Dienstag, 17. April 2012

Bonjour la France

Wenn es um Geocaching geht, dann ist unser westlicher Nachbar etwas spät aufgewacht.
Auch wenn archivierte Caches die Zahlen etwas verändern mögen, so geben die alten noch aktiven Caches doch ein deutliches Bild: In Frankreich sind von den vor 2002 ausgelegten Caches gerade mal 15 aktiv, während es bei uns in Deutschland immerhin noch 51 Caches sind. Per Ende 2002 hat sich der deutsche Vorsprung mit 343 Caches gegenüber 74 in Frankreich noch weiter ausgebaut.
Der älteste noch aktive Cache in Frankreich „La Vigie“ von Friso stammt vom 22. April 2001 und liegt in Provence-Alpes-Cote d’Azur zwischen Antibes und Fréjus. 100 Logs in fast 11 Jahren sind nicht sehr überzeugend.
Der erste noch aktive Cache im Elsass „Zinswiller North-Loop" von db8qm wurde am 16. November 2002 aktiviert. Obwohl er 30 km nordöstlich von Hagenau verkehrstechnisch günstiger liegt, wurde auch dieser Cache nur 96 mal gefunden.

Ist Geocaching in Frankreich kein Thema?
Die Schatzsuche, bei der für Groundspeak nach den USA Deutschland der wichtigste Markt mit den meisten Caches ist, wird in Frankreich etwas anders betrieben. In einer nach kostenloser Anmeldung zugänglichen Datenbank sind „Cistes“ gelistet, die den Sucher zu ähnlich versteckten und bestückten Tupperdosen und sonstigen Verstecken wie bei Geocaching führen. Allerdings gibt es keine coords sondern Weg- und Suchbeschreibungen ähnlich wie bei einer traditionellen Letterbox. Weltweit gibt es bei Cistes über 92.000 versteckte Dosen, davon allein 83.390 in Frankreich. Mit 149 Cistes in Deutschland nibbeln wir gegenüber Frankreich schon gewaltig ab. Kein Grund also, die Nase stolz hoch in den Wind zu halten.

sTeamTraen hat sich ab Anfang 2004 um das traditionelle Geocachen in Frankreich verdient gemacht und ist als Reviewer noch immer extrem aktiv. Er hat mit AlsaCache2005 am 15. Mai 2005 auch das 1. Event in Frankreich organisiert und uns mit einer Challenge mit Caches verstreut über das Elsass damals diese Region näher gebracht. Cacher aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland haben sich zum Schluss in Nicks Garten und in der Garage zum Abschluss getroffen. Auch die Lost Places, die Bunkeranlagen der Maginot-Linie hatten damals großen Zulauf.
Inzwischen ist Frankreich nicht mehr Geocaching Diaspora. Im wilden Süden unserer Republik hat man es einfach, kurz mal für eine Wanderung über die Grenze ins Elsass zu fahren. In Gambsheim kann man beim „L’aventure du Ried“ von cricri67 auf einer knapp 10 km langen Wanderrunde, teilweise entlang der Ill, durch das Ried 15 Caches finden. Gleich in der Nachbarschaft in ähnlicher Umgebung laden TimRox und Lingo zu ihrer 8 km langen mit 25 Caches bestückten Runde Les Hérons ein. Beide sind auch mit dem Fahrrad zu bewältigen und können kombiniert werden.
Die geotrouveurs haben südöstlich von Strasbourg auch in direkter Nachbarschaft Entre Dorlisheim et Rosenwiller (10 km – 32 Caches) und Autour du Katzenberg (8 km – 21 Caches) ausgelegt. Auch hier kann man die beiden Waldrunden für eine rund 20 km lange Wandertour kombinieren.
Neben diesen vier etwas größeren Runden gibt es in diesem Teil Frankreichs noch eine Reihe interessanter kleinerer Spaziergänge mit nett ausgelegten Caches.

Und am Ende des Tages kann man sich für die erfolgreiche Dosensuche vor der Rückfahrt noch mit echten elsässischen Flammkuchen belohen. Ich werde wohl in diesem Jahr bei der Durchfahrt durch die ehemaligen Grenzkontrollanlagen wohl öfter erwartungsfroh „Bonjour la France“ murmeln.
Wer noch nie im Elsass war muss sich nicht schämen. Die vielen Misteln auf den Bäumen lassen vermuten, dass auch Miraculix den Weg in diese Region noch nicht gefunden hat.

Mittwoch, 4. April 2012

Bei Nistkästen ist Vorsicht geboten

Wenn man sich, an nichts Böses denkend, versehentlich dem Nest von einem brütenden Schwan nähert, dann sollte man besser sprung- und laufbereit sein. Herr oder Frau Schwan haben das nicht so gerne und reagieren sehr aggressiv auf unerwünschte Besucher. Dann kann es schon mal eine wütende Verfolgung des Störenfrieds geben und Schnabelhiebe für den Eindringling absetzen.
Der Schutzzaun vor dem Nest hat nicht nur die Aufgabe den brütenden Schwan vor zu neugierigen Menschen, sondern auch umgekehrt, den Menschen vor dem Schwan zu schützen.
Kleinere Vögel haben es da bei weitem schwieriger für Nestruhe zu sorgen, denn egal ob Star, Kleiber oder Meise – über einen, den menschlichen Störer abschreckenden, kraftvoll zustossenden Schnabel, wie Cygnus olor der Höckerschwan, verfügen sie nicht.
Und was noch dazu kommt: In den Nistkästen sind die brütenden kleinen Vögel mitunter auch durch Geocacher gefährdet, denn Nistkästen haben sich als Cacheversteck im Wald eingebürgert.
Man soll sich grundsätzlich jedem Nistkasten vorsichtig und langsam nähern und schon aus der Entfernung das Flugloch inspizieren. Ist es offen, dann lässt man lieber die Finger davon., denn das Einflugloch ist bei „Cache-Nistkästen“ vom Cacheowner üblicherweise verschlossen worden.
Pseudo-Nicstkästen als Cacheversteck hängen auch meistens nicht so hoch wie die echten Nistkästen und sind meist ohne Hilfsmittel zu erreichen.
Vogelbeobachter und Spezialisten sollen ja sogar von der Größe des Einfluglochs auf die möglichen Bewohner schließen können. So weit reicht es bei mir und – ich unterstelle – bei den meisten Cachern wohl nicht. Aber ein offenes und verschlossenes Einflugloch kann ich - und wohl jeder andere auch - noch unterscheiden können.
Auch ohne Gefährdung unserer gefiederten Freunde - uhhh, wie prosisch – kann man sie beim Nestbau, Brüten oder bei der Aufzucht des Nachwuchses beobachten. Es gibt eine Reihe von Webcam, die häufig nicht nur mit alle paar Minuten upgedateten Bildern, sondern sogar als Livestream mit Ton zeigen, was da gerade Sache ist. So kann man die Wanderfalken im Turm der Heidelberger Heilig-Geist-Kirche kann man über drei Webcams beobachten.
Es gibt aber auch Stare, Meisen und vieles andere mehr im Webcam Angebot.
Mein Favorit ist die Nistkastencam von carbolineum.
Als Livestream farbig am Tag, mit Infrarotkamera nachts, einer Bildergalerie und einem Bildarchiv der Bewegungserkennung wird hier viel geboten. Ein Tagebuch und ein Newsletter, Grafiken über den Temperaturverlauf innen und außen sowie ausführliche Informationen zur installierten Überwachungstechnik machen diese webcam zu meiner # 1.
Man sieht und hört auch mehr als wenn man versehentlich die Klappe eines bewohnten Nistkastens öffnet.
Und so gehört es zu meinen abendlichen Ritualen schnell noch mal nach carbolineum’s Puschel zu schauen, bevor ich den PC herunterfahre und selbst ins Bett gehe. Aktuell sind schon zwei Eier gut versteckt im Nest und in Kürze, wenn das Gelege voll ist, wird mit dem Brüten angefangen.
Mancher mag denken ich hätte eine Meise. Ich habe sie nicht - aber ich schau sie mir an und wenn man dann sieht, wie Puschel mit seinem Kopf unter dem Flügel versteckt und dick aufgeplustert nachts vor sich hindämmert, dann kann man auch selbst schnell und wohlig einschlafen.

Sonntag, 1. April 2012

Geocacher für wissenschaftliche Exkursion gesucht!

Die Schritte beschleunigen sich, der Puls schlägt spürbar schneller, man atmet kurz und heftig, der Mund wird trocken, die Hände feucht und auf der Stirn bilden sich erste Schweißtropfen. Die Spannung und der Adrenalinausstoß steigen, wenn man nur noch wenige Meter vom Cacheversteck entfernt ist.
Mitunter findet man aber statt dem Cache auch Dinge, nach denen man überhaupt nicht gesucht hat und dann ist die Erweiterung der Pupillen und andere körperliche Reaktionen wohl eher eine Schockreaktion.

An der über 100 Jahre alten Müngstener Brücke, im Bergischen Land zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal liegt seit Januar 2003 ein Cache. 2004 hat dort ein Cacherteam bei der Dosensuche am Brückenpfeiler eine Leiche gefunden. Durch einen Sprung von der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands in die Tiefe hat jemand seinem Leben ein Ende gesetzt.

Bundesweit wurde auch in allen Medien, bis hin zu den ZDF Heute Nachrichten, über einen anderen Fund berichtet. Im Frankfurter Stadtwald, nur ein paar Hundert Meter von der Oberschweinsteige, wurde im Juli 2007 bei der Suche nach dem Königsbrünnchen ein Cacherteam auf ganz andere Weise fündig: Es handelte sich um eine bereits skelettierte weibliche Leiche. Lapidar wurde von Fam.Marsch geloggt: „Beim Ausflug noch was gefunden, deshalb die Polizei rufen müssen.“

Ungeplant war auch der Fund eines Geocachers im Januar 2010 in einem Waldstück bei Herrenberg in Baden-Württemberg. Statt der Dose fand er ein Drogenversteck mit 500 g Heroin von hoher Reinheit mit einem Schwarzmarktwert von weit über 100.000 Euro. Die Dealer, die den Stoff dort gebunkert hatten, waren 1997 verurteilt und später in ihre Geburtsländer abgeschoben worden. Die Drogen hatte man nie gefunden. Das blieb dem Geocacher vorbehalten wie die Stuttgarter Nachrichten ausführlich berichteten.

Über alle diese Funde wurde ausführlich in Presse und Fernsehen berichtet und sie haben damit eine breite Öffentlichkeit erreicht. Da grämt es mich, dass ein von mir vor genau 2 Jahren gemachter sensationeller Fund in der Öffentlichkeit kaum beachtet wurde und nur in Fachkreisen Anerkennung fand.

Der Homo heidelbergensis ist eine Hominiden-Art, die vor über rund 500.000 Jahren in Europa lebte. In einer Sandgrube in Mauer bei Heidelberg wurde von einem Tagelöhner beim Sandschippen im Oktober 1907 das Fragment von einem Unterkiefer gefunden.
Der Tradi Homo heidelbergensis erinnert an die historische Stätte und der Earth-Cache Sandgrube am Grafenrain von haliju führt direkt an das heute eingezäunte Gelände. Bei regelmässigen Exkursionen wird dort weiter nach Relikten aus der Vorzeit gesucht.
Damals, an einem sonnigen Frühlingstag, ging ich frohen Mutes zu dieser Sandgrube und dabei fiel mir ein halb im Boden steckendes, wohl vom Regen herausgewaschenes, kleines Etwas auf, das nicht zur normalen Umgebung passte. Rein zufällig hatte ich, wie sich bei einem Vergleich mit der Bildtafel zeigte, einen im Unterkiefer fehlenden Backenzahn des homo heidelbergensis gefunden.
Von zwei vorbei fahrenden Radlerinnen wurde der Fund beim Museum gemeldet, die wiederum das Human Paläontologische Institut der Uni Heidelberg informierten, die schon bald mit drei Mitarbeitern aufkreuzten.
Die Wissenschaftler waren begeistert und außer sich vor Freude. Der Backenzahn ist inzwischen wissenschaftlich untersucht wurden. Mit letzter Gewissheit konnte man allerdings nicht feststellen, ob die Ablagerungen an dem ergrauten Zahn von der Erosion und anderen äußeren Einflüssen stammen, oder ob die Farbe einfach auf schlechte Zahnpflege und Plaque zurückzuführen ist.

Am Institut ist man überzeugt, dass Geocacher durch ihr Hobby die Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung extrem verfeinert haben und „unpassende“ Dinge fast schon rein intuitiv wahrnehmen. Jetzt will man diese speziellen Eigenschaften und die geschulten Augen von Geocachern nutzen und bittet um Mithilfe, um auch den 2. noch fehlenden Backenzahn zu suchen und zu finden.
Voraussetzung sind einige Cacher-Erfahrung, feinmotorisches Können und vor allem Erfahrung in der Suche nach Nanos. Wer Interesse hat, an dieser Exkursion teilzunehmen, kann sich zum Casting direkt im Sekretariat des Human Paläontologischen Instituts der Uni Heidelberg anmelden oder kann seine Interesse durch einen Kommentar zu diesem Blogbeitrag bekunden. Ich werde das gerne weiterleiten. Bitte in der Anmeldung die Qualifikation z.B. die Anzahl der bisher gefundenen Nanos angeben
Gemeinsam finden wir ihn vielleicht, den Zahn, an dem sicher die Zeit genagt hat und vielleicht schaffen wir es dann auch über trockene Fachjournale hinaus zu einer positiven überregionalen Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen.

Vor dem Hintergrund der Sandgrube zeige ich im Belegfoto voller Stolz den gefundenen Zahn. Die Radlerinnen sind im Hintergrund zu sehen.

Montag, 26. März 2012

3, 2, 1, meins … und nun ?

Beim Internetstöbern bin ich auf die kleinere Auktionsplattform gestoßen, bei der hauptsächlich Urlaubs- und Freizeitangebote zu ersteigern sind. Bei dieser Auktion tickt die Restzeit im Sekundentakt herunter und im gleichen Zeittakt werden die Gebote aktualisiert. Da muss man schon aufpassen, dass einem nicht der Spieltrieb packt und man aus Jux und Tollerei einfach mitsteigert.
Nicht immer ist der Top Deal so Top, wie es scheint. Ein Aufenthalt in Garmisch war nicht nur einmal über eine Hotelplattform wie hrs oder booking günstiger zu buchen als der hoch geschaukelte Auktionsendpreis.
Als dann aber das Gebot für einen Aufenthalt in einem 4-Sterne-Hotel in der Nähe von Augsburg mit zwei Übernachtungen für zwei Personen incl. Frühstück, Saunaunutzung etc. noch eine Minute vor Ablauf bei EUR 53.- stand, da konnte ich nicht widerstehen und habe das erste Mal geklickt, um dann bei EUR 71.- den Zuschlag erhalten. Jetzt war es meins … aber was jetzt tun?

Die letzten Wochen habe ich mich bei der Tourenplanung auf den nördlichen Teil Deutschlands konzentriert, dorthin, wo meine noch nicht besuchten deutschen Landkreise liegen. Der Süden war dabei etwas aus dem Fokus geraten. Jetzt galt es zur gesteigerten Relaisstation eine geeignete Tour zu finden.
Und siehe da, westlich vom heute nur noch mit wenigen Einzelcaches vorhandenen Lechfeld, nur wenige Kilometer von meiner Relaisstation entfernt, fand ich auf der Karte den Bandwurm des
Radel Power Trails im Augsburger Naturpark Westliche Wälder
Mit rund 1.200 qkm ist dieser, von den 104 Naturparks in Deutschland, schon einer der größeren. Fast die Hälfte der Fläche ist bewaldet und mit seinen über 1.000 km markierten Wanderwegen ein dünn besiedeltes, einladendes Wandergebiet - ganz zu schweigen von der RPT-Runde mit 80 km Länge, ca. 2.000 Höhenmetern und den ca. 265 Caches auf dem Weg.
Zwar empfehlen die Owner die Strecke mit Trecking- oder Mountain-bike anzugehen, aber wo man mit dem Fahrrad hinkommt, da schafft man es zu Fuß allemal. Es soll ja Cacher gegeben haben, die die gesamte Runde in einem einzigen Tag abradelten. Viel gesehen haben sie dabei sicher nicht – außer den Dosen, die von der Größe zwischen Filmdöschen und Petling alle paar Hundert Meter an typischen Waldverstecken verborgen liegen. Die coords springen und ohne die Spoilerbilder ist man häufig ziemlich hilflos. Es gibt halt zu viele Baumwurzeln. Die meisten Spoilerfotos kann man aber gesammelt als pdf-file von der Profilseite von Cache&Bike herunterladen, wobei einige Fotos auch nicht mehr aktuell sind.
Seit Januar 2011 existiert der RPTrail und weil man die Strecke nicht mit dem Auto abfahren kann, sondern sie erradeln oder erwandern muss, gibt es bisher nur rund 100 Logs pro Cache – wahrlich keine überlaufene Runde.
Jeweils von Siegertshofen aus habe ich mir zwei Rundwege und eine Streckenwanderung mit einer Länge zwischen 12 und 16 km aus dem Trail herausgefiltert.
Bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad und strahlendem Sonnenschein wurde es eine Wanderung in den Frühling! Und es roch auch nach Frühling, wenn man sich den Geruch der frisch gepfuhlten Felder wegdenkt. Ich sah die ersten Hummeln und sogar einen Zitronenfalter. Bis auf ein paar Einheimische beim Schlagholz machen – müssen die immer unbedingt nahe den Verstecken aktiv sein – und zwei Cacherteams per Rad war es menschenleer und eine Wanderung, bei der man die Seele durchbaumeln lassen konnte.

Powertrails – auch per Rad oder zu Fuß – polarisieren. Es ist nicht jedermanns Sache, alle paar Hundert Meter zu stoppen, um den nächsten Cache zu suchen. Zwar sind sie nicht alle gleichartig versteckt und ein paar Multis oder kleine Baumklettereien gehören auch zur Runde, aber es ist halt immer eine Unterbrechung, kaum dass man richtig in Schwung gekommen ist. Mir haben diese kleinen Unterbrechungen nicht geschadet. Im Gegenteil, am 3. Tag, mit schon etwas müden Knochen, war ich durchaus für die kleinen Pausen dankbar.
Wem das aber nicht gefällt, der könnte ja zum Beispiel auf der Runde nur jeden zweiten oder dritten Cache suchen oder sich nur auf die anspruchsvolleren konzentrieren. Dann wird auch der Power-Tour-Verachter an der Wanderung im Naturpark seine Freude haben.

Donnerstag, 22. März 2012

Ich bin kein durchschnittlicher Geocacher

In seiner Diplomarbeit „Geocaching – Eine kontextuelle Untersuchunhg der deutschsprachigen Geocaching-Community“ hat Daniel Telaar im Oktober 2007 die Strukturen der deutschsprachigen Geocacher-Community nach Eigenschaften, Verhaltensweisen, Interessen und Motivation untersucht.

Die 2.300 Fragebögen, die von ihm ausgewertet wurden, stellten damals einen repräsentativen Querschnitt dar. Die Ergebnisse sind sicher auch heute noch gültig, obwohl wenn sich der eine oder andere Schwerpunkt durch die vielen seit 2007 dazu gestossenen Geocacher etwas verlagert haben dürfte.

In der erstmalig mit Hilfe empirischer Methoden beschriebenen und analysierten Arbeit kommt er auf 134 Seiten zu folgenden Schlussfolgerungen:

„Der durchschnittliche Geocacher ist männlich, zwischen 29 und 42 Jahre alt und verfügt über eine hochrangige Schulausbildung. Er lebt in gefestigten Lebensverhältnissen mit einer festen Partnerschaft, jedoch in der Regel ohne Kinder. Er hat aufgrund seines hohen Bildungsniveaus eine feste berufliche Anstellung im Bereich der Informationstechnologie, bei der er ein leicht überdurchschnittliches Einkommen erwirtschaftet.“

Wenn man etwas tiefer in die Zahlen einsteigt, dann sind Geocacher zu 78 % männlich, 77 % sind verheiratet oder haben eine feste Partnerbindung und sind zu 59 % kinderlos. 77 % der Befragten haben Hochschulreife oder ein abgeschlossenes Studium und 59 % sind als Angestellte oder leitende Angestellte tätig.

Schon diese „Grunddaten“ bestätigen: Ich bin kein durchschnittlicher Geocacher.
Wenn ich Geschlecht, Alter, Familienverhältnisse, Schulabschluss und berufl. Tätigkeit nach der Wahrscheinlichkeit miteinander verknüpfe, dann gibt es in Deutschland gerade mal 28 Geocacher, die mit mir Brüder im Geiste sind.

Aber die Kennzahlen, mit welcher Intensität Geocacher ihr Hobby betreiben reduziert die Gemeinsamkeiten noch weiter:
Wenn man statistische Ausreisser eliminiert liegt der Median, d.h. der berichtigte Durchschnitt bei 115 gefundenen Caches. 1/3 der Befragten hat noch keinen eigenen Cache ausgelegt. 63 % gehen mindestens einmal in der Woche dem liebgewonnenen Hobby nach. Die 8 %, die pro Ausflug sechs und mehr Schätze finden, dürften heute durch die größere Cachedichte nicht mehr repräsentativ sein.

Als bekennender Papiercacher gehöre ich zu den fast 91 %, die den Ausdruck mitführen. Zumindest bei diesem Kriterium bin ich nach der Studie sehr durchschnittlich.
Anders liegt die Sache bei den Cachetagen. 90 % cachen häufig am Wochenende, während 70 % eher selten und 8 % nie an Werktagen auf Tour gehen. Mit einigen anderen Auswertungen kommt Daniel Telaar zu folgendem Cacher-Verhalten:

„Der durchschnittliche Geocacher begibt sich in der Regel mit seiner Familie oder befreundeten Geocachern und nur selten allein auf die Suche nach einem Cache. Auch wenn er regelmässig innerhalb der Woche nach Caches sucht, konzentrieren sich seine Aktivitäten auf freie Tage wie das Wochenende oder Feiertage. Auch im Urlaub betreibt der Geocacher sein Hobby und lässt sich bei der Wahl des Ziels von der dort vorhandenen Anzahl an Caches beeinflussen. Der Cacher filtert bei der Suche weniger solche Caches heraus, die seinen Ansprüchen nicht genügen könnten, sondern versucht möglichst alle Caches in seinem Aktionisradius zu finden. Mit steigender Zahl an gefundenen Caches vergrößert sich der Aktionsradius des Cachers. Das Auto ist dabei das bevorzugte Fortbewegungsmittel. Mit steigender Zahl gefundener Caches nimmt die Verwendung des Autos weiter zu, während das Fahrrad immer seltener zum Einsatz kommt. Viele Orte, die der Cacher durch sein Hobby kennengelernt hat, sucht er erneut für andere Arten der Freizeitgestaltung auf.“

Auch hier falle ich durch das Durchschnittsraster. Dafür kann ich mich im Zwischenfazit zur Motivation wiederfinden:

„Der durchschnittliche Geocacher mag sein Hobby vor allem aufgrund des häufigen Aufenthalts in der Natur und der Möglichkeit neue Orte und die eigene Umgebung besser kennenzuleernen. Zwar mag ein Großteil der Befragten die Möglichkeit der Entspannung vom Alltag, das Lösen von Rätseln und den Nervenkitzel bei der Suche, diese Aspekte stehen aber deutlich hinter den zuvor genannten.“

Wenn ich Interessensschwerpunkt, meine übliche Cachingpraxis und meine Motivation in eine Wahrscheinlichkeitsberechnung einfließen lasse, dann tendiert die Chance einen vergleichbaren Geocacher in Deutschland zu finden gegen Null. Ich bin wohl einmalig!
Aber einmalig ist bei einer entsprechenden Verknüpfung der Kriterien und ihren Wahrscheinlichkeiten wohl jeder von uns.

Mit den Wahrscheinlichkeiten ist es sowieso so eine Sache. Ich habe kürzlich gelesen, dass es 1.850 Mal wahrscheinlicher ist, nach Abgabe des Lottoscheins bis zu Ziehung der Lottozahlen das Zeitliche zu segnen als den Jackpot zu knacken. Und was tun wir: Wir hoffen auf das eine und denken nicht an das andere wahrscheinlichere Ereignis.

Mittwoch, 14. März 2012

Meine Ruhrpott Caching-Tour

Manche Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern sind flächenmässig größer als das gesamte Ruhrgebiet. Doch, wo in so einem Landkreis in Deutschlands Norden weniger als 275.000 Menschen leben, da drängen sich im Ruhrpott, dem größten Ballungsraum Deutschlands, über 5 Millionen Einwohner. Man muss da schon aufmerksam auf die Straßenschilder achten, denn sonst verpasst man bei der dichten Bebauung den Übergang von einer Stadt in die nächste.
Wenn man sich das Ziel gesetzt hat, Deutschland besser kennen zu lernen und in jedem Landkreis und jeder kreisfreier Stadt einen Cache zu finden, dann muss man aber sowohl nach Mecklenburg-Vorpommern als auch in den Kohlenpott und damit zwei Regionen bereisen, die gegensätzlicher wohl nicht sein können.
Dieser Tage habe ich meine 435-Challenge wieder aufgenommen und mich mit etwas zwiespältigen Gefühlen nach NRW ins Ruhrgebiet auf den Weg gemacht. Zwiespältig, weil mir freie und unverbaute Landschaften mit weitem Blick über das Land stimmungsmäßig eher liegen als verdichtete Stadtlandschaften. Auf der Dreitagestour musste ich dann meine gesunden Vorurteile revidieren.

Auf der Anfahrt habe ich mir im Oberbergischen Kreis zum Warmlaufen eine Wanderrunde um den Stausee der Lingese ausgesucht. Der kleine Stausee, vor 1900 zur Flussregulierung und Brauchwasserversorgung gebraut, ist heute mit seinen vielen Campingplätzen mehr ein Freizeitpark. Der Rundgang Linge führt meist auf Fahrradwegen auf ca. sechs Kilometer rund um den See. 22 einfache Tradis sind auf der Runde versteckt.
Selbst am frühen Morgen sind Jogger, Nordic Walker, Vogelbeobachter oder Hundeausführer unterwegs und dann lässt man die eine oder andere Dose doch lieber links liegen, um bei den vielen Muggles den Dosenstandort nicht zu gefährden. Den einfachen Multi Linger Grund kann man ohne Zusatzweg dann integrieren, wenn man die Runde von # 22 abwärts nach # 1 läuft.

Wer gerne Earthcaches sucht, der ist in Wuppertal, meiner ersten Relaisstation, gut aufgehoben. Schüler eines Gymnasiums haben einen rund 10 km langen Geologie-Lehrpfad erarbeitet und mit Schautafeln versehen, die auch von Cachern als ECs genutzt werden. Bei rund einem Dutzend dieser Caches kann man interessante devonische Verwerfungsstrukturen, den Hohenstein oder einen im Untergrund verschwindenden Bach besichtigen.
Nicht immer sind die ECs das Gelbe vom Ei und das Naturdenkmal Silberkuhle ist zum Beispiel stark vermüllt. Wenn es auf leere Actimel Fläschchen Pfand gäbe, hier könnte man sich finanziell sanieren.

Der am 2. Tag geplante Morgenspaziergang auf der Runde um Holthausen musste dann leider entfallen, weil die Runde ein paar Tage vorher archiviert wurde. „Leider scheint das hohe Cacheraufkommen die Anwohner des Dorfes zu sehr zu stören. Das ist natürlich nicht in unserem Sinne, daher archivieren wir nun die Holthausen-Runde“ schreibt der Owner am 4.3.2012. Man sollte seine PQs wirklich nur sehr zeitnah ziehen. So ging es halt ab nach Bochum an die Ruhr-Universität, wo auf dem weitläufigen Gelände auch das eine oder andere Döschen liegt.

Inmitten eines Naherholungsgebiets, in einem Wald mit alten Eichen, die ein paar Hundert Jahre auf der Borke haben, liegt die Wasserburg Schloss Lüttingshof. in Gelsenkirchen-Hassel. In dieser Ecke hat Skydancer01 eine Tradirunde mit 11 Caches ausgelegt, die auf Wanderwegen ein paar Kilometer durch den ruhigen Forst führt.
Ruhig ist es wahrscheinlich an Werktagen. Heute herrschte reger Publikumsverkehr, denn das angenehme Frühlingswetter hat viele zu einem Spaziergang herausgetrieben. Da musste ich bei der Suche schon mal meine Kamera zücken, um den Eindruck eines Fotografen zu mimen, der ausgiebig Baum- und Wurzelstrukturen auf den Chip bannt. Bei einem Cache habe ich beim Anmarsch Slow-Go eingelegt, denn da suchte schon Akku46149 nach der Dose. Man muss sich ja nicht gleich aufdrängen. Von einem erfolgreichen Fund kann man allemal profitieren und mitloggen, was dann auch passierte.
In der Kleingartenanlage, wie auch sonst in ähnlicher Umgebung, flatterten jede Menge Schalke-Fahnen. Die Fans hängen ihre Fahne nicht in den Wind, sondern stehen - auch bei Gegenwind -zu ihrem Verein und hatten nach dem heutigen Sieg über den HSV sicher ihre Freude.

Mein absolutes und sehr empfehlenswerte Highlight war die Buchenbuschrunde in Duisburg zwischen Buchholz und Wanheimerort. Die Runde mit sieben Caches, die mit „Beifang“ sich auf etwa 15 Caches bei 6,8 km in 3:20 h hochschaukelt, wird auch von Hundebesitzern geliebt und mangels dichtem Strauchwerk im Buchenwald ist man häufig weithin sichtbar. Als ich gerade ein Logbuch versteckte, wurde ich von einem im Eiltempo herandüsenden Yorkshire Terrier lauthals verbellt. Erwischt, denn das Frauchen kam gleich hinterher. Es war aber kein Muggel, sondern Peppino1. die Ownerin der Runde. Der Yorkie Peppino, dessen hübsches Gesicht man im Profilfoto sehen kann, schützt nur „seine“ Caches und verbellt die Besucher. Als wir dann gemeinsam zum nächsten Cache der Runde gingen, hat er zwar wieder angefangen kräftig zu bellen, aber den genauen Standort musste ich dann schon selbst suchen.
Abwechslungsreiche und originelle, liebevolle gestaltete Caches, wie man sie leider nicht zu häufig findet, wurden mit ziemlich genauen coords wegnah ausgelegt. Manchmal ganz schön knifflige Locations mit überraschenden Funden. Meine verfügbaren Farovitenpunkte haben auf dieser Runde etwas abgenommen. Wir haben länger geplaudert und so kam auch mein Zeitplan etwas durcheinander.

Am Düsseldorfer Messegelände hatte ich – so absurd das klingt – am Messeparkplatz Probleme für die WoMo und boot Caches einen Parkplatz zu finden. Die Reihen waren alle abgesperrt. Etwas abseits dann doch noch einen Platz gefunden und bei einem kleinen Spaziergang dann den alten WoMo 2006 Cache und ein paar andere gefunden.

Für die gesammte CiBB Runde im Bürgerbusch in Leverkusen hat es mir dann leider nicht mehr gereicht, obwohl diese Runde es verdient hätte Auf meinen 4,3 km konnte ich immerhin fünf der 10 Tradis suchen und finden. Dann musste ich abbrechen Auch diese Runde mit den interessanten Caches kann ich als Waldwanderung mit interessanten Caches nur empfehlen.

Der Ruhrpott ist anders, als ich mir das vorgestellt hatte – aber man ist ja lernfähig. Irgendwann werde ich wohl wiederkommen. Vorerst sind aber andere Regionen dran. Mit 349 Landkreisen ist bis zum Ziel 435, wo auf meiner Landkarte dann ganz Deutschland eingefärbt sein wird, doch noch ein längerer Weg. Vor allem, weil die Entfernungen zum Zielgebiet größer werden, was auch die Mineralölindustrie freut.

Donnerstag, 8. März 2012

Signaturen, die Visitenkarte des Posters

Mit einem Japaner die Visitenkarten auszutauschen ist ein zeremonieller Ablauf, der beherrscht werden soll, wenn man in diesem Land geschäftlich erfolgreich sein will.
Man steht sich frontal gegenüber, hält seine Karte mit beiden Händen und mit einem förmlichen „My name is ….“ hält man seinem Gesprächspartner die eigene Karte hin. Nachdem der das gleiche Ritual vollführt hat tauscht man die Karten aus. Dann erst beginnt der eigentlich wichtige Akt: Die Karte wird lange aufmerksam studiert und mit einem nach Bewunderung und Anerkennung klingenden kehligen „Oooh“ für Funktion oder Titel des Gesprächspartners bewertet.
Später kann man sie vor sich auf den Tisch legen. Nur eines darf man nicht: Kein Datum oder einen sonstigen Vermerk auf die Karte schreiben. Die Visitenkarte repräsentiert für einen Japaner nämlich die eigene Persönlichkeit und auf kulturelles Fehlverhalten reagieren sie heikel. Ich kenne die Story von einem amerikanischen Manager, der, ohne jedes Gefühl für die japanische Mentalität, sich mit der Visitenkarte seines schockierten Gesprächspartners, mit einer Kartenecke Speisereste aus Zahnlücken entfernte. Der wundert sich vielleicht noch heute, warum auch er sich später auch erfolglos von den potentiellen Geschäftspartnern entfernen durfte.

Signaturen von Geocachern bei Logs – höchst selten – oder Beiträgen in Foren – fast schon Pflicht – sind vergleichbar mit elektronischen Visitenkarten. Sie geben Aufschluss über den Verfasser und runden sein Posting ab. Irgend etwas muss den Schreiber ja bewegt haben, gerade mit diesem von ihm gewählten Text oder Sinnspruch seinen Beitrag abzuschliessen.
Bierernst oder "japanisch" geht es da selten zu. Meist sind es humorvolle Statements, die einem zum Schmunzeln bringen und den emphatischen Sympathiegrad für den Schreiber gleich noch weiter erhöhen. Manchmal regen sie aber auch zum Nachdenken an. Sie sind einfach Bestandteil der heutigen Internet-Kommunikation und mir machen sie Freude.

In diesem Sinne
Albatross1901
Mit den Adlern fliegen, nicht mit den Hühnern scharren


Nachfolgend einige willkürliche Kostproben von Signaturen die mir in der letzten Zeit aufgefallen sind … und die mit Angabe des Verfasser ordnungsgemäß zitiert werden:

Bastelkarte
▬|████|▬ This is a Nudelholz! Take it und hau it on the Kopp of a
bekloppt Person to give a better Gefühl than.

macfuddl
De gustibus non est disputandum - Jeder Cache kann für irgendjemanden schön sein.

steingesicht
T5 war gestern - Ächte Männer loggen DNF! Bist auch Du hart genug?

radioscout
Wir hätten nie uns getraut doofe Dosen anzumelden schon aus Respekt vor diesem geheimnisvollen Spiel (Dosenfischer, Die goldenen Jahre)

JoFrie
Macht eure Augen auf um zu sehen, sonst braucht Ihr sie später zum weinen!

DWJ-Bund
Wer einen Schreibfehler findet, darf ihn behalten.

argus1972
Bekennender Genusscacher, DNF-, NM- und SBA-Logger

Zappo
"Wer schneller lebt, ist früher fertig"

TG der Erste
Interpunktionsfehler sowie Rechtschreibfehler sind beabsichtigt und dienen dem Zweck, die kognitive Flexibilität des Lesers zu schulen

blackbeard69 und rumpelsocke
Der Weg ist das Ziel; die Dose der Anlass, ihn zu gehen.

HansHafen
Ich und die Schwerkraft, was für eine nervenaufreibende Kombination...

UF aus LD
Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia)

Aranita
Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.

eliminator0815
Leben heißt, unterwegs zu sein. Nicht, möglichst schnell anzukommen

dewib
Ever noticed that anybody going slower than you is an idiot, and anyone going faster than you is a maniac?

Darkchylde
Anders Sein kann auch bedeuten
Sich nicht jedes Mal zu häuten
Wenn der Wind sich einmal dreht
Schmerzhaft ins Gesicht Dir weht!
Nach dem eig'nen Weg zu suchen
Auch einmal für and're bluten!
Nicht die Augen zu verschließen
Und den Gegenwind genießen

Hellgies
.Genitiv in´s Wasser weil´s Dativ ist........;-)