Freitag, 16. August 2013

Begegnungen: „Schön dass Sie endlich da sind!

Vom geparkten Cachemobil waren es knapp 100 Meter bis zum Final. An der Schnittstelle eines Wohngebiets mit einigen mehrstöckigen Häusern und eines kleinen Gewerbegebiets an einem eingezäunten unbebauten Grundstück musste er sein. Schnell war die magnetische Filmdose an der Querstrebe des verrosteten und mit dicker Kette und Vorhängeschloss gesicherten Eingangstores gefunden und ich war gerade dabei, mich in die Logrolle einzutragen.

„Schön, dass Sie endlich da sind“ tönte eine männliche Stimme in meinem Rücken. War es der Owner? Ein älterer kleiner Mann mit Spazierstock ist ja nicht unbedingt der Prototyp eines Cacheauslegers. Ein interessierter Muggel, der des öfteren suchende Cacher an dieser Stelle beobachtet hat?

„Lag auf meinem Weg und da bin ich heute halt vorbeigekommen“ war meine durchaus korrekte vorsichtige Antwort. „Eine Mordssauerei ist das! Schauen Sie sich doch das Grundstück an!“ entrüstete sich mein Gesprächspartner.

Tatsächlich war es ein extrem verwahrlostes Grundstück.. Der Zaun, verbogen und an manchen Stellen beschädigt, das verrostete Tor und dahinter eine geschotterte Zufahrt voller Schlaglöcher. Mehrere Haufen von Bauschutt und vor sich hin rostender Maschinenteile auf dem Gelände verteilt, eine baufällige kleine Hütte, eher ein Unterstand und das ganze Grundstück voller Brennessel, hochgewachsenem Unkraut und ein paar Büschen. Schön schaute es hier wirklich nicht aus und das Gelände war neben den von Rasen und ein paar Bäumen umgebenen Wohnhäusern und den properen kleinen Gewerbebetrieben ein Schandfleck.

„Schon zwei Mal haben wir an die Stadtverwaltung geschrieben und nichts ist passiert“ ereiferte sich der Anwohner. „Aber jetzt sind sie ja endlich doch gekommen um den Saustall zu begutachten!“ Jetzt fiel bei mir der Groschen: Ich stand vor dem heruntergekommenen Grundstück, machte gerade – nach seiner Meinung – Notizen und da konnte ich ja nur der herbeigesehnte Mitarbeiter der Stadtverwaltung sein.

Was tun? Ich packte langsam den Logstreifen in die Filmdose und deponierte sie seelenruhig an der Querstrebe. „Ziemlich verrostet das Ganze!“ kommentierte ich, was er mit Kopfnicken quittierte. „Da muss ja wirklich was getan werden“, was zu weiterem heftigen Kopfnicken führte. Noch ein paar Minuten diskutierten wir über diese hässliche ungepflegte Ecke und all den Dreck und Schmutz auf dem verwahrlosten Grundstück.


Nachdem ich ihn nochmals versicherte, dass dieser Zustand nicht akzeptiert werden könne, zog er zufrieden von dannen. Ich aber auch und ich hoffe nur, dass nach mir wirklich ein städtischer Mitarbeiter als Reaktion auf die Beschwerden zur Begutachtung der Zustände vor Ort erschienen ist. Sonst würde der alte Mann wohl endgültig seinen Glauben an die Stadtverwaltung verlieren.

Montag, 12. August 2013

Mishapps: Tankprellerei in Luxemburg

Wenn der Weg schon ins Saarland führt, dann kann man aus zwei Gründen noch ein paar Kilometer dazu legen, um auch dem Großherzogtum Luxemburg einen Besuch abzustatten.

Wenn die deutsche A 8 nach der Grenze zur luxemburgischen „A 13 Route de la Sarre“ mutiert, dann sind es bis zur Ausfahrt Mondorf-les-Bains nur noch wenige Kilometer bis Ellange, wo mit dem GC3Z1PN „The Minutes of the Meeting Chapter 2“ die Cluedo-Runde beginnt. Das war ein Grund für meinen Besuch in Luxemburg, wo ich nicht – wie manch anderer – Schätze vor dem deutschen Fiskus verstecken, sondern Schätze suchen und finden wollte.

Eigentlich ist Cluedo eine ideale Runde für Radfahrer, denn auf den betonierten Wegen haben selbst Rennräder mit schmalen Reifen kein Problem und die vom Wind her gewehten Blätter und Zweiglein werden – wie am Rückweg beobachtet – sogar von einer Kehrmaschine entfernt.

Selbst wenn es, wie bei meiner Tour, extrem heiß ist, dann kann man es auf den Wegen durch den kühleren Wald noch aushalten. Einen Nachteil hat die Wanderrunde: Sie ist eine Streckenwanderung und – auch wegen der Hitze – geht man auf dem gleichen Weg zurück zur Startpunkt. Mit ein paar anderen Caches die in der Nähe des Wegs liegen kommen rund 13 km zusammen, für die ich zu Fuß knapp 4 ½ Stunden unterwegs war.

Ein anderer Grund für einen kurzen Besuch jenseits der Grenze – wenn man schon mal da ist - sind die günstigen Spritpreise, die bei Diesel um 15 – 20 Cent pro Liter unter dem deutschen Niveau liegen. Da plant man schon vor der Fahrt möglichst so, dass man fast mit leerem Tank in Luxemburg ankommt und es sich auch lohnt. Nicht immer ist das aber mit Einsparungen verbunden und ich erinnere mich an meine erste Fahrt, die vom Sparpotenzial her betrachtet, gewaltig in die Hose gegangen ist.

Von Belgien kommend habe ich Luxemburg durchquert, Anfang Oktober 2006 auch zwei der wenigen Caches in Luxemburg gefunden und damit auch dieses Land auf meiner Europakarte eingefärbt. An der Autobahnstankstelle in Wasserbillig wollte ich noch die Reise mit den anderen Grund für einen Luxemburgbesuch perfekt machen und meinen Tank günstig auffüllen.

Eine der vielen Zapfsäulen war gerade frei geworden, doch aus dem Tankrüssel kam kein Tropfen. Andere Länder, andere Tanksitten! Auch in den USA muss man manchmal vorher bar bezahlen oder die Kreditkarte deponieren, bevor die Pumpe freigegeben wird. Und da sah ich auch den Schlitz für die Kreditkarte und nach Einführen und erneutem Versuch blubberte der günstige Sprit in meinen Tank. Kreditkarte entnommen und ab nach Hause.

Etwas irritiert war ich schon, als ich ein paar Tage später ein Schreiben der Polizeidienststelle C.P. Wasserbillig des Grand-Duché de Luxembourg mit der Aufforderung erhielt, wegen des Vorwurfs der Tankprellerei an einem definierten Tag zwischen 08:00 und 10:00 h zwecks Vernehmung auf der hiesigen Dienststelle vorstellig zu werden.

Einer Schuld war ich mir nicht bewusst und erst nach längerem Grübeln fand ich die Lösung: Der vor mir tankende Fahrer war nach dem Tanken auf einen Parkplatz in der Nähe gefahren und hat sich in der Tankstelle vielleicht noch mit den ebenfalls günstigeren Zigaretten und Kaffee eingedeckt – jedoch noch nicht bezahlt. Das war der Zeitpunkt als für mich nichts aus dem Zapfhahn lief.

Just in dem Moment, als er bezahlt hatte und die Tanksäule wieder frei gegeben wurde, habe ich meine Kreditkarte eingeführt und war irrtümlich der Meinung, dass die Freigabe durch meine Kreditkarte ausgelöst wurde und ich ein paar Wochen später die Belastung auf der Abrechnung sehen würde. Eine Belastung habe ich – was ich erst später sah – nie erhalten und beide Vorfälle waren nur eine unglückliche zeitliche Coincidence.

Luxemburger sind freundliche und nette Menschen. In einem längeren Telefongespräch mit einer Polizeikommissarin erklärte ich meine Version. Von ihr erhielt ich die Telefonnummer des Tankstellenpächters, der meine Ablaufdarstellung auch nachvollziehen konnte. Bei einer nach 15 Minuten nicht – durch Bezahlung - wieder frei geschalteten Zapfsäule, wird der Videofilm ausgewertet und Anzeige erstattet.

Eine von mir vorgeschlagene Überweisung des Betrags von EUR 65,43 würde das Problem allerdings nicht lösen. Das Geld müsse schon bar einbezahlt werden, da die Abrechnung aller Betankungen sofort elektronisch über eine Zentrale in London laufen würde. Er war aber bereit, den Betrag als Baranweisung über die Post in Empfang zu nehmen und für mich bar einzuzahlen. Und so zahlte ich den Tankbetrag mit einer zusätzlichen Gebühr von EUR 15.- für das Handling durch die Post bei meinem nächsten Postamt für ihn ein.

Statt günstig zu tanken ist dieser Sprit ganz schön teuer geworden.

Aber dafür kann ich frohen Mutes und ungefährdet von einem möglichen Zwangsaufenthalt – vielleicht in den Kasematten von Luxemburg - auch weiterhin einfahren ins Grand-Duché de Luxembourg. 

Samstag, 20. Juli 2013

Das Spectaculum Stratosphaericum - Up up and away

Fünf Monate hat es gedauert, bis nach dem ersten von Dave Ulmer versteckten Cache am 2. Oktober 2000 auch in Deutschland eine Dose versteckt wurde. Allmählich fand die Geocaching Idee aber auch bei uns ihre Anhänger und über die nächsten 2 – 3 Jahre bildete sich - regional unterschiedlich - eine kleine Gemeinschaft Gleichgesinnter, die Dosen versteckten und mit GPS auf Schatzsuche gingen.
Man kannte und schätzte sich untereinander, pflegte, wann immer man sich traf, einen freundschaftlichen Umgang und bei den ersten Events saßen kaum mehr als 10 – 15 Cacher um den Tisch. Caches wurden mit großem Engagement gestaltet – ausschließlich Regulars – und bei einem Fund auch die fremden Caches gepflegt, wenn eine Reparatur, ein Logbuchaustausch oder eine andere Wartung notwendig erschien.
Manch einer von den damaligen Cacher-Urgesteinen hat sich einem anderen Hobby zugewandt und die Dosensuche einfach aufgehört. Aber es gibt mehr und mehr Cacher in Deutschland, die nunmehr schon seit 10 Jahren und länger auf Dosensuche gehen.
„10 Jahre Geocachen“, ein für den betroffenen Cacher denkwürdiges Ereignis, das man auf verschiedene Weise feiern kann – so man denn will.

mike_hd hat sich für sein 10-jähriges Jubiläum am 21. April einen Cache ausgesucht, der an dem Tag, als er mit der Dosensuche begann, veröffentlicht wurde. Ich durfte ihn auf dem Weg zum Dobelview im Eyachtal begleiten und weit abgelegen von den Cachertrails und Wanderpfaden feierten wir sein Jubiläum. Mit 20 km und fast 500 Höhenmeter eine lange Wanderung für einen Cache.

Die gps-guru(s), arbol, Team Lizzard, Lagavulin und Beetroot haben sich für ihr 10-jähriges Cacher-Jubiläum etwas anderes einfallen lassen. Spectaculum Stratospähaericum – Ein Event im Höhenflugbei dem man bequem mit dem Cachemobil anfahren konnte, nur durch die stechende Sonne ins Schwitzen kam und das mit fast 300 Teilnehmern das krasse Gegenteil vom Mike’s Jubiläum war. Aber es war das spektakulärste Event, das ich bisher besucht habe.

Sie hatten eingeladen zum Aufstieg eines Wetterballons vom Sportplatz in Laufen am Neckar mit dem Logbuch aller Event-Teilnehmer als Nutzlast.
Mit einem Wetterballon werden in der Meteorologie üblicher Weise Messgeräte bis in die Stratosphäre transportiert, um mit den durch Radiosonden übermittelten Daten Informationen zur Wettervorhersage zu erhalten. Die aus Latex mit einer Wandstärke von 0,2 mm hergestellten und mit Helium gefüllten Ballons können dabei Höhen um die 30 km erreichen. Dann ist meist das Ende der Fahnenstange erreicht. Der in zunehmender Höhe geringere Luftdruck führt zu einer Ausdehnung des 200 Gramm schweren Ballons auf das rund Vierfache seiner Startgröße. Irgendwann platzt er und die Nutzlast segelt an einem kleinen Fallschirm zur Erde zurück, wo  in den meisten Fällen dank der ausgesandten Koordinaten geborgen werden kann.

Nun kann man nicht einfach einen Ballon mit 3 ½ Kubikmeter Helium füllen und ihn dann auf die Reise schicken. Man braucht die Genehmigung der Deutschen Flugsicherung (DFS), die mit einer Navigationswarnung wiederum die Flugzeugpiloten informieren. Und auch die Startzeit wird von der DFS vorgegeben.
Die Verfolgerteams, die dem Ballon bis zur Landung auf der Spur waren

Da traf es sich gut, dass die Funkamateure von Laufen am Neckar im Klosterhof von Laufen bis Anfang September eine Ausstellung zum Amateurfunk laufen haben und mit der Gruppe vom ballonprojekt Experten dabei waren, die über eine längere Erfahrung im Auflassen von Wetterballons verfügen. Die Vorarbeiten und Formalitäten waren in der Hand von Profis.


Um 11:00 h war es dann soweit. Ausgerüstet mit einer kleinen Box mit Messgeräten und der Übertragungstechnik zur ständigen Übermittlung der coords, sowie Daten zur Höhe, Aufstiegsgeschwindigkeit etc. und einer Farbkamera wurde er aufgelassen. Am unteren Ende der Leine baumelte die bunte Socke mit dem Logbuch des Events als zusätzliche Nutzlast.

Noch interessanter und aufregender als der Start wurde die Verfolgung beobachtet, die Richtungsänderungen des Ballons kommentiert und die Verfolger bedauert, wenn sie wegen fehlender Rheinübergänge einen größeren Umweg fahren mussten, um auf der Spur zu bleiben.
Die Tipps, wann der Ballon platzen würde, lagen zwischen 25 und 30 km Höhe. Die waren alle nach 1 ½ Stunden nicht mehr relevant und das Logbuch in der Socke stieg in ungeahnte Höhen auf. Die letzte Höhenmeldung lag bei 33.996 m – dann platzte der Ballon und mit anfangs über 50 Meter pro Sekunde ging es in der dünnen Stratosphäre rasant nach unten. Die Abbremswirkung des kleinen Fallschirms setzte erst ab 10.000 m richtig ein und mit 8 m/s oder fast 30 km/h fiel das Logbuch mit einer immer noch hohen Geschwindigkeit zurück zur Erde.
73 km Luftlinie vom Startplatz entfernt touchierten die Ballonreste mit Instrumentenbox und Logbuch bei Heuchelheim-Klingen wieder den Boden. Eigentlich nicht ganz den Boden, denn - ein Bergungsteam war bereits zwei Minuten nach Touch-down am Zielpunkt - der Ballon hing in einem der wenigen Bäume. Auch davon war auf den Leinwänden für die Beobachter an der Überwachungsstation sofort ein ins Netz gestelltes Bild zu sehen.


Ein stratospärenhaftes Event, das man nicht vergessen wird. Andere werden Schwierigkeiten haben dies zu toppen, sofern sie nicht ihr eigenes Jubiläum ähnlich wie mike_hd mit einem speziellen Cache oder im kleinen Freundeskreis begehen wollen.


PS: Die Auswertung der Bordinstrumente ergab eine erreichte Maximalhöhe von 34.033 m.
Felix Baumgarnter startete seinen Fallschirmsprung aus der Stratosphäre aus einer Höhe von 38.969 m.
Ein Video von den Vorbereitungen und der Verfolgung auf Google Maps gibt es im Blog von GeoSoph

Sonntag, 14. Juli 2013

Cachen auf Corfu

Ob es Odysseus auf seiner 10-jährigen Irrfahrt nach dem Fall von Troja an die Gestade von Corfu verschlagen hat ist historisch nicht belegt. Homer berichtet in der Ilias von einer etwas schwierigen Anlandung in Scheria, das als das heutige Korfu, der 2. größten Insel Griechenlands südöstlich vom italienischen Stiefel und rund zwei Kilometer von der albanischen Küste entfernt, identifiziert wurde.
Poseidon, dem Odysseus nicht wohlgesonnen, hatte ihn bei einem Sturm über Bord geschleudert und der König von Ithaka musste zwei Tage schwimmen, bis er endlich auf der gastfreundlichen Insel landete.

Eine sicher angenehmere Anreise per Schiff hatte da wohl Sissi aus Possenhofen. Der Kaiserin Elisabeth von Österreich gefiel es so sehr auf der Insel, dass sie dort mit „Achilleion“ einen Sommerpalast errichten ließ, den sie bis zu ihrem Tod 1898 mehrfach zu längeren Aufenthalten besuchte. Für sie war der Aufenthalt in Korfu ein Ausbruch aus dem Wiener Hofleben und der strengen Hofetikette, den sie bei ausgedehnten Wanderungen – sehr zum Leidwesen der mitgereisten Hofdamen – genoss.

Mit Temperaturen von 30 Grad und mehr und einer Wassertemperatur im Meer um die 23 Grad ist die so genannte „Grüne Insel“ ein einladendes Ferienparadies. Die meisten Besucher landen mit Charterflügen auf dem Flughafen Kerkyra.
Schon beim Anflug über die nahe der Hauptstadt gelegene Lagune sieht man in der Anflugschneise aus geringer Höhe die kleine Insel Pondikonisi, die nach ihren Umrissen so genannte Mäuseinsel, und dort liegt auch schon der erste der knapp 100 Caches von Corfu.

Mit knapp 100 Caches, davon 8 Earth-Caches ist die 61 km lange und 9 km breite Insel relativ dünn bedost. Aber zum Cachen fährt man ja auch nicht nach Corfu. Wer Masse will, der ist wohl in Ungarn mit seinen Powertrails besser aufgehoben. Aber zumindest einer sollte es sein, wenn man schon in Griechenland ist.

Die Ferienanlage in der Nähe von Lefkimmi im Süden der Insel untergräbt die Cacheabsichten. Gemütlich im Liegestuhl relaxen und lesen, ab und zu zur Abkühlung ins Meer oder in den Pool, das all-inclusive Angebot nutzen und höchstens einen kleinen Spaziergang am Strand entlang zum Fährhafen von Lefkimmi waren die Schwerpunkte der ersten Tage. Die Straßen der Insel sind schmal und kurvig, kaum Parkbuchten und wenn ein Bus in rasanter Fahrt entgegenkommt, dann wird es eng. Ein Leihwagen für einen Tag? Muss man sich nicht antun, wenn man nur eine Woche auf der Insel ist und eine große Sight-Seeing-Tour habe ich ja auch nicht geplant. Die Tage fließen ineinander und wo bleibt mein griechischer Cache?

Am Tag vor der Abreise habe ich mich dann zu Fuß auf den Weg gemacht. Mein Ziel war eine alte Klosterruine ganz im Süden in den Bergen und nur etwa 6,5 km entfernt. Um diese Zeit wenig Verkehr auf der Straße nach Kavos, die man entlang trippeln muss. Im südlichsten Ort der Insel dann ein Kulturschock: Chaos in Kavos, das in der Saison voll in britischer Hand ist. Die Hauptstraße extrem vermüllt und versifft mit Bierbechern und Pappteller mit Pizzaresten und sonstigen Unrat der letzten Nacht. Die vielen Clubs und Discos entlang der Straße geschlossen. Hier ist jede Nacht Halli-Galli angesagt.

Kurz hinter Kavos zweigt der geschotterte Weg zum Kloster Moni Panagia Aktroudila ab und man lässt die Zivilisation hinter sich. Rund vier Millionen Olivenbäume soll es auf Korfu geben. An einigen beeindruckenden Exemplaren führt der ausgeschilderte Weg langsam den Hügel hinauf. Hochgewachsene Zypressen lockern das Bild auf. Der Gesang der männlichen Zikaden, mit dem sie Weibchen anlocken oder ihre Reviergranzen akustisch signalisieren, ist das einzige Geräusch, das man hört. Eine angenehme Morgenwanderung, zu einer Zeit, wenn die Sonne noch nicht so stark brennt und das Wandern auf dem beschatteten Weg fast das reine Vergnügen ist.
Fast das reine Vergnügen, denn über den Weg haben – warum auch immer - dicke fette Spinnen ihre Netze gespannt und nach den ersten klebrigen Kontakten achtet man auf diese Netze, duckt sich darunter durch und geht vorsichtiger voran. 

Bei der Klosterruine angekommen wird zuerst gesucht und geloggt, dann die kleine Anlage erkundet. Von der Kante des steil, fast senkrecht abfallenden Hangs hat man eine tolle Aussicht auf die Insel Paxi und die knapp 100 m tiefer liegende Küste. An der Kante sitzen, die Füße und die Seele durchbaumeln lassen und die Pause vor dem Rückmarsch genießen. Den letzten Schluck aus der Wasserflasche und dann geht es wieder die 6,5 km zurück in die Anlage. 


Kavos ist auf dem Rückweg inzwischen sauber gefegt und auch das Angebot eines britischen Frühstücks zu 2,50 Euro wird vereinzelt schon wahrgenommen. Gegen 11 Uhr bin ich wieder in der Anlage und wate ins Meer. Was für ein schöner Vormittag!


Knapp 13 Kilometer und 3 ½ Stunden für meinen 1. Cache in Griechenland. Es hat sich gelohnt und er wird in Erinnerung bleiben. 





Dienstag, 21. Mai 2013

GCB88 - Der alte Himmerich


Den Himmerich als Berg zu bezeichnen ist für das Empfinden eines Süddeutschen etwas schmeichelhaft und zuviel der Ehre. Im rechtsrheinischen Siebengebirge, im Südwesten von Nordrhein-Westfalen zwischen dem Rheintal bei Bad Honnef und der A 3 gelegen, ist der Himmerich mit 366 m nicht einmal die höchste und bekannteste Erhebung.
Der Große Ölberg bringt es auf 460 m ü NN und mit der Löwenburg und dem Lohrberg gibt es noch andere höhere „Berge“, die vom Rhein - auf 75 m Meereshöhe - aufsteigen. Selbst der etwas kleinere Petersberg ist bekannter, denn dort logieren im Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland die ausländischen Staatsgäste.
Sie werden wohl wenig von der landschaftlichen Schönheit des Siebengebirges mitbekommen, das 1922 mit 4.800 ha als eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands unter Schutz gestellt wurde.

In Cacherkreisen hat der Himmerich allerdings einen guten Klang, denn nahe seinem Gipfel wurde von konradzuse am 5. Juni 2001 ein Cache ausgelegt. Er gehört zu den 12 ältesten aktiven Caches Deutschlands. Dass er in den zwölf Jahren seiner Existenz von weniger als 400 Cachern gesucht wurde, mag wohl an der etwas abseits vom heutigen Cacherstrom liegenden Dose liegen - ein Regular natürlich, so wie es damals üblich war.  

Über die Jahre hat sich – anfangs zufällig und später auch gezielt – meine Matrix „Finds by Placed Month“ allmählich gefüllt. Neben den ersten Monaten vom Mai bis September 2000, für die wohl längere Reisen notwendig wären, gähnte nur noch im Juni 2001 ein einziges weißes Loch.
Zwei im Juni 2001 ausgelegte Caches gibt es noch in Deutschland. Neben dem GCB37 Triangle im Rems-Murr-Kreis noch den  GCB88 Himmerich
Beide als Multi Regular deklariert, obwohl der eine wohl eher ein Mystery und der andere ein Tradi ist. Weil von einer Cachingtour der Rückweg über die A 3 führte, habe ich mir für Pfingstsonntag den Himmerich vorgenommen.

Nach den vorangegangenen Regentagen zeigte sich der Himmel im strahlenden Blau bei herrlichem Sonnenschein. Das hat auch viele Spaziergänger und Wanderer aus dem nahen Bad Honnef auf die vielen Wanderwege gelockt und bei regem Publikumsverkehr konnte man ungewollt an der Unterhaltung und wahren Familiendramen teilnehmen. „Du hast schon wieder getrunken“ tönte laut und vorwurfsvoll die Ehefrau zu ihrem hinterher hechelnden Ehemann. Über Erziehungsprobleme der eigenen Kinder tauschte sich ein joggendes Ehepaar aus und andere stürmten grußlos mit dem Kompass-Wanderführer oder der Topokarte in der Hand an mir vorbei. Es war einfach unterhaltsam!

Wenn man sein Cachemobil am Servatius-Wanderparkplatz von Himberg kommend abstellt, dann kann man nach wenigen Metern schon den Cache an der Servatiuskapelle suchen. Die Kapelle selbst ist relativ groß, der Cache als Nano dafür umso kleiner.
Die Florianshütte ein kleiner Regenunterstand mit Sitzbänken liegt am Weg zum Himmerich.. Wenn man den Angaben in der Cachebeschreibung nicht folgt, dann kann man den zwar steilen, aber bequemen Pfad zum Gipfel verfehlen. Dann geht es eben auf einer Trittspur über Steine und Felsen noch steiler die letzten 33 Meter nach oben. Nach ein paar Minuten Suche war die historische Dose gefunden.

Himmerich Gipfel - Photo by Leit (CC BY-SA 2.0 DE)
Am Summit – was ja beeindruckender als „Gipfel“ klingt – gibt es ein paar größere Felsen. Dort kann man in der Sonne sitzend den Blick ins Rheintal geniessen und nach dem erfolgreichen Fund die Seele durchbaumeln lassen.

Auf dem Rückweg gibt es noch die Mäcki Hütte und das interessante  Pferdegalgenkreuzbevor man nach rund 7,5 km oder 2:30 h wieder am jetzt gefüllten Parkplatz ankommt.

Eine schöne Tour, nicht nur wegen der jetzt gefüllten 2001er Matrix.
Die fehlenden Monate Mai bis September 2000 zu füllen wird sich so schnell wohl nicht ergeben. Noch stehen mir weltweit 48 Caches zur Auswahl bereit, die meisten davon in den USA. In Europa gibt es noch vom Juni 2000 den GC43 in Irland und für Juli 2000 den GC 40 in Belgien. Das wird so schnell wohl nix, aber man könnte ja – vielleicht, wenn es reinpasst, dann eben doch, irgendwann … Schau ma mal! 


Montag, 22. April 2013

Der Jubiläumscache


Es ist eine Ecke, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und wohin sich, wie schon BikeNomad vor fünf Jahren schrieb, nur Waldarbeiter und GeoCacher verirren. 
Die letzten 70 Meter waren wir Schritt für Schritt den steilen verwachsenen Hang hochgeklettert, uns an den Stämmen der dünnen Bäume und an Wurzeln festhaltend, damit wir nicht wieder hangabwärts rutschen. Immer wieder ein paar Schritte zurück und einen besseren Durchgang durch das Gestrüpp und über den steinigen Untergrund suchend. Beim Verschnaufen haben wir immer wieder den Pointer und die verbleibende Entfernung kontrolliert.
Die letzten Schritte bis zu einem Waldweg. Es musste also auch anders und leichter gehen. Dann hatten wir uns bis auf zehn Meter an den Nullpunkt herangearbeitet. Hier zwischen den Felsen musste er sein und nach ein längerer Suche war es dann Mike, der ein „Gefunden“ rief.
Wir waren am Ziel.


Es gibt viele Möglichkeiten ein Jubiläum zu feiern. mike_hd, mit dem ich schon oft und gerne gemeinsam auf Tour ging und der am 21.04.2013 sein 10-jähriges Cacherjubiläum feierte, hatte sich vorgenommen, zu seinem Jubiläum einen Cache zu finden, der an diesem Tag vor exakt 10 Jahren veröffentlicht worden ist. Mit dem Dobelview im nördlichen Schwarzwald wurde er fündig und ich war froh, dass wir an diesem trüben und kalten Tag nicht in den Harz, den Taunus, die Rhön oder sonst wohin mit einer Anfahrtszeit von mehreren Stunden fahren mussten, sondern nur der doch nähere Schwarzwald das Ziel war. Und ich war auch froh, dass er es war, der die Dose schließlich entdeckte. Es war ja sein Jubiläum und ich war nur der Begleiter.

Am 21.04.2003 wurde der Dobelview von Asa veröffentlicht. Damals vor 10 Jahren mag der Name noch zutreffend gewesen sein. Die zwei Meter hohen Weihnachtsbäume haben sich seither ganz schön entwickelt und sind heute ein junger Wald, durch den man Dobel kaum noch erahnen kann, schon gar nicht an diesem diesigen Tag. Ein Regular, selbstverständliche Cachegröße für die Frühzeit, als man an Filmdosen und Petlinge noch nicht dachte und die Cachebeschreibung - wie damals meist üblich - noch in Englisch.

Dass dieser so abseits gelegene Cache noch aktiv existiert, muss man dem Owner Asa, seit Juni 2002 cachend unterwegs, hoch anrechnen. Er scheint einer zu sein, der seine Caches, darunter viele Multis, pflegt, denn von den knapp 50 oft vor vielen Jahren von ihm versteckten Dosen sind nur wenige archiviert.

Stilgerecht gesucht mit einem alten
alten Garmin GPS 12 XL
Für die ersten Sucher muss es schon bitter gewesen sein, nach dem etwa zehn Kilometer langen Anmarsch ab der Eyachmühle und den vielen Höhenmetern, einen DNF loggen zu müssen. Die Koordinaten waren rund 40 m im off und der Cache nicht zu finden. Nach Berichtigung war dann alice am 8. Mai 2003 der 1. Finder und auch Hornet919 mit seinem Suchhund Linux war eine Woche nach seinem DNF beim 2. Versuch erfolgreich. 110 Cacher haben in den zehn Jahren den Cache als gefunden geloggt. Das sind nicht viele. Es ist halt auch ein Cache, den man sich mühsam erwandern muss und der im Winter bei Schnee nur schwer machbar ist. Der letzte Log vor unserem Eintrag ist über sieben Monate alt und stammt vom Anfang September 2012.

An der Eyachmühle, einem netten Ausflugslokal, kann man sein Cachemobil abstellen, um sich durch das hintere Eyachtal auf den Weg zu machen. Ein schönes naturbelassenes Tal mit Wiesen, Wasserläufen und Wäldern, bei dem man rechts und links der Eyach ein Dutzend Caches suchen und finden kann. Auf der rechten Seite führt eine etwas breitere Forstraße bis zum Eyachursprung, dem Zusammfluss des Brotenaubaches mit seinem Quellgebiet in einem Hochmoor aus der letzten Eiszeit und dem Dürreichbach. Auf der linken Seite kann man dann auf schmalen dem Bachlauf folgenden Pfaden auf dem weichen von Baumwurzeln durchzogenen Waldboden entlang der Eyach wieder zurückwandern.



Wenn man seine Wanderung auf dieser Seite beginnt, dann kann man auch einen Bonuscache mitmachen, der uns durch die gewählte Wegführung vorenthalten blieb. Zurücklaufen wollten wir nicht mehr, denn mit den heutigen 20,2 km und 482 Höhenmeter hatten wir genug. Nach einer Kaffeepause in der Eyachmühle reichte es gerade noch für die # 1 des 10 Years Caching CelebrationTrail von gm, der als 5 km Wanderung mit 10 Caches ebenfalls an der Eyachmühle beginnt. Der wurde in nur drei Jahren schon 350 Mal als gefunden geloggt.
Ist halt ein kürzerer Trail aber durchaus ein guter Grund, wieder einmal in diese Gegend zu kommen.

Donnerstag, 18. April 2013

Miles and More … and more and more!


Wohl jeder, der gerne wandert und dabei auf Dosensuche geht, hat einige Ideen oder fertig ausgearbeitete Runden in Reserve, die ihm durch die Beschreibung oder die Logs anderer Cacher  ansprechen, die auf der Karte interessant ausschauen, von Cachern mit ähnlichen Interessen, die man so als Benchmark hat,  schon abgewandert worden sind oder ihm empfohlen wurden.

Irgendwann in den nächsten Wochen und Monaten, wenn es gerade rein passt, ist dann die eine oder andere Tour ohne größere Vorbereitung – da ja im Vorfeld bereits erledigt – kurzfristig angesagt. Manchmal muss man seine Pläne aber auch umstellen und schnell reagieren, denn wenn die geplante Tour gefällt und der Owner eine Archivierung in den nächsten drei Wochen ankündigt, dann muss man handeln und sie mit Präferenz vorziehen, bevor sie in der Versenkung verschwindet.

Schon vor Monaten habe ich die Miles and More Waldwanderrunde bei Radolfszell am Bodensee entdeckt und sie mir für diesen Sommer auch eingeplant. Damals hatte sie 42 Caches mit einem Bonus nach jeweils sechs Dosen und einem „Superbonus“ auf einer Länge von 18 Kilometer.
Als ich mir die Runde vor ein paar Tagen nochmals anschaute, war durch Ergänzungen Ende März 2013 daraus eine Runde von 54 Caches mit 9 Bonuscaches und einem Superbonus geworden. Plötzlich waren es lt. Listing 22,5 km bei rund 700 Höhenmetern.
Bei etwa 20 Kilometern und kräftigen Anstiegen beginnt es bei mir langsam weh zu tun. Da verhärtet die Muskulatur im Oberschenkel, die Kniegelenke fangen an zu schmerzen und man wird sich bewusst, wo die Adduktoren sitzen, wenn sie sich schmerzhaft melden.  
Jetzt hieß es Pläne umzuwerfen und schnell zu reagieren, bevor der Owner vielleicht noch auf die Idee kommt, ein paar zusätzliche Ergänzungen und noch ein paar Kilometer und Höhenmeter mehr einzubauen.

Verstecken muss man sich für das Auslegen und den gebotenen Service bei dieser Runde nicht. Einheimische Cacher werden wohl wissen, wer sich hinter der Sockenpuppe „Miles Moore“ versteckt, der nur für diese Runde als Owner zeichnet. Bei gpsies kann man sich die Route mit Karte und Höhenprofil aufs GPS laden. Das ist zwar weniger interessant, da ja die Caches sowieso den Weg vorgeben. Wichtig für die eingestreuten Bonuscaches ist jedoch der Ausdruck der Tabelle, ohne die man auf die Boni verzichten muss. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der kann sich auch eine pdf Datei mit Spoilerbildern herunterladen. Ein ziemlich professionelles Listing und ein besonderer Service.

Für einen frühen Start meiner Tagestour habe ich mir eine Relaisstation in Moos-Iznang ausgesucht, von der aus es nur ein paar Kilometer Anfahrt bis zum Startpunkt am Waldparkplatz waren. Das war wohl eine suboptimale Wahl, denn entsprechend den Gepflogenheiten der sonstigen Gäste gab es Frühstück erst ab 8 Uhr und nach Auffrischen der Getränkevorräte – auch die Lidls und Rewes öffnen erst um 8 Uhr – begann meine Tour um 9:30 h - 2 Stunden später als geplant.

Knapp 600 Cacher haben die am 22. April 2012 ausgelegte Runde im 1. Jahr in Angriff genommen und sich wahrscheinlich, so wie ich, über die Wegführung zu Beginn gefreut. Auf weichen federnden Waldpfaden ging es die ersten Kilometer kontinuierlich langsam bergab. Der Bodensee durch die Bäume zur linken und bei den hochsommerlichen Temperaturen recht angenehme 300 Höhenmeter im Wald die ersten drei Stunden nach unten bis zum Cache # 18. Das Einsammeln der Bonuscaches war so eine zeitliche Richtschnur: 6 Caches und der Bonus = 1 Stunde. So war der Zeitplan.

Dann zog es sich allmählich in die Länge und alles war runter ging musste ja auch wieder hoch gelaufen werden. Meine Stundenplanung lief aus dem Ruder und beim letzten eingebauten Schlenker (ab # 46) war dann auch die Schmerzschwelle erreicht. Wie auch von anderen Cachern schon in ihren Logs beschrieben summierten sich die Kilometer durch die Suche und die Bonus-Caches auf eine etwas längere Strecke als die 22,5 km wie im Listing erwähnt. Mein GPS zeigte am Ziel 27,2 km und 970 Höhenmeter an.

Durch die 30 Minuten Pause nach # 23 und die einladende Bank an der Extrameile für eine kurze Rast war ich über elf Stunden unterwegs. Den letzten Bonuscache loggte ich in Dunkelheit um 20:40 h und war echt froh, als ich wenige Minuten später mein Cachemobil dunkel auf dem Parkplatz schimmern sah.

Auf den Superbonus habe ich dann allerdings verzichtet. Bin ja kein Superman – auch wenn man am Ende des Tages dann doch recht zufrieden mit seiner Tagesleistung ist. Aber die stolz geschwellte Brust, die sieht ja im Dunkeln keiner.