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Montag, 6. August 2012

Der Husky Power Trail bei Nonnweiler


Wer behauptet, dass der Husky Power Trail  zu den schönsten Wanderrunden im Saarland gehört, der hat nicht ganz recht, denn die Hälfte der 42 Caches liegt im benachbarten Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz und nur die anderen 21 im Landkreis St. Wendel im Saarland.
Weil ich aber weiß, dass die Pfälzer und Saarländer ja mitunter so ihre Problemchen miteinander haben, definiere ich durch den im Saarland liegenden Bonuscache und den saarländischen Wohnsitz von Team Husky, als Owner der Runde, als einen sehr empfehlenswerten saarländischen Powertrail.

Von Nonnweiler aus, der nördlichsten Gemeinde des Saarlands etwa 30 km südöstlich von Trier, ist der Weg zum Nonnweiler Stausee und der  Primstalsperre ausgeschildert. Den Weg sollte man besser nicht nehmen, denn dann landet man ein paar Hundert Meter unterhalb des Stausees an einer Schranke und einem Parkplatz, erhöht seine Wanderkilometer und kann nach der Staumauer erst bei # 5 starten. Der in der Cachebeschreibung angegebene Parkplatz bei Otzenhausen liegt zum Start bei # 1 und wahrscheinlich auch für den Bonus günstiger.

Zur Primstalsperre und den Staudamm kann man sich beim Tradi Primstalsperre – Der Damm von Douk-Douk mit seiner ausführlichen Cachebeschreibung informieren.

 Ich habe leider vergessen mir den Mystery Per Fahrrad durch die Galaxis von cycleali vorher anzuschauen. Der Planetenwanderweg begleitet nämlich maßstabsgetreu 1:1-Milliarde die gesamte Runde und die Informationstafeln erschlagen einem fast mit Detailinformationen zu den Planeten des Sonnensystems. Als diese Wanderung durch unser Sonnensystem 1996 von einer Arbeitsgruppe des Gymnasiums Birkenfeld (Nahe) angelegt wurde, da war Pluto noch ein Planet und auch wenn er diesen Status inzwischen verloren hat, die Informationstafel muss ja deswegen nicht entfernt werden.

Der See selbst mit einem Wasservolumen von 20 Millionen Kubikmeter Wasser und einer Oberfläche von einem Quadratkilometer ist durch den 1982 abgeschlossenen Bau der Staumauer entstanden und wird durch die Prims und den Allbach gespeist. Baden oder Wassersport ist verboten, da das Wasser auch als Trinkwasserreservoir dient. Zumindest an einer Stelle gibt es ein kleines Rinnsal in den See, an dem man sich erfrischen kann.

Rund um den See führt meist auf geschotterten Wegen ein 12 km langer Wanderweg mit einer Vielzahl von Bänken an Aussichtsstellen und einigen pavillonartigen offenen Hütten,. Auch an einem Werktag trifft man häufig auf Wanderer oder Radfahrer. An Wochenenden ist hier sicher reger Publikumsverkehr.

So wie sich die Huskys Balou und Yara der Cacheowner relaxt präsentieren, kann sich auch der Cachesucher bequem an vielen Stellen erholen und die Gegend geniesen. Die gepflegten Caches, bei denen durch die bisher rund 550 Funde wohl schon einige Male die Logstreifen auszutauschen waren, lassen aber regelmässige Seerundgänge des Owners mit oder ohne die Huskys vermuten.
Rund um den See und meist nahe am Weg liegen die 42 Dosen. Der Abstand von Dose zu Dose ist auch bei diesem Powertrail gering, so dass man als Radfahrer nicht viel schneller vorankommt als ein Wanderer.


Bei dem Umfeld wäre es ja auch schade, schnell und nur auf die Dosensuche fokussiert durch die Landschaft zu hasten. Ohne nahen Autoverkehr herrscht eine beeindruckende Ruhe frei von fast jeglichem Zivilisationslärm. Weil keine Pestizide ausgebracht werden und gegen Ende der Runde ein Teil des Sees sogar eingezäunt ist, hat sich die Natur ohne menschliche Eingriffe wunderbar entwickelt. Eine solche Blumenvielfalt sieht man sonst selten.

Mit meinen Gastcachern habe ich einen herrlichen Sommertag erwischt mit angenehmen Temperaturen und bis auf einige Kondensstreifen ein strahlend blauer Himmel. Durch intensive Nutzung der angebotenen Ruhebänke wurde es auch ein ganzer Wandertag. Ein Tag, der sich gelohnt hat und mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen am Kiosk der Staumauer belohnt wurde.


Nur für den Bonus hat es nicht mehr gereicht, obwohl die gefundenen coords mit GeoHedgehog und DcCow, die ich nach der Runde traf, abgeglichen wurden. Fast sollte man wiederkommen, denn mit dem Hunnenring gibt es ja in der Nähe auch noch einen beeindruckenden keltischen Ringwall, der 2009 von Team Poseidon als Earthcache veröffentlicht wurde. Eigentlich ist es ja ein kulturhistorischer Cache und kein echter EC. Aber als EC braucht man keine Dose zu suchen und wer will schon all die Steine auf der Suche nach einen kleinen Petling umdrehen. 


Sonntag, 8. Januar 2012

I'm really sorry Karin!

Schon drei Tage dauerte die Konferenz in einem Ressort 30 km nordwestlich von Johannesburg. Wir haben in großer Runde präsentiert und diskutiert, in kleinen Arbeitsgruppen Optionen entwickelt und wieder verworfen und uns auf eine gemeinsame Strategie zusammengerauft.
Nur eines hatten wir nicht: Einen Cache in Südafrika gefunden. Das war aber mein ureigenes Problem und den Kollegen war das relativ egal. Die freuten sich über das touristische Beiprogramm, das unsere südafrikanischen Freunde organisiert hatten.
Im offenen Pick-Up fuhren wir durch Wildparks, vorbei an vor sich hin dösenden Löwen, beobachteten leicht schaudernd aus kleinem Abstand hässliche Wildhunde, grazile Antilopen und Giraffen oder nahmen mit dem Pick-up vor einem anstürmenden Nashorn Reissaus.
In der „Cradle of Humankind“, der Wiege der Menschheit, stiegen wir in die Kalksteinhöhlen von Sterkfontein ab, wo 1947 die 2,3 Millionen Jahre alten Knochen von Mrs. Ples gefunden wurden. 1997 entdeckte man in einem Seitenarm der Höhle „Little Food“, das Skelett eines 2,5 bis 3 Millionen Jahre alten Australopithecus, einem Vorläufer des Homo sapiens. Nur ein einfacher Maschendrahtzaun trennte uns damals von der Fundstelle. Ich musste unwillkürlich an Paul Simons „Under African Skies“ denken, als ich davor stand.
Aber auch der mir noch fehlende Afrika-Cache tauchte immer wieder schmerzhaft in meinem Denken auf.
Viel Optionen gab es damals, vor sechs Jahren, noch nicht. In der Provinz Gauteng existierten weniger als 50 Caches. Ich hatte mir daheim den Magnetic Mudstone als relativ einfaches und leicht erreichbares Ziel ausgesucht. Heute gibt es im Umkreis von 25 km von diesem Cache über 650 Dosen. Auf einem Powertrail, der von der Form her an einen degenerierten Ebola-Virus erinnert, kann man in der Nähe der Cradle of Mankind World Heritage Site bei einer Autofahrt von rund 50 km 250 Caches loggen und bei Pretoria existiert ein ähnlicher Trail.
Vor dem Rückflug aus dem heißen Südafrika in den kalten Winter Deutschlands habe ich mir dann einen Tag frei genommen. Meine afrikanischen Freunde wollten nicht zulassen, dass ich mit dem Taxi allein in den Walter Sisulu Botanic Garden fuhr und so wurde eine Kollegin ausgeguckt, die mich bei der Exkursion begleiten sollte. Richtig informiert wurde Karin allerdings nicht, denn am nächsten Morgen stand sie im kleinen Business Outlook im Hosenanzug mit einer Bluse, mit halbhohen Schuhen, Handtasche und Regenschirm für den Ausflug in den Botanischen Garten zur Abholung im Ressort. Blumen anzuschauen und Schmetterlinge zu beobachten – wie sie vielleicht dachte, war aber nicht mein Ziel.
Wir promenierten durch den kleinen Park zu einem beeindruckenden Wasserfall, um dann auf den „Geological Trail“ abzubiegen. Auf einem schmalen steinigen Pfad ging es bergauf. Empfohlen wurde in der am Eingang erhaltenen Beschreibung für den 2 ½ stündigen Rundweg genügend Wasservorräte und eine Kopfbedeckung mitzunehmen. Beides hatten wir nicht. Komisch, im Cachelisting war noch von 45 Minuten die Rede gewesen.
Steil und steiler ging es über Felsen bergan und die ersten Schweißtropfen bildeten sich auf Karins Stirn. Auch mir erging es nicht besser, nur hatte ich das etwas bequemere Outfit. Bald atmete sie schwer und mit mehreren Verschnaufpausen und ziemlich verschwitzt erreichten wir das Plateau und bald war auch mein 1. Cache in Afrika freudig erregt gefunden.
Nur Karin lächelte etwas schmerzvoll und säuerlich. Das Leder ihrer Schuheabsätze war von den spitzen Steinen zerkratzt und nicht mehr business-like, ihre Bluse hatte an Schultern und Rücken große Schweißflecken und sie selbst einen verschwitzten knallroten Kopf.

So sorry Karin, aber wenn sich Geocacher etwas in den Kopf setzen, dann kann man sie kaum etwas stoppen und Rücksicht nehmen sie auf der Jagd nach dem 1. Cache in Afrika dann auch nicht mehr. So hatte sie sich den Ausflug in den Botanischen Garten wohl nicht vorgestellt.
Freunde sind wir aber trotzdem geblieben.

Dienstag, 31. Mai 2011

Where the heck is N, E, W or S 25.22.876 ?

Heute hat mir ein Freund so beiläufig erzählt, dass es im August zum 1. MEGA-Event nach Tampere, Finnland fliegt. Wie gerne wäre ich da auch dabei gewesen. Aber, wenn man erst drei Tage vorher vom GeoWoodstock IX aus USA zurückkommt, dann kann man nicht gleich im Anschluss wieder so einen weiten Trip machen.
Mir wäre es nicht darum gegangen Finnland als mein 17. Land in Europa zu loggen oder ein Mega-Event Icon mehr in meinem Profil zu haben. Ich hätte bei der Gelegenheit gerne Tervas besucht und einen mir persönlich unbekannten Freund in Finnland kennengelernt, mit dem ich im Mai 2005 gemeinsam einen Cache gefunden hatte.
Wie? Was?
Die „Reverse Caches“ und hier speziell GC3153 Where’s In A Name? machten das möglich.
Erster Teil der Aufgabe bei diesem Cache war es, seinen Nickname in eine Koordinate umzuwandeln. Dazu nutzte man das Ziffern- und Buchstabenfeld von einem Handy. Das war noch die leichteste Übung. ALBATROSS ergab 252287677 und schnipp die „77“ abgeschnitten hatte man 25.22.876. Das konnte jetzt Nord, Süd, Ost oder West sein.
Als nächsten Schritt galt es eine Location zu finden, bei der die Chance groß war, dass man auch einen Partner findet. Was habe ich die Google-Earth-Kugel gedreht, Orte gefunden und wieder verworfen. Die meisten meiner coords lagen irgendwo im Wasser oder weitab jeglicher Zivilisation.
"Zivilisation", das hieß einen Ort bei dem man sich 2005 unter „Geocaching“ schon etwas vorstellen konnte. Schließlich entschied ich mich für E 25.22.876 in Finnland.
Im 3. Akt galt es jetzt den potentiellen Partner zu suchen. Ich klapperte die wenigen Caches östlich von Helsinki ab und kam so zu meinem Glück auf Tervas.
Der war sofort begeistert und schon ein paar Tage später bekam ich die Fotos von einer kleineren Nebenstraße zur E 18 Helsinki – Porvoo und ein Foto vom GPS mit den coords N 60.18.518 E 25.22.876 . In der Nähe von Hangelby wurde so mein Nick dokumentiert und beide konnten diesen 3,0/3,0 Cache loggen.
Nach vier Jahren und 1.320 Logs, d.h. nach 660 Twinnings wurde mit dem Ende der Reverse Cache auch „Where’s in my name?“ archiviert.
Gerne hätte ich Tervas besucht. Von Tampere nach Helsinki wären es 180 km oder rund 2 Fahrtstunden gewesen. Vielleicht wäre er aber auch beim MEGA dabei gewesen.

Freitag, 27. Mai 2011

Cachen in Tokio

Fast wie Scherenschnitte zeichnen sich die dunklen Silhouetten der Hochhäuser vor dem grauen Hintergrund des allmählich heller werdenden Horizonts ab. In einzelnen Räumen brennt noch immer Licht und man kann Schreibtische, Regale und die übliche Büroeinrichtung erkennen. Wenn man seinen Kopf nahe ans eigene Fenster lehnt, sieht man weit unten die vom Regen der vergangenen Nacht noch feuchte Straße. Nur vereinzelt und mit großem zeitlichem Abstand spiegeln sich die Scheinwerfer eines Autos im nassen Asphalt. Es ist 4 Uhr morgens und noch schläft Tokio.
Durch den Jetlag zu dieser ungewöhnlichen Zeit hellwach, mache ich mich um 5 Uhr auf den Weg. Früher hätte ich mich im Bett gewälzt, irgendein Fernsehprogramm, das ich sprachlich nicht verstehe, angeschaut oder vielleicht gelesen. Cachen ist ein wunderbarer Sport, um an einen solchen Morgen ungestört die fast noch schlafende Stadt zu erkunden.
Luftlinie sind es nur knapp zwei Kilometer, aber was will das schon sagen. Nur nach Pointer schlendere ich kreuz und quer durch leere Seitenstraßen, froh, das Hotel als Wegpunkt markiert zu haben und somit ohne Probleme zurückzufinden. Die Straßenschilder sind nur in japanischer Sprache und die Orientierung in den gleichartigen kleinen Straßen ist schnell verloren.
An einer Bäckerei duftet es nach frischem Brot und die ersten Einkäufer tapsen noch etwas verschlafen in den Laden. Die Ampeln an den Kreuzungen befehlen ein Halt, aber wenn von nirgendwo ein Auto ankommt, dann kann man diese Anweisungen auch getrost ignorieren.
Vorbei an der Britischen Botschaft, die von einigen japanischen Sicherheitsbeamten rund um die Uhr bewacht wird, führt der Weg in einen Park. Sauber und gepflegt sieht er aus und auch die wenigen Obdachlosen, die dort aus Kartons ihre Schlafstätte haben, halten ihren Bereich gepflegt und in Ordnung. Sie scheinen dort ihren permanenten Wohnsitz zu haben und sollte jemals jemand auf die Idee kommen, einem von ihnen eine Ansichtskarte zu schicken – die Post würde ihn sicher erreichen.
An einer Seite des Parks eine Steinbalustrade und einige Meter tiefer schlängelt sich ein ca. 10 m breiter Kanal.
Luftlinie ist relativ und so wandere ich schon fast eine Stunde durch Tokio, bis mich eine kleine Brücke über diesen Kanal neben einer jetzt schon stark befahrenen größeren Straßenbrücke in Probleme bringt. Viele dieser Brücken gibt es nicht über den Kanal und eine Karte der Stadt habe ich auch nicht. Liegt der Cache auf meiner Seite oder jenseits des Kanals. Ich entscheide mich für den Wechsel und durch das Gelände einer Universität oder eines Instituts bin ich bald wieder in einem kleinen Park. Jogger laufen an mir vorbei und auf einer Wiese macht eine Gruppe von Japanern ihre asiatische Morgengymnastik.
Ich komme näher und schließlich bin ich nur noch knapp 20 m vom Versteck entfernt. Wieder bin ich an einer Balustrade. Der Cache, der liegt aber auf der anderen Seite des Kanals. Pech gehabt.
Zum Zurückgehen hatte ich keine Lust. Aber noch habe ich eine zweite Option. Durch den Hof von einem altem Palast mit einer mindestens 10 cm dicken und 5 m hohen eisenbeschlagenen Holztür orientiere ich mich allmählich nach links und nach 15 Minuten bin ich schon wieder in einem Grünbereich zwischen einer Straße und einem kleinen Fluß. Wie viele Grünflächen und Parkanlagen, wie viele Kanäle und Bäche Tokio doch hat.
In der Morgensonne sitzen fast ein Dutzend Katzen auf Parkbänken oder auf Mauern. Die unterschiedlichsten Farben von rostrot bis schwarz, einfarbig und gescheckt. Fast alle haben ihren Kopf zu mir gedreht und verfolgen mich mit ihren Augen. Komisch, die größer werdende Zahl von Japanern, die vielleicht schon auf dem Weg zur Arbeit sind, die wurden überhaupt nicht beachtet. Bin halt auch für die Katzen ein Exot und rieche anders.
Störend ist der alte Mann, der mit einem Reisbesen den asphaltierten Weg kehrt und nur noch knapp 100 m von mir entfernt ist. Ich setze mich in die Nähe der Katzen, lese nochmals die Beschreibung durch und – eigentlich ein einfaches Versteck – will gezielt am Rande einer Blumenrabatte zugreifen. Aber das war nichts und so sehr ich auch suchte, nirgendwo war die Filmdose zu finden.
Später habe ich dann nachgelesen, dass es auch anderen so ergangen ist und der Cache irgendwo abhanden gekommen ist.
Das Finden ist zwar schön und auch gut für die eigene Statistik. Aber: Der Weg ist das Ziel. Einen erwachenden Morgen in einer Großstadt wie Tokio haben so sicher nicht sehr viele erlebt.
Es dauerte gut weitere 40 Minuten, bis ich mit meinem GPS wieder in das Hotel zurückgefunden habe. Verschwitzt durch die hohe Luftfeuchtigkeit und etwas müde von meinem rund 7 ½ Kilometer langen Marsch. Eine heiße Dusche und dann kurz vor acht Uhr in das 45. Stockwerk zum Frühstücken.
„Es müsste eigentlich schön sein, eine Stadt so allmählich erwachen zu sehen“ meinte mein australischer Kollege. „Ja, das kann ich mir auch vorstellen“ anwortete ich lächelnd.

Mittwoch, 13. April 2011

Mein Besuch im Groundspeak Headquarter

Das hatte ich bei einem Besuch im Groundspeak Headquarter nicht erwartet. Mit kurzfristiger Anmeldung und sls unbedeutender und unbekannter Geocacher aus old Germany und auf Urlaub in Seattle und Washington State wollte ich ja nur einen kurzen Besuch abstatten und dabei den Mystery Groundspeak Headquarters mit eigenem Icon loggen.
Tagelang haben die Lackeys die Schreibtische und Büros aufgeräumt und sich auf meinen Besuch vorbereitet. Dann, am Tag des Besuchs, haben sie das kleine Businesskostüm oder den edlen Zwirn mit Krawatte angelegt und erwartungsvoll - mit Jeremy Irish in der Mitte - hat die ganze Mannschaft am Konferenztisch Platz genommen, um meiner zu harren.
Als Annie mich dann in die heiligen Hallen führte, war ich überwältigt. Das war vielleicht ein Schulterklopfen und Händeschütteln.
Als ich mich dann noch als Premium-Mitglied zu erkennen gab, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Ja, der Besuch im HQ war schon ein Erlebnis ...
... nur ganz so hat es sich halt nicht abgespielt.
Da viele nordamerikanische Firmen am letzten Arbeitstag der Woche einen "casual Friday" einlegen, bei dem man locker und leger ins Büro kommt, dieser Dress bei Groundspeak aber die ganze Woche schon Standard ist, hat man die Sache umgedreht und einen einmaligen "Corporate Day" eingeführt, bei dem alle etwas overdressed im Büro erscheinen. Auf meine Bitte hat mir Moun10Bike sofort die Nutzung seiner beiden Fotos gestattet.

Um den auf der Karte im Lake Union liegenden Cache zu finden, benötigt man nicht unbedingt Badehose oder Kanu. Wenn man keine Einladung zum Besuch bekommt, dann meldet man sich einfach via contact@geocaching.com an. Bis heute haben das über 2.800 Cacher so gemacht. Der Besuchstermin ist dann meist Freitag und auf keinen Fall am Montag. Unter der Woche will die Truppe ja auch ungestört arbeiten können. Aber für Besucher aus Übersee macht man schon mal Ausnahmen.
Und so stand ich dann am vereinbarten Tag, nach einer Sight-Seeing-Tour durch Downtown Seattle, vor dem Büroeingang in einer Einkaufsstrasse, in der man nicht unbedingt das administrative Zentrum von Geocaching vermuten würde.
Annie, die mich begrüsste, hat mich schwer beeindruckt. Ab und zu geht sie auch auf Dosensuche. Nicht viele finds, aber einer davon ist der Rainier Summit, ein 5,0/5,0 Earthcache, der seit August 2005 erst 27 Mal "gefunden" wurde, auf 4.395 m Höhe am Gipfel des Berges.
Eine grosse Schatzkiste im Eingangsbereich enthält jede Menge TBs und Coins in kleinen Kistchen sortiert nach Bestimmungsregionen. Da kann man - wenn man will - eigene ablegen und andere mitnehmen, damit sie auf dem Weg zum Bestimmungsort weiterkommen. 1.139 Fotos gibt es von den Besuchen im HQ und wen es interessiert, der kann die Gallerie durchstudieren.
Interessant auch der Großbildschirm mit der Google Landkarte. Aus allen Logs, die gerade aktuell eintreffen - und das sind über 100 in jeder Minute - wird nach Zufallsprinzip ausgewählt und der erscheint für eine kurze Zeit auf dem Bildschirm. Die Karte zoomt auf den Standort und Finder und Log werden angezeigt. Es war schon ein Zufall, dass ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als ich das System erklärt bekam, ein Log aus der heimatlichen Kurpfalz angezeigt wurde.
Ob Annie sehr beeindruckt war als ich ihr meinen Heimatort auf der Karte zeigte wage ich zu bezweifeln. Für beide interessanter war dann der Austausch unserer Erlebnisse und Erfahrungen von den Besuchen in Neuseeland.
Interessant war er, mein Besuch im Headquarter - aber Seattle hat ja noch viel mehr zu bieten. Wenn man es aber einrichten kann, dann sollte man dem HQ einen Besuch abstatten - nicht nur wegen des Icons. Aber nicht vergessen: Über ein paar mitgebrachte Donuts freut sich die Mannschaft immer.

Sonntag, 10. April 2011

Ein Cache gefunden und in zwei Ländern geloggt

Die Story zum FTF in Chile nach 852 Tagen wurde bisher am häufigsten aufgerufen. Ich schiebe daher eine weitere kuriose Geschichte von dieser Reise in Südamerika nach.

Zwei auf einen Streich

Als die argentinische Militärjunta ein paar zu Chile gehörende Inseln annektieren wollte, kam es zu einen gefährlichen Konflikt, der mit der Operation Soberania, dem Versuch Argentiniens, fremdes Territorium zu besetzen, beinahe zu einem Krieg zwischen den beiden südamerikanischen Ländern führte. Nach dem militärischen Aufmarsch an beiden Grenzen kam man in letzer Minute dann erfreulicher Weise doch zu einer Vereinbarung, den Konflikt auf Verhandlungsbasis zu lösen und das Urteil eines neutralen Schiedsrichters zu akzeptieren.
Das geschah nicht irgendwann in grauer Vorzeit, sondern erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als Schiedsrichter wurde von den katholischen Ländern der vom Papst bestimmte Kardinal Antonio Samoré akzeptiert. Sein Schiedsspruch wurde in einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit akzeptiert und im November 1984 wurde dann im Vatikan von allen Beteiligten ein offizielles Protokoll unterzeichnet.
Zu Ehren von Kardinal Samore, dem Mittler zwischen den zerstrittenen Parteien, wurde der wichtige Grenzpass zwischen Chile und Argentinien, der Entre Lagos und Osorno in Chile mit San Carlos de Bariloche in Argeninien verbindet nach ihm benannt.
Soweit zur Geschichte.
Noch heute sind die Grenzstationen mit Pass- und Zollkontrollen beider Länder jeweils in den Tälern und man fährt ca. 25 Kilometer durch unbewohntes Niemandsland zuerst rauf und dann runter. Auf der Passhöhe dieses ca. 1.300 m hohen Andenpasses gibt es einen Parkplatz, eine kleine Mariengedenkstätte und genau an der Grenzlinie noch eine kuriose Besonderheit:
Ein einziger Cache, den man nach erfolgreicher Suche - was bei Schnee nicht immer leicht ist - gleich zweimal loggen kann. Der Regular vom Paso Cardinal Antonio Samore ist als GCMTCQ in Argentinien und als GCMR9R in Chile veröffentlicht. Der argentinische Cache an der Grenze wurde bisher gerade mal zwölf Mal gefunden. Die gleiche Dose als chilenischer Cache wurde neun Mal als found geloggt. Da haben sich manche wohl nicht richtig vorbereitet und ein Listing übersehen.
Während mein Bruder auf dem Bild schon in Argentinien steht bin ich noch auf chilenischem Territorium. Wie man den freudig erregten Mienen ansieht wurde das Foto nach dem erfolgreichen Fund der etwas abseits liegenden Dose aufgenommen.
Nicht nur Abstandsregeln wurden verletzt. Es ist schon kurios, mit einen Fund und einem Eintrag in ein einziges Logbuch gleich zwei Caches loggen zu können. Aber ...
... es ist ja ein Spiel und ein Schiedsrichter aus dem Vatikan zu Lösung dieses Problems wird sicher nicht benötigt werden.

Mittwoch, 6. April 2011

Ein FTF nach 852 Tagen

Heute morgen nach dem Frühstück habe ich die mail von gestern Nacht über einen neuen Cache in meiner homezone entdeckt. Wie so häufig, wenn man dann das Listing runterscrollt, grinsen mich dann schon ein paar Smilies an. Noch in der Nacht hat ein FTF-Jäger zugeschlagen.
Wenn die Meldung über einer neuen Cache per mail herauskommt, dann holen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Zögern sofort ihr GPS und die anderen Utensilien aus dem Regal. Egal, ob die Meldung am frühen Abend, gegen Mitternacht oder noch später einläuft - die Jagd geht los. Sie scheinen, wie man von manchem Börsenmakler behauptet, mit dem Handy am Ohr zu schlafen, um ja keine Info zu verpassen.
Es gibt sie in jeder Gegend, die bekannten "FTF-Jäger", die weder Tages- bzw. Nachzeit, noch Regen, Sturm oder Schnee vom Versuch abhalten kann, sich als Erster in das Logbuch von einem neuen Cache einzutragen. Groß ist die auch aus den Logs heraus zu lesende Freude, wenn es geklappt hat, groß aber auch der Schmerz, wenn ihm ein anderer zuvorgekommen ist.
Ganz clevere versuchen sich auch einen zeitlichen Vorsprung zu verschaffen, indem sie die neuen Caches bei den oft parallell veröffentlichten Caches auf einer anderen Plattform wie z.B. Opencaching beobachten. Da es hier keine Reviewer gibt, die den Cache erst freischalten müssen, kann man die Koordinaten und sonstige Informationen hier meist schneller sehen und dann mit zeitlichem Vorsprung abdüsen.
Ich kenne einige dieser FTF-jäger und sie zählen fast immer zu den netten Caching-Buddies, mit denen man auch gerne auf eine gemeinsame Caching-Tour gehen würde. Nur bei der Jagd nach jungfräulichen Logbüchern möchte ich sie nicht unbedingt begleiten.
Von dieser FTF-Sucht bin ich nicht befallen, obwohl auch ich ab und zu - wenn es gerade zeitlich passt - einen FTF versuche. Allein schon, um den üblichen Verdächtigen freundschaftlich zu zeigen, dass es auch noch anders Sucher und Finder gibt. Es sind aber nicht viele FTF-Logs und ich führe auch keine Statistik darüber.
Ein FTF wird mir aber in Erinnerung bleiben.
Der Cache Llifen am herrlich gelegenen Lago Ranco im südlichen Chile wurde am 3. Februar 2005 ausgelegt und nach einigen DNFs im Februar 2007 im Mai 2007 ersetzt. Am 3. Juni 2007, nach sage und schreibe 852 Tagen, konnte ich bei meiner Tour um den See bei diesem Cache einen FTF loggen.
Ein FTF nach so langer Zeit ist wohl kaum zu toppen ... und so entschied ich mich damals, aus der Jagd nach FTFs auszusteigen und mich aus dem Kreis der FTF-Jäger zu verabschieden. ;-)