dann auseinander gegangen.
Betreutes Cachen, aber vor allem aber eine schöne Begegnung mit grundehrlichen Menschen – mehr wert als ein paar Döschen mehr für die Statistik.
War nett mit Red!

Freitag, 18. März 2011

"Die Zeit ist reif für neue Ziele!"

"Die Zeit ist reif für neue Ziele! Ich wünsche Allen, die dieses Hobby stützten und förderten, eine gute Zeit und eine Menge neuer Erlebnisse ! Diese Jahre gaben mir vieles... Bye, Bye!!"

Mit diesen dürren Sätzen hat er sich Ende 2005 von der Dosensuche verabschiedet. Immerhin, er hat sich von der Community verabschiedet, alnders als einige bekannte Namen die seither wort- und grußlos aus der Community verschwunden sind.
Er wird jetzt wohl nicht mehr wieselflink für T 5er auf Bäume steigen, sondern sich vielleicht ausserhalb von GC auf Lost Places, wie die Erkundung der Bunker der Neckar-Enz-Linie oder auf Höhlenbegehungen oder sonstige Aktivitäten konzentrieren. Schade, denn er war seit Anfang Juni 2003 aktiv und einer der Ersten, die in unserer Gegend Dosen suchten. Mit der noch heute existierenden Matrix-Serie hat er sich ein Denkmal gesetzt.
Als ich ihn 2004 bei einer Cachesuche zufällig an der Location traf und ich ihm von dieser Matrix-Serie vorschwärmte, gab er sich als Owner zu erkennen. Ich habe damals ziemlich rote Ohren bekommen.
Gemeinsam waren wir später auf einer Tour, als er so nebenbei bemerkte, dass der gerade gefundene sein 1.000 Cache war. Das war damals, als die Community und die Cachedichte noch klein war schon etwas Außergewöhnliches. Weltweit war er damit unter den ersten 1000 und in Deutschland in den Top-10, was die Anzahl der Funde angeht.
Für die Community, wo noch fast jeder jeden kannte, war seine Entscheidung ein kleiner Schock. Die Caches der Matrix-Serie wurden dann von Team D-M-G, Mike_hd, herri und mir adoptiert, damit diese anspruchsvollen und interessanten - meist - Multis erhalten blieben ... und sie existieren nach all den Jahren immer noch.

Warum ich auf flowcatcher komme?
Heute habe ich beim adoptierten Matrix VI - Vertical Limit die etwas vermoderte Originaldose ausgetauscht und das Logbuch ersetzt und da kommen halt manche Erinnerung hoch.
Dieses Versteck hat ja auch seine eigene Geschichte: Im Eingangsbereich eines kleinen Tunnels war die Dose unter einem gelockerten Sandstein versteckt. Bei Sanierungsarbeiten wurde der ganze Bereich neu gemauert und es gab DNF Logs und anschliessend komischer Weise wieder Funde. Als ich dann nachschaute war das ursprüngliche Versteck tatsächlich zugemauert und verschwunden.
Dafür gab es ein paar Schritte tiefer im Tunnel eine neu gemauerte kleine Nische und darin haben die Bauarbeiter die Dose plaziert und in den feuchten Mörtel sogar ihre Initialen hinterlassen. Inzwischen ist die Nische noch mit einem kleinen Sandstein getarnt. Sag noch einer was gegen Muggles.


Die Matrix XII - Die Reise zum Mittelpunkt der Erde gehört nicht zur Originalserie. Dieser Multi - einer der schönsten aber auch einer von den sehr kniffligen - wurde vom Team D-M-G im Juni 2007 als Hommage an die Originalserie ausgelegt. Mit D/T 3,5/4,0 einer der selten angegangen wird und den man auch nicht im Vorbeigehen mal mitnimmt.
Immerhin hat er flowcatcher aus seinem "Ruhestand" aufgescheucht und ihn noch einmal auf die erfolgreiche Suche gelockt.

Samstag, 12. März 2011

ALAMOGUL: 50.000 Caches gefunden

Beim Geowoodstock VII in Bell Buckle, Tennessee habe ich ihn zum ersten Mal aus der Ferne gesehen, umringt von Freunden und Fans, die sich mit ihm für das heimatliche Photoalbum photographieren liessen.
Und dann, beim Geowoodstock VIII in Carnation, Washington das gleiche Bild. Dieses Mal konnte ich mich durchdrängeln und dabei habe ich sogar seinen Arm berühren können.

Aber Spaß beiseite! Alamogul scheint ein liebenswerter Zeitgenosse, der sich als professional cacher bezeichnet und auch danach handelt. Das muss man wohl auch sein, wenn man seit dem 1. Fund am 3. November 2002 bis heute 50.000 Dosen gefunden hat. Das sind jahraus jahrein 500 Caches pro Monat oder etwa 16 Caches pro Tag. Schon bemerkenswert! Dabei gibt es auch bei ihm Tage ohne finds, die dann durch Poweraktivitäten wettgemacht werden.
Im April 2010 hat er in nur 3 Tagen 750 Caches geloggt und als persönlichen Rekord am 19.06.2010 uf der E.T.Highway an einem einzigen Tag 917 Dosen gefunden. Dieser Powertrail mit einer Dose alle 160 Meter wurde jetzt vor ein paar Tagen auf Betreiben des Nevada Department of Transport von GC archiviert. Da werden manche ihre Reisepläne für diesen Sommer wohl ändern müssen.
Finds in 48 Staaten der USA konnte Lee im Juli 2007 vermelden. Bis auch die übrigen zwei Staaten abgecacht waren dauerte es dann doch noch bis Ende Januar 2009.
Wie man auf so eine Anzahl von finds kommt? "I try to never make a left turn. I always go right" meint Lee und darüber grüble ich jetzt schon einige Zeit. Auch ich lasse - besonders auf Autobahnen - Caches auf der linken Seite links liegen. Wenn man aber immer nur rechts abbiegt, dann dreht man sich doch irgendwie im Kreis - oder irre ich?
Mit seinen 50.000 gefundenen Caches ist Alamogul die Nummer 1 weltweit, wenn es nach der Anzahl der Cachefunde geht. Und das wird er für einige Zeit bleiben, denn die # 2 Teamsnook liegt aktuell rund 14.500 Caches zurück.

Früher hatte er den Nickname "Team Alamo". Vor einigen Jahren hat er ihn auf Alamogul geändert. Da bestehen Verbindungen zu Alamo in Kalifornien und Mogul in Nevada. Ich hatte ursprünglich gedacht, dass er den Nick von der Bezeichnung "Großmogul", dem Herrscher eines mittelalterlichen Staates im indischen Subkontinent ableitet. "Mogul" als Gießanlage für Gummibärchen habe ich schon früh ausgeschlossen. Eine "Mogul" ist aber auch eine Dampflok mit spezieller Achsenfolge. Obwohl auch dies nicht zutrifft wünsche ich Alamogul stets ausreichend Dampf, damit er seinen Sport und sein Hobby noch viele Jahre so weiter führen kann, wie er Spaß daran hat.

Vielleicht klappt es dann beim Geowoodstock IX in Warren, Pennsylvania in diesem Jahr sogar für ein Photo von Lee und mir.