Mittwoch, 6. November 2013

Cacher kommen und gehen – Reviewer auch

Wenn man seit vielen Jahren regelmäßig auf Döschensuche durch Wald und Flur streift, dann ist einem diese Entwicklung nicht unbekannt:
Mit großer Begeisterung wird von einem Newbie ein Account eröffnet und in wenigen Wochen und Monaten eine beachtliche Zahl von Caches gesucht und gefunden. Mit den Smartphone-Apps ist die Hürde zum Geocachen niedriger geworden. Statt mit einen teuren GPS Receiver, dessen Anschaffung man sich doch etwas länger überlegt, ist man heute mit einem Smartphone-App für ein paar Euro schnell dabei.
Nach der anfänglichen Euphorie wird es dann bald ruhiger und die Outdoor-Aktivitäten des Neucachers lassen merklich nach. Ein paar Monate später ist dann die Lust vergangen und man wendet sich neuen trendigeren Aktivitäten zu. Ein Account mehr von den über sechs Millionen bei Groundspeak, die ohne jegliche Aktivitäten in der Datenbank vor sich hin dümpelt.
Für mich sind das „Strohfeuer-Cacher“: Schnell entflammt, mit hellem lodernden Schein, das dann aber schnell erloschen ist. Dagegen steht, um im Vergleich von Feuerarten zu bleiben, der Typus „Buchenscheit“: Langsam zu entflammen und zu begeistern, aber lange anhaltend und kontinuierlich auf kleiner Flamme brennend und dabei auch anderen – z..B. auf Events - wohlige Wärme spendend.
Aber auch hier kommt es vor, dass das Feuer erlischt. Das fällt dann schon eher auf, wenn Nicknames, die man über Jahre in den Logbüchern gelesen hat, plötzlich nicht mehr auftauchen. Man bedauert, dass solche Cacher, mit denen man vielleicht sogar seine Runden gedreht und Wanderungen auf gemeinsamen Cachingtouren gemacht hat, sich plötzlich anderen Hobbies und Aktivitäten zuwenden und aus der Cacher-Community verschwinden.

Was aber für Dosensucher gilt, das ist bei den Reviewern auch nicht anders. 
Strohfeuertypen sind in dieser Gruppe zwar nicht anzutreffen. Aber nach einer kürzeren oder längeren Zeit dieser zeitaufwändigen Aktivität hat man vielleicht auch genug davon und der Reiz dieser elitären Gruppe – dazu noch für die meisten Cacher unbekannt und unidentifiziert – anzugehören, hat nachgelassen.
Mit der Kommerzialisierung des Geocachens hat sich manches auch für den Reviewer verändert. „Strohfeuer-Cacher“ legen unausgegorene Listings vor, weil man ja auch selbst schnell Caches auslegen will. Die Prüfung wird aufwändiger und mehr und mehr Differenzen zu den Richtlinien müssen geklärt und beseitigt werden. Um die weitere Entwicklung im Sinne von Groundspeak nicht zu gefährden werden mehr und mehr Zwangsarchivierungen durchgeführt. Oft trifft man auf verständnislose Owner, die nicht akzeptieren können, warum gerade ihr Cache betroffen ist. Reviewer machen sich unbeliebt und Anfeindungen und Pöbeleien sind dann nicht selten.
Und irgendwann werfen die freiwilligen Helfer von Groundspeak dann das Handtuch und beenden ihre Reviewer-Tätigkeit.

Das hat es in der Vergangenheit immer wieder mal gegeben. Dass allerdings auf einen Schlag gleich mehrere Reviewer – wie in den letzten Tagen – ihre Aktivität einstellen, ist neu. Vielleicht sollte man sich auch in Seattle über diese Entwicklung seine Gedanken machen. Man stelle sich vor: Ich will einen Cache auslegen und keiner schaltet ihn frei!

Sonntag, 6. Oktober 2013

10 Jahre Earthcaches

C The Geological Society of America. Inc
Mit weltweit Hunderten von Events wurde im Mai 2010 das 10-jährige Jubiläum von Geocaching gefeiert. Groundspeak spendierte für alle an diesem Tag durchgeführten Events sogar ein besonderes Souvenir.
Vielleicht wird es zum 10-jährigen Jubiläum der Earthcaches auch ein Souvenir geben, nur Hunderte von Events werden wohl nicht organisiert werden, um die Veröffentlichung des 1. Earthcache südlich von Sydney, Australien GCHFT2 Earthcache I – a simple geologytour of Wasp Head am 10.Januar 2014 zu feiern.


The Geological Society of America die die Idee der Earthcaches entwickelt und gemeinsam mit Groundspeak umgesetzt hat, kann über die Entwicklung der Earthcaches zufrieden sein. Die Idee „Learning about the planet we call home“  und „Let the Earth be your teacher!“  wurde von Geocachern weltweit aufgegriffen und auf Basis der speziellen EC-Richtlinien Caches entwickelt. Nicht immer reicht es, statt der nicht vorhandenen Dose ein Informationsschild an einer geologischen Besonderheit zu suchen, um die notwendigen Antworten als Besuchsnachweis zu finden. Manche ECs sind zeitlich ziemlich aufwändig und kaum im Vorbeifahren zu erledigen. Zugegeben, es gibt auch andere - zu viele nach meinem Geschmack.

Am 15. Oktober 2004 wurde mit dem  GCM2RB Katzenbuckel Vulcano Earthcache der 1. Earthcache in Deutschland freigeschaltet. Heute, nach knapp 9 Jahren, kann man in unserem Land  3.135 Earthcaches suchen. Gegenüber der Entwicklung der „sonstigen“ bei Groundspeak gelisteten Caches von inzwischen über 2,1 Millionen sind die weltweit rund 16.200 ECs eine wenig verbreitete Cache-Species. 

Das mag vielleicht auch daran liegen, dass eine Filmdose oder ein Petling schneller an eine Leitplanke geklemmt, an einer Wurzel deponiert oder in einen Baum gehängt werden kann. Earthcaches zu entwickeln, um anderen eine geologische Besonderheit zu zeigen ist mit größerem Aufwand verbunden und wird vor Freischaltung intensiver geprüft als „normale“ Caches. Manchmal, wenn man schon stolz auf sein Werk bzw. das Listing blickt und nur noch das formale OK der Freischaltung erwartet, wird der Cache auch verworfen. Alles umsonst  – zum Ärger und Leidwesen des Owners. Ich schreibe da aus eigener Erfahrung!

Der wohl am häufigsten geloggte deutsche EC ist The Cologne Cathedral – A GeologicalPoint of View“
Der kann von der Kölner Domplatte aus geloggt werden und das haben seit November 2006 auch fast 6.000 Geocacher so praktiziert. Der vom Owner Ende Januar 2009 installierte Flagcounter dokumentiert fast 80.000 Besucher seines Listings. Dafür ist sicher auch die Geological Society of America mit verantwortlich, die diesen Cache als leuchtendes Beispiel für einen Earthcache bezeichnet und in die Liste der Top 10 ECs aufgenommen hat. Einen derartigen Erfolg hat der Owner Thoto bei keinem seiner 69 anderen ECs je wieder erreicht.

Wenn es um ECs geht, dann kommt man auch am Team sissifalke nicht vorbei. Wer Earthcaches ernsthaft sucht, der wird sicher auch einen der in fast allen deutschen Bundesländern verstreuten 69 ECs dieses Owners bereits gefunden haben. Nicht nur das Auslegen, sondern auch das Suchen von ECs ist beim Team sissifalke ein Schwerpunkt: Die 525 gefundenen ECs sprechen eine deutliche Sprache.
Getoppt wird die Zahl der gefundenen ECs vom Team Rote Teufel, die es bisher auf 964 gefundene Earthcaches bringen und bis zum Jubiläum sicher die 1.000er-Grenze überschreiten werden. Dann ist es an der Zeit, im  Profil das selbstgebastelte Banner zum 900. EC-Fund zu aktualisieren.

Earthcaches sind in Deutschland ziemlich unterschiedlich verteilt. Die meisten gibt es in Nordrhein-Westfalen (512), Bayern (476) und Niedersachsen (375) zu finden. Hamburg, Berlin und Bremen rangieren am Ende der Tabelle.

Ganz anders sieht es aus, wenn man die Anzahl der ECs zur Fläche des Bundeslandes in Bezug setzt. Dann sind die kleinen plötzlich ganz groß. Pro 31,5 Quadratkilometer gibt es in Hamburg einen Earthcache und in Bremen einen auf 59,9 qkm. Mecklenburg-Vorpommern (293,6 qkm/EC) und Brandenburg (517,2 qkm/EC) bilden dann die Schlusslichter.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass es im Norden nur eintönige, langweilige und geologisch völlig uninteressante Landschaften gibt und Earthcaches deshalb so dünn gesät sind. 

Es mag wohl an einer anderen Art des Cachens liegen oder an einer Scheu vor der arbeitsintensiven Entwicklung eines Earthcache, dass man hier weite Wege gehen muss, um einen EC zu suchen. 

Aber, was nicht ist, das kann sich ja noch ändern.
Ein Event zum 10-jährigen Jubiläum der Earthcaches wäre da schon mal ein guter Anfang.

Freitag, 4. Oktober 2013

Lass die bunten Banner wehen !

Es hat sich eingebürgert, sein Profil herauszuputzen und es für manchen gefundenen Cache mit einem vom Cacheowner gestalteten Banner zu schmücken. Damit kann man Profilbesuchern durch die teils liebevoll gemachten kleinen Kästchen demonstrieren, welche besonderen Caches man bereits gefunden hat.

Ohne irgendeine Abstimmung haben sich für die statischen oder die Kästchen mit Action ein paar Standardgrößen herauskristallisiert. Nach meinem Wissen waren es holländische Geocacher, die mit diesem „Service“, der ja auch Werbung für den eigenen Cache darstellt, begonnen haben. Inzwischen stehen deutsche Cacheowner unseren niederländischen Nachbarn kaum nach.

Da aber fast jeder Owner, der einen aufwändigen Cache gestaltet, dann auch noch ein Banner kreiert, werden es allmählich fast schon zu viele dieser bunten Kästchen. 

Geocacher, die auf diese Weise ihr Profil verzieren, merken vielleicht gar nicht, dass durch das Hochladen von verschiedenen Servern der Aufbau des eigenen Profils sehr viel länger dauert und der Besucher vielleicht die Lust verliert und das Profil wegklickt.

In der Beschränkung liegt die Stärke und wer gerne auf einen besonderen von ihm gefundenen Cache oder eine spezielle Runde hinweisen will, der sollte sein Profil damit ruhig schmücken. Ist ja quasi auch eine Empfehlung für den Besucher. Zumindest sehe ich das so.

Nur Banner auf Banner in seinem Profil anzuhäufen ist eine Überfrachtung, die IMHO eher kontraproduktiv ist. Aber jedem das Seine und wem es gefällt – why not?

Freitag, 16. August 2013

Begegnungen: „Schön dass Sie endlich da sind!

Vom geparkten Cachemobil waren es knapp 100 Meter bis zum Final. An der Schnittstelle eines Wohngebiets mit einigen mehrstöckigen Häusern und eines kleinen Gewerbegebiets an einem eingezäunten unbebauten Grundstück musste er sein. Schnell war die magnetische Filmdose an der Querstrebe des verrosteten und mit dicker Kette und Vorhängeschloss gesicherten Eingangstores gefunden und ich war gerade dabei, mich in die Logrolle einzutragen.

„Schön, dass Sie endlich da sind“ tönte eine männliche Stimme in meinem Rücken. War es der Owner? Ein älterer kleiner Mann mit Spazierstock ist ja nicht unbedingt der Prototyp eines Cacheauslegers. Ein interessierter Muggel, der des öfteren suchende Cacher an dieser Stelle beobachtet hat?

„Lag auf meinem Weg und da bin ich heute halt vorbeigekommen“ war meine durchaus korrekte vorsichtige Antwort. „Eine Mordssauerei ist das! Schauen Sie sich doch das Grundstück an!“ entrüstete sich mein Gesprächspartner.

Tatsächlich war es ein extrem verwahrlostes Grundstück.. Der Zaun, verbogen und an manchen Stellen beschädigt, das verrostete Tor und dahinter eine geschotterte Zufahrt voller Schlaglöcher. Mehrere Haufen von Bauschutt und vor sich hin rostender Maschinenteile auf dem Gelände verteilt, eine baufällige kleine Hütte, eher ein Unterstand und das ganze Grundstück voller Brennessel, hochgewachsenem Unkraut und ein paar Büschen. Schön schaute es hier wirklich nicht aus und das Gelände war neben den von Rasen und ein paar Bäumen umgebenen Wohnhäusern und den properen kleinen Gewerbebetrieben ein Schandfleck.

„Schon zwei Mal haben wir an die Stadtverwaltung geschrieben und nichts ist passiert“ ereiferte sich der Anwohner. „Aber jetzt sind sie ja endlich doch gekommen um den Saustall zu begutachten!“ Jetzt fiel bei mir der Groschen: Ich stand vor dem heruntergekommenen Grundstück, machte gerade – nach seiner Meinung – Notizen und da konnte ich ja nur der herbeigesehnte Mitarbeiter der Stadtverwaltung sein.

Was tun? Ich packte langsam den Logstreifen in die Filmdose und deponierte sie seelenruhig an der Querstrebe. „Ziemlich verrostet das Ganze!“ kommentierte ich, was er mit Kopfnicken quittierte. „Da muss ja wirklich was getan werden“, was zu weiterem heftigen Kopfnicken führte. Noch ein paar Minuten diskutierten wir über diese hässliche ungepflegte Ecke und all den Dreck und Schmutz auf dem verwahrlosten Grundstück.


Nachdem ich ihn nochmals versicherte, dass dieser Zustand nicht akzeptiert werden könne, zog er zufrieden von dannen. Ich aber auch und ich hoffe nur, dass nach mir wirklich ein städtischer Mitarbeiter als Reaktion auf die Beschwerden zur Begutachtung der Zustände vor Ort erschienen ist. Sonst würde der alte Mann wohl endgültig seinen Glauben an die Stadtverwaltung verlieren.

Montag, 12. August 2013

Mishapps: Tankprellerei in Luxemburg

Wenn der Weg schon ins Saarland führt, dann kann man aus zwei Gründen noch ein paar Kilometer dazu legen, um auch dem Großherzogtum Luxemburg einen Besuch abzustatten.

Wenn die deutsche A 8 nach der Grenze zur luxemburgischen „A 13 Route de la Sarre“ mutiert, dann sind es bis zur Ausfahrt Mondorf-les-Bains nur noch wenige Kilometer bis Ellange, wo mit dem GC3Z1PN „The Minutes of the Meeting Chapter 2“ die Cluedo-Runde beginnt. Das war ein Grund für meinen Besuch in Luxemburg, wo ich nicht – wie manch anderer – Schätze vor dem deutschen Fiskus verstecken, sondern Schätze suchen und finden wollte.

Eigentlich ist Cluedo eine ideale Runde für Radfahrer, denn auf den betonierten Wegen haben selbst Rennräder mit schmalen Reifen kein Problem und die vom Wind her gewehten Blätter und Zweiglein werden – wie am Rückweg beobachtet – sogar von einer Kehrmaschine entfernt.

Selbst wenn es, wie bei meiner Tour, extrem heiß ist, dann kann man es auf den Wegen durch den kühleren Wald noch aushalten. Einen Nachteil hat die Wanderrunde: Sie ist eine Streckenwanderung und – auch wegen der Hitze – geht man auf dem gleichen Weg zurück zur Startpunkt. Mit ein paar anderen Caches die in der Nähe des Wegs liegen kommen rund 13 km zusammen, für die ich zu Fuß knapp 4 ½ Stunden unterwegs war.

Ein anderer Grund für einen kurzen Besuch jenseits der Grenze – wenn man schon mal da ist - sind die günstigen Spritpreise, die bei Diesel um 15 – 20 Cent pro Liter unter dem deutschen Niveau liegen. Da plant man schon vor der Fahrt möglichst so, dass man fast mit leerem Tank in Luxemburg ankommt und es sich auch lohnt. Nicht immer ist das aber mit Einsparungen verbunden und ich erinnere mich an meine erste Fahrt, die vom Sparpotenzial her betrachtet, gewaltig in die Hose gegangen ist.

Von Belgien kommend habe ich Luxemburg durchquert, Anfang Oktober 2006 auch zwei der wenigen Caches in Luxemburg gefunden und damit auch dieses Land auf meiner Europakarte eingefärbt. An der Autobahnstankstelle in Wasserbillig wollte ich noch die Reise mit den anderen Grund für einen Luxemburgbesuch perfekt machen und meinen Tank günstig auffüllen.

Eine der vielen Zapfsäulen war gerade frei geworden, doch aus dem Tankrüssel kam kein Tropfen. Andere Länder, andere Tanksitten! Auch in den USA muss man manchmal vorher bar bezahlen oder die Kreditkarte deponieren, bevor die Pumpe freigegeben wird. Und da sah ich auch den Schlitz für die Kreditkarte und nach Einführen und erneutem Versuch blubberte der günstige Sprit in meinen Tank. Kreditkarte entnommen und ab nach Hause.

Etwas irritiert war ich schon, als ich ein paar Tage später ein Schreiben der Polizeidienststelle C.P. Wasserbillig des Grand-Duché de Luxembourg mit der Aufforderung erhielt, wegen des Vorwurfs der Tankprellerei an einem definierten Tag zwischen 08:00 und 10:00 h zwecks Vernehmung auf der hiesigen Dienststelle vorstellig zu werden.

Einer Schuld war ich mir nicht bewusst und erst nach längerem Grübeln fand ich die Lösung: Der vor mir tankende Fahrer war nach dem Tanken auf einen Parkplatz in der Nähe gefahren und hat sich in der Tankstelle vielleicht noch mit den ebenfalls günstigeren Zigaretten und Kaffee eingedeckt – jedoch noch nicht bezahlt. Das war der Zeitpunkt als für mich nichts aus dem Zapfhahn lief.

Just in dem Moment, als er bezahlt hatte und die Tanksäule wieder frei gegeben wurde, habe ich meine Kreditkarte eingeführt und war irrtümlich der Meinung, dass die Freigabe durch meine Kreditkarte ausgelöst wurde und ich ein paar Wochen später die Belastung auf der Abrechnung sehen würde. Eine Belastung habe ich – was ich erst später sah – nie erhalten und beide Vorfälle waren nur eine unglückliche zeitliche Coincidence.

Luxemburger sind freundliche und nette Menschen. In einem längeren Telefongespräch mit einer Polizeikommissarin erklärte ich meine Version. Von ihr erhielt ich die Telefonnummer des Tankstellenpächters, der meine Ablaufdarstellung auch nachvollziehen konnte. Bei einer nach 15 Minuten nicht – durch Bezahlung - wieder frei geschalteten Zapfsäule, wird der Videofilm ausgewertet und Anzeige erstattet.

Eine von mir vorgeschlagene Überweisung des Betrags von EUR 65,43 würde das Problem allerdings nicht lösen. Das Geld müsse schon bar einbezahlt werden, da die Abrechnung aller Betankungen sofort elektronisch über eine Zentrale in London laufen würde. Er war aber bereit, den Betrag als Baranweisung über die Post in Empfang zu nehmen und für mich bar einzuzahlen. Und so zahlte ich den Tankbetrag mit einer zusätzlichen Gebühr von EUR 15.- für das Handling durch die Post bei meinem nächsten Postamt für ihn ein.

Statt günstig zu tanken ist dieser Sprit ganz schön teuer geworden.

Aber dafür kann ich frohen Mutes und ungefährdet von einem möglichen Zwangsaufenthalt – vielleicht in den Kasematten von Luxemburg - auch weiterhin einfahren ins Grand-Duché de Luxembourg. 

Samstag, 20. Juli 2013

Das Spectaculum Stratosphaericum - Up up and away

Fünf Monate hat es gedauert, bis nach dem ersten von Dave Ulmer versteckten Cache am 2. Oktober 2000 auch in Deutschland eine Dose versteckt wurde. Allmählich fand die Geocaching Idee aber auch bei uns ihre Anhänger und über die nächsten 2 – 3 Jahre bildete sich - regional unterschiedlich - eine kleine Gemeinschaft Gleichgesinnter, die Dosen versteckten und mit GPS auf Schatzsuche gingen.
Man kannte und schätzte sich untereinander, pflegte, wann immer man sich traf, einen freundschaftlichen Umgang und bei den ersten Events saßen kaum mehr als 10 – 15 Cacher um den Tisch. Caches wurden mit großem Engagement gestaltet – ausschließlich Regulars – und bei einem Fund auch die fremden Caches gepflegt, wenn eine Reparatur, ein Logbuchaustausch oder eine andere Wartung notwendig erschien.
Manch einer von den damaligen Cacher-Urgesteinen hat sich einem anderen Hobby zugewandt und die Dosensuche einfach aufgehört. Aber es gibt mehr und mehr Cacher in Deutschland, die nunmehr schon seit 10 Jahren und länger auf Dosensuche gehen.
„10 Jahre Geocachen“, ein für den betroffenen Cacher denkwürdiges Ereignis, das man auf verschiedene Weise feiern kann – so man denn will.

mike_hd hat sich für sein 10-jähriges Jubiläum am 21. April einen Cache ausgesucht, der an dem Tag, als er mit der Dosensuche begann, veröffentlicht wurde. Ich durfte ihn auf dem Weg zum Dobelview im Eyachtal begleiten und weit abgelegen von den Cachertrails und Wanderpfaden feierten wir sein Jubiläum. Mit 20 km und fast 500 Höhenmeter eine lange Wanderung für einen Cache.

Die gps-guru(s), arbol, Team Lizzard, Lagavulin und Beetroot haben sich für ihr 10-jähriges Cacher-Jubiläum etwas anderes einfallen lassen. Spectaculum Stratospähaericum – Ein Event im Höhenflugbei dem man bequem mit dem Cachemobil anfahren konnte, nur durch die stechende Sonne ins Schwitzen kam und das mit fast 300 Teilnehmern das krasse Gegenteil vom Mike’s Jubiläum war. Aber es war das spektakulärste Event, das ich bisher besucht habe.

Sie hatten eingeladen zum Aufstieg eines Wetterballons vom Sportplatz in Laufen am Neckar mit dem Logbuch aller Event-Teilnehmer als Nutzlast.
Mit einem Wetterballon werden in der Meteorologie üblicher Weise Messgeräte bis in die Stratosphäre transportiert, um mit den durch Radiosonden übermittelten Daten Informationen zur Wettervorhersage zu erhalten. Die aus Latex mit einer Wandstärke von 0,2 mm hergestellten und mit Helium gefüllten Ballons können dabei Höhen um die 30 km erreichen. Dann ist meist das Ende der Fahnenstange erreicht. Der in zunehmender Höhe geringere Luftdruck führt zu einer Ausdehnung des 200 Gramm schweren Ballons auf das rund Vierfache seiner Startgröße. Irgendwann platzt er und die Nutzlast segelt an einem kleinen Fallschirm zur Erde zurück, wo  in den meisten Fällen dank der ausgesandten Koordinaten geborgen werden kann.

Nun kann man nicht einfach einen Ballon mit 3 ½ Kubikmeter Helium füllen und ihn dann auf die Reise schicken. Man braucht die Genehmigung der Deutschen Flugsicherung (DFS), die mit einer Navigationswarnung wiederum die Flugzeugpiloten informieren. Und auch die Startzeit wird von der DFS vorgegeben.
Die Verfolgerteams, die dem Ballon bis zur Landung auf der Spur waren

Da traf es sich gut, dass die Funkamateure von Laufen am Neckar im Klosterhof von Laufen bis Anfang September eine Ausstellung zum Amateurfunk laufen haben und mit der Gruppe vom ballonprojekt Experten dabei waren, die über eine längere Erfahrung im Auflassen von Wetterballons verfügen. Die Vorarbeiten und Formalitäten waren in der Hand von Profis.


Um 11:00 h war es dann soweit. Ausgerüstet mit einer kleinen Box mit Messgeräten und der Übertragungstechnik zur ständigen Übermittlung der coords, sowie Daten zur Höhe, Aufstiegsgeschwindigkeit etc. und einer Farbkamera wurde er aufgelassen. Am unteren Ende der Leine baumelte die bunte Socke mit dem Logbuch des Events als zusätzliche Nutzlast.

Noch interessanter und aufregender als der Start wurde die Verfolgung beobachtet, die Richtungsänderungen des Ballons kommentiert und die Verfolger bedauert, wenn sie wegen fehlender Rheinübergänge einen größeren Umweg fahren mussten, um auf der Spur zu bleiben.
Die Tipps, wann der Ballon platzen würde, lagen zwischen 25 und 30 km Höhe. Die waren alle nach 1 ½ Stunden nicht mehr relevant und das Logbuch in der Socke stieg in ungeahnte Höhen auf. Die letzte Höhenmeldung lag bei 33.996 m – dann platzte der Ballon und mit anfangs über 50 Meter pro Sekunde ging es in der dünnen Stratosphäre rasant nach unten. Die Abbremswirkung des kleinen Fallschirms setzte erst ab 10.000 m richtig ein und mit 8 m/s oder fast 30 km/h fiel das Logbuch mit einer immer noch hohen Geschwindigkeit zurück zur Erde.
73 km Luftlinie vom Startplatz entfernt touchierten die Ballonreste mit Instrumentenbox und Logbuch bei Heuchelheim-Klingen wieder den Boden. Eigentlich nicht ganz den Boden, denn - ein Bergungsteam war bereits zwei Minuten nach Touch-down am Zielpunkt - der Ballon hing in einem der wenigen Bäume. Auch davon war auf den Leinwänden für die Beobachter an der Überwachungsstation sofort ein ins Netz gestelltes Bild zu sehen.


Ein stratospärenhaftes Event, das man nicht vergessen wird. Andere werden Schwierigkeiten haben dies zu toppen, sofern sie nicht ihr eigenes Jubiläum ähnlich wie mike_hd mit einem speziellen Cache oder im kleinen Freundeskreis begehen wollen.


PS: Die Auswertung der Bordinstrumente ergab eine erreichte Maximalhöhe von 34.033 m.
Felix Baumgarnter startete seinen Fallschirmsprung aus der Stratosphäre aus einer Höhe von 38.969 m.
Ein Video von den Vorbereitungen und der Verfolgung auf Google Maps gibt es im Blog von GeoSoph

Sonntag, 14. Juli 2013

Cachen auf Corfu

Ob es Odysseus auf seiner 10-jährigen Irrfahrt nach dem Fall von Troja an die Gestade von Corfu verschlagen hat ist historisch nicht belegt. Homer berichtet in der Ilias von einer etwas schwierigen Anlandung in Scheria, das als das heutige Korfu, der 2. größten Insel Griechenlands südöstlich vom italienischen Stiefel und rund zwei Kilometer von der albanischen Küste entfernt, identifiziert wurde.
Poseidon, dem Odysseus nicht wohlgesonnen, hatte ihn bei einem Sturm über Bord geschleudert und der König von Ithaka musste zwei Tage schwimmen, bis er endlich auf der gastfreundlichen Insel landete.

Eine sicher angenehmere Anreise per Schiff hatte da wohl Sissi aus Possenhofen. Der Kaiserin Elisabeth von Österreich gefiel es so sehr auf der Insel, dass sie dort mit „Achilleion“ einen Sommerpalast errichten ließ, den sie bis zu ihrem Tod 1898 mehrfach zu längeren Aufenthalten besuchte. Für sie war der Aufenthalt in Korfu ein Ausbruch aus dem Wiener Hofleben und der strengen Hofetikette, den sie bei ausgedehnten Wanderungen – sehr zum Leidwesen der mitgereisten Hofdamen – genoss.

Mit Temperaturen von 30 Grad und mehr und einer Wassertemperatur im Meer um die 23 Grad ist die so genannte „Grüne Insel“ ein einladendes Ferienparadies. Die meisten Besucher landen mit Charterflügen auf dem Flughafen Kerkyra.
Schon beim Anflug über die nahe der Hauptstadt gelegene Lagune sieht man in der Anflugschneise aus geringer Höhe die kleine Insel Pondikonisi, die nach ihren Umrissen so genannte Mäuseinsel, und dort liegt auch schon der erste der knapp 100 Caches von Corfu.

Mit knapp 100 Caches, davon 8 Earth-Caches ist die 61 km lange und 9 km breite Insel relativ dünn bedost. Aber zum Cachen fährt man ja auch nicht nach Corfu. Wer Masse will, der ist wohl in Ungarn mit seinen Powertrails besser aufgehoben. Aber zumindest einer sollte es sein, wenn man schon in Griechenland ist.

Die Ferienanlage in der Nähe von Lefkimmi im Süden der Insel untergräbt die Cacheabsichten. Gemütlich im Liegestuhl relaxen und lesen, ab und zu zur Abkühlung ins Meer oder in den Pool, das all-inclusive Angebot nutzen und höchstens einen kleinen Spaziergang am Strand entlang zum Fährhafen von Lefkimmi waren die Schwerpunkte der ersten Tage. Die Straßen der Insel sind schmal und kurvig, kaum Parkbuchten und wenn ein Bus in rasanter Fahrt entgegenkommt, dann wird es eng. Ein Leihwagen für einen Tag? Muss man sich nicht antun, wenn man nur eine Woche auf der Insel ist und eine große Sight-Seeing-Tour habe ich ja auch nicht geplant. Die Tage fließen ineinander und wo bleibt mein griechischer Cache?

Am Tag vor der Abreise habe ich mich dann zu Fuß auf den Weg gemacht. Mein Ziel war eine alte Klosterruine ganz im Süden in den Bergen und nur etwa 6,5 km entfernt. Um diese Zeit wenig Verkehr auf der Straße nach Kavos, die man entlang trippeln muss. Im südlichsten Ort der Insel dann ein Kulturschock: Chaos in Kavos, das in der Saison voll in britischer Hand ist. Die Hauptstraße extrem vermüllt und versifft mit Bierbechern und Pappteller mit Pizzaresten und sonstigen Unrat der letzten Nacht. Die vielen Clubs und Discos entlang der Straße geschlossen. Hier ist jede Nacht Halli-Galli angesagt.

Kurz hinter Kavos zweigt der geschotterte Weg zum Kloster Moni Panagia Aktroudila ab und man lässt die Zivilisation hinter sich. Rund vier Millionen Olivenbäume soll es auf Korfu geben. An einigen beeindruckenden Exemplaren führt der ausgeschilderte Weg langsam den Hügel hinauf. Hochgewachsene Zypressen lockern das Bild auf. Der Gesang der männlichen Zikaden, mit dem sie Weibchen anlocken oder ihre Reviergranzen akustisch signalisieren, ist das einzige Geräusch, das man hört. Eine angenehme Morgenwanderung, zu einer Zeit, wenn die Sonne noch nicht so stark brennt und das Wandern auf dem beschatteten Weg fast das reine Vergnügen ist.
Fast das reine Vergnügen, denn über den Weg haben – warum auch immer - dicke fette Spinnen ihre Netze gespannt und nach den ersten klebrigen Kontakten achtet man auf diese Netze, duckt sich darunter durch und geht vorsichtiger voran. 

Bei der Klosterruine angekommen wird zuerst gesucht und geloggt, dann die kleine Anlage erkundet. Von der Kante des steil, fast senkrecht abfallenden Hangs hat man eine tolle Aussicht auf die Insel Paxi und die knapp 100 m tiefer liegende Küste. An der Kante sitzen, die Füße und die Seele durchbaumeln lassen und die Pause vor dem Rückmarsch genießen. Den letzten Schluck aus der Wasserflasche und dann geht es wieder die 6,5 km zurück in die Anlage. 


Kavos ist auf dem Rückweg inzwischen sauber gefegt und auch das Angebot eines britischen Frühstücks zu 2,50 Euro wird vereinzelt schon wahrgenommen. Gegen 11 Uhr bin ich wieder in der Anlage und wate ins Meer. Was für ein schöner Vormittag!


Knapp 13 Kilometer und 3 ½ Stunden für meinen 1. Cache in Griechenland. Es hat sich gelohnt und er wird in Erinnerung bleiben.