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Freitag, 14. Dezember 2012

Block Party - das vergessene Icon


Wenn man bei Geocaching nach den diversen Cachetyp-Icons für die verschiedenen Cachetypen sucht, dann wird man ein Icon nicht finden. Und auch im Cachewiki oder in Markus Gründel’s Geocaching Taschenbuch und bei anderen Quellen, die anscheinend auf diese Groundspeak Information zurückgreifen, wird man nicht fündig.  
So selten ist dieses Icon, dass es – Stand Dezember 2012 – in der Aufstellung wohl einfach vergessen wurde. Weltweit haben es bisher weniger als 3.000 Cacherteams in ihrem Profil: das „Geocaching Block Party“ Icon

Angefangen hat diese Party-Tradition mit der „Lost & Found Celebration am 4. Juli 2010 im Stadtteil Fremont, Seattle in der Nähe des GC Headquarters, einen Tag nach dem GeoWoodstock VIII auf den Remlinger Farms in Carnation, nur 50 km östlich von Seattle. „10 Jahre Geocaching“ wurde gefeiert und Blechlawinen und Menschenmassen strömten in die Stadt. Viele besuchten den wöchentlichen Fremont Sunday Market gleich neben dem Party-Gelände, die meisten waren aber auf dem Weg zum Gas Works Park am Lake Union, um sich einen Platz für das Picknick am Unabhängigkeitstag und das abendliche Großfeuerwerk zu ergattern.

Mehr als 2.500 Cacher in knapp 1.600 Teams besuchten das Event, viele als „Nachfeier“ zum gelungenen GeoWoodstock. Neben den üblichen Verkaufsständen konnte man Jeremy und Groundspeak Lackeys gegen einen Obulus für eine soziale Einrichtung in einem kleinen Pool versenken, sich auf eine Challenge Tour mit lokalen Highlights begeben oder sich mit Signal, dem Frosch oder skurillen Cachern fotografieren lassen.  
Meist schlenderte man über das Gelände und übte sich im Small-Talk mit Cachern aus den verschiedensten US-Staaten oder aus anderen Ländern. 
Selbst die deutsche Cacher-Community war mit etwa einem Dutzend Teilnehmer vertreten.

Wer dabei war, der hatte plötzlich ein „Groundspeak Lost & Find Celebration“ Icon – identisch mit dem „Groundspeak HQ“ Icon – bei den „All Event Cache Types“ in seinem Profil.

Eine ähnliche Party wurde mit der  „2011 Geocaching Block Party“ am 20. August 2011 mit einem vergleichbaren Programm organisiert. Auch dieses Mal, trotz fehlendem Vor-Event GeoWoodstock, wurde die Marke von 1.000 teilnehmenden Teams übertroffen. Von nun an wurde die jährliche Blockparty zeitlich stets um den Internationalen Caching Day organisiert.
Für das 2011 Event wurde erstmals das Blockparty-Icon geschaffen. Wenn man auf der Event-Seite allerdings auf das Icon klickt, dann landet man bei der eingangs erwähnten Auflistung der Cachetypen, wo man es dann vergeblich sucht.

Auch bei der „2012 Geocaching Blockparty“ am 18. August 2012 waren es 1.127 Teilnehmer-Logs. Der letzte loggte vor zwei Tagen am 12. Dezember 2012 und bedankte sich mit einem „Attended“ für das schöne Icon-Design. So kann man, daheim in Old England sitzend,  auch seine Icon Gallerie im Cacher-Profil vervollständigen.

Die 2013 Geocaching Block Party wird am 17. August 2013 an bekannter Stelle stattfinden. Die Anmeldungen tröpfeln langsam und erst 68 Teams haben ihre Teilnahme mit einem „will attend“ Log bekundet. Da sind manche deutschen Events mit mehr Teilnehmern schneller ausgebucht.
Die Veröffentlichung im September 2012 mit einer langen Vorlaufzeit von fast 11 Monaten („with special permission by Groundspeak!“) hat noch keinen Anmeldungsrun gebracht. Es sind ja noch ein paar Monate bis dahin und bis Mitte August wird sich der Platz um das Headquarter noch füllen. 
Man muss sich ja nicht unbedingt hin, um sich mit netten aber etwas skurillen Geocachern ablichten lassen. Seattle und der Staat Washington haben ja noch so viel anderes zu bieten. 


Dienstag, 25. Oktober 2011

Ich bekenne: Ich habe betrogen!

Wie fast immer nieselte es auch an diesem 18. August 2008 in Seattle und kleine Nebelschwaden zogen über den Puget Sound und den Lake Union, wo um diese Zeit noch keine Wasserflugzeuge starteten.
Schon früh haben wir uns aufgemacht von unserem Quartier in die rund 25 km entfernte Stadt, die wir heute erkunden wollten. Und es wurde ein toller Tag … bis 18:47 h – aber dazu später.
Im Seattle Center, im kleinen Park am Standort der Weltausstellung 1962, sind wir mit den Lift auf die Plattform der Space Needle hochgefahren und haben den spektakulären Ausblick genossen. Im Science Fiction Museum gleich nebenan wurden wir durch die Ausstellungsstücke an viele alte Filme erinnert und lange sind wir im EMC, im Experience Music Project geblieben. Die Geschichte der E-Gitarre, die nicht mit der legendären Fender, sondern viel früher begann, die alten Filme mit Musikproben der Rockgrößen oder der 10 Meter hohe Turm aus E-Gitarren haben uns beeindruckt.
Im Pike Market, dem ältesten dauerhaft geöffneten Farmer Market in den USA sahen wir den Fischhändlern zu, wie sie traditionsgemäß die gekauften Fische mit lautem Geschrei über einige Meter dem Mann an der Kasse zuwarfen und nach dem Hammering Man am Kunstmuseum starteten wir am Pioneer Square in einem unscheinbaren Gebäude die außergewöhnliche Seattle Underground Tour.
Cachen war heute nicht auf dem Programm – naja, ein bisschen was geht ja immer! Mein Reisekamerad, der zwar kein eigenes Account hat, aber bis zu diesem Tag schon an die 300 Finds von gemeinsamen Reisen und Touren hätte loggen können, hatte einen speziellen Wunsch. Ein Besuch des Apple Stores in der University Village von Seattle, um sich hier in USA mit einem iPhone einzudecken.
Der Shop war zwar weitere 20 km vom Standort entfernt, aber lag in Richtung des Microsoft Headquarters in Redmond, das heute auch noch auf dem Programm stand. Wir fuhren also hin und nach Schlangestehen am Eingang und der obligatorischen Beratung im Laden war auch dieser Punkt erfolgreich abgehakt.
Inzwischen war es später Nachmittag und wir näherten uns immer mehr der Uhrzeit 18:47 h, die Zeit in der ich schwach wurde.
Noch von Deutschland aus habe ich einen sehr schön gemachten Travelbug mit auf die Reise genommen. Eine dickere Weißblechscheibe mit eingefrästem Apple Logo. Solide Arbeit, denn die Kanten waren entgratet und die Aufgabe stand auf einem laminierten Zettel. Der TB sollte vor dem bekannten Schriftzug von Microsoft beim Headquarter in Redmond fotografiert werden und dann zurück nach Deutschland reisen. Das hat bei der Reisevorbereitung prima gepasst und wir freuten uns tierisch auf diesen Tagesabschluss.

17:30 h: Wir machten uns auf den Weg – nochmals 20 km - nach Redmond, aber so sehr wir auch herumkurvten, wir konnten den Schriftzug nicht finden. Das ist ja auch noch verzeihlich, wenn man keine exakte Adresse hat und nur den Hinweisschildern folgt zu einem über 120 Hektar großen Firmengelände mit fast 50 Einzelgebäuden

18:15 h: Es wurde immer dunkler auf den Straßen. Schließlich fanden wir doch ein Microsoft Visitor Center, das schon geschlossen hatte. Wir entschieden, dass hier das Photo gemacht werden sollte.
In den Rucksack gegriffen um den TB rauszuholen …. aber da war nichts. Alle Einzeltaschen durchwühlt, immer noch nichts. Jackentaschen, Fototasche, das Auto und alle möglichen und unmöglichen Lagerorte gecheckt: Kein Travelbug, keine Blechscheibe mit Apple-Logo.
Dann kam die Erkenntnis und der Schock: Die Blechscheibe war, bereitgelegt auf dem Koffer, in unserem knapp 40 km entfernten Motel liegengeblieben.
Wir grübelten, was wir jetzt wohl tun könnten und dann hatte ich um

18:47 h die Idee, ein Foto zu faken und damit habe ich wohl meine Cacherunschuld ein für alle Mal verloren..
Glücklich sah er nicht aus, mein Reisekamerad, dem ich zum Schutz unkenntlich gemacht habe. Mit traurigen Augen stellte er sich wie von mir dirigiert vor das Schild des Visitor Centers und hielt in der einen Hand mein GPS und in der anderen …. nichts. In die leere Hand wurde später dann mit Photoshop der Travelbug einkopiert und mit diesem Foto dann auch der TB geloggt. Möge der Owner mir verzeihen.

Drei Sommer sind seither ins Land gezogen und immer noch denke ich an diesen Betrug. Ich verkneife es mir ungenehmigte Fotologs oder Fundlogs von abhanden gekommenen Caches zu kommentieren oder auch Team-Logs, bei denen am gleichen Tag mit ein paar Hundert Kilometer Abstand Funde geloggt werden, die so kaum möglich sind.
Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen.
Wenn ich mitunter nachts schweißgebadet von Albträumen geplagt aufwache, dann ist das der gerechte Lohn für meinen damaligen Betrug. Jetzt, wo ich mich geoutet habe, spüre ich schon etwas Linderung und Erleichterung. Vielleicht wird schon bald der 18. August 18:47 h auch für mich wieder ein ganz normaler Tag und eine normale Uhrzeit sein. Wollen wir es hoffen!

Sonntag, 24. Juli 2011

Nachruf auf einen legendären Cache

GC1169 Mission 9: Tunnel of Light - Project APE Cache
Mit einer am Tunnelende gefundenen Blume verabschiede ich einen legendären Cache, denn am 13. Juni 2011 wurde der letzte in den USA aktive Project APE Cache GC1169 Tunnel of Light von Moun10Bike archiviert. Die riesige Munitionskiste musste er nicht mehr einsammeln, denn die war mit dem gesamten Inhalt gestohlen worden, was letztlich der Grund für die Archivierung war.
In rund 10 Jahren seit Veröffentlichung dieses außergewöhnlichen Caches am 18. Juli 2001 haben 3.086 Cacher ihn geloggt und mit über 2.820 Fotos den Fund dokumentiert. Noch immer haben ihn über 330 Cacher auf der Watchlist und mit 737 Favoritenpunkten gehört er zu den am häufigsten bewerteten Caches.
Die vielen Notes von Cachern, die fest geplant hatten ihn in der nahen Zukunft anzugehen und die teilweise schockiert die Archivierung bedauerten, sind gelöscht worden.
Tunnel of Light war gemeinsam mit den anderen 12 APE-Caches der erste „kommerzielle“ Cache, dem sogar ein eigenes Icon spendiert wurde. 20th Century Fox hat auf vielfältige Art und Weise den Film Planet der Affen promoted. Eine bei der noch kleinen Cacher-Community damals etwas ungewöhnliche PR-Methode waren die APE-Caches, die unter großer Geheimhaltung mit Requisiten aus dem Film von ausgewählten Cachern ausgelegt wurden.
Nachdem der Film in die Kinos gekommen ist hat Fox das Interesse verloren und ein APE-Cache nach dem anderen wurde aufgegeben und archiviert. „Tunnel of Light“ war der letzte seiner Art in Nordamerika.
Um den Ausgangsparkplatz zu erreichen fuhr man rund 90 km von Seattle auf der lauten und stark befahrenen Interstate 90 nach Osten bis ins kleine Skigebiet bei Hyak. Der Iron Horse Trail, der hier vorbeiführt, ist ein Bike und Wanderweg auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse. Kurz nach dem Parkplatz beginnt das Abenteuer und man betritt den Tunnel durch ein großes absperrbares Tor. Ab Mitte September bis Ende Mai waren die Tore auf beiden Seiten witterungsbedingt meist geschlossen und der Weg zum Cache führte nur durch teilweise bauchtiefen Schnee über den Berg. Aber auch das haben einige Cacher auf sich genommen. Wir waren im August 2008 vor Ort.
Nach wenigen Metern und einer kleinen Biegung am Tunnelanfang war man von der Dunkelheit umfangen. Der fein geschotterte Boden war an manchen Stellen ziemlich nass und das von der Decke tropfende Wasser bildete Pfützen. Man hörte in der absoluten Stille wie die Tropfen herunterklatschten. Nur das Headlight wirft ein gespenstisch flackerndes Licht auf die lange gerade Tunnelröhre mit den von der Nässe feucht glänzenden Wänden. Totale Dunkelheit umfängt uns, wenn wir die Lampen ausschalten und es wird immer kühler und etwas neblig je weiter wir im Tunnel vorankommen. Eine Stimmung, wie ich sie so noch nicht erlebt hatte.
Dann sieht man weit vor sich einen stecknadelgroßen weissen Fleck, der mit fast jedem Schritt langsam größer wird: Der Tunnelausgang auf der Westseite. 45 Minuten dauert die Durchquerung des fast 4 km langen Tunnels. Für den letzten Kilometer haben die Lampen ausgeschaltet und wanderten so langsam dem Licht entgegen. Dann haben wir es geschafft und kommen aus dem Tunnel ins Licht.
Gleich am Tunnelende finden wir den im Juli 2000 noch von Jeremy ausgelegten Iron Horse Cache und das Originallogbuch und nach rund einem Kilometer sind wir bei der großen freiliegenden Wurzel des APE-Cache angekommen. Die wurde im Winter schon aus 2 m tiefem Schnee ausgebuddelt. Wir haben es leichter und die Riesenmunitionskiste wird ausführlich inspiziert, die beiden dicken Kladden durchgeschmökert und der eigene Besuch eingetragen.
Nach einer Pause geht es wieder zurück durch den Tunnel. Dieses Mal etwas weniger spektakulär, denn die kommerziellen Veranstalter von Bike-Touren sind in Hyak angekommen und wie an einer Perlenkette schaukeln ganze Lichterketten durch den Tunnel und man weicht besser an die Tunnelwand aus, um nicht von den euphorisierten Bikern über den Haufen gefahren zu werden.

Wegen Renovierungsarbeiten wurde der Tunnel im Herbst 2009 geschlossen und erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet. Nur … jetzt gibt es keinen APE-Cache mehr.

Dafür blieb aber der Cache Bloody Fingers, Dirty Diapers… im Tunnel erhalten.
Wie, ein Cache in einem Tunnel, wo das GPS nichts mehr anzeigt?
In regelmässigen Abständen gibt es im Tunnel Nischen mit Rohrleitungen und irgendwelchen alten Betriebsgeräten. Man muss nur zählen können, denn in der 13. Nische liegt der Cache. Der war ziemlich weit oben in der Nische befestigt und schnell entdeckt. Über die Rohrleitungen hochgehangelt und geloggt. Was ich nicht bedachte: Da fuhren früher Dampfzüge im Tunnel und die Rohre waren mit dickem fetten Ruß verschmiert. Und beim Abwischen der Wassertropfen von meinem Gesicht bei der Tunneldurchquerung sah ich am Tunnelende dann selbst aus wie ein Coalminer nach anstrengender Schicht – mit voll russverschmierten Gesicht.
Für so ein Erlebnis lohnt sich doch die Wanderung durch den Tunnel of Light immer noch.