Donnerstag, 5. Dezember 2013

Freudenhäuser – eine Cacheserie die keiner braucht !

Als Geocachen in Deutschland allmählich ins Laufen kam, war die Gegend um Kassel ein Zentrum für dieses neue Spiel. Durch eine größere Zahl aktiver und engagierter Geocacher war die Cachedichte in der Region überdurchschnittlich hoch und man hatte auch neue Ideen, die es anderswo, selbst in den USA, so noch nicht gab.
Im März 2005 wurde auf einem Stammtisch beschlossen, eine Serie „Gotteshäuser“ zu starten. Dabei sollten an historischen oder architektonisch interessanten Kirchen jeglicher Religion Caches ausgelegt und in der Cachebeschreibung das Gotteshaus erklärt werden.
Die Idee wurde umgesetzt und von anderen aufgenommen. Über viele Jahre hinweg ist aus der in Kassel geborenen Idee die größte Cache-Serie Deutschlands mit heute fast 1.000 Caches an Kirchen, Kapellen oder Gebetshäusern entstanden. Gemeinsam ist allen Caches die Bezeichnung „Gotteshäuser“ plus entsprechender lokaler Ergänzung, der Hinweis auf die Kasseler Geocacher und die mehr oder weniger ausführliche Beschreibung zur Geschichte und Gestaltung des jeweiligen Gotteshauses.
Diesen Standard haben später entstandene Cache-Serien wie „Häuser der Helfer“, „Steinkreuze oder andere kaum mehr erreicht. Das Verbindende beschränkte sich meist auf die Cachebezeichnung ohne weiterführende Informationen im Listing. Die ursprüngliche Idee, mit einem versteckten Cache anderen Geocachern interessante Orte zu zeigen, ist ja zum größten Teil im Laufe der Jahre verloren gegangen.

Vor ein paar Tagen wurde mit dem 1.„Haus der Freuden“ der Auftakt für eine neue Serie geschaffen. Eine Serie, die die Welt nun wirklich nicht braucht.
Es ist nach meiner Meinung extrem unsensibel und äußerst geschmacklos, an Bordellen und Freudenhäusern Caches zu platzieren. Mancher mag es als lustige Idee empfinden, dass an dieser Stelle eine Dose platziert wird. Es soll sich - nach einigen Log-Notes -, ja auch nur noch um ein Wohngebiet ohne entsprechende Lokalität handeln.
Andererseits wird vom Cache-Owner im Listing zu weiteren „Freudenhaus-Caches“ und zur Begründung einer Serie aufgerufen. „Ich hoffe diese Reihe wird von einigen weitergeführt. Jeder der diese Serie weiterführen möchte, setzt sich bitte mit mir in Verbindung und wir gucken dann das wir alle Links zu den anderen Caches aufführen“.
Und prompt gibt es bereits drei Tage später mit Haus derFreuden Serie - Haus Acapulco Velbert den nächsten Freudenhaus Cache, dieses Mal schon in der Nähe eines Saunaclubs. Da dauert es sicher nicht mehr lange, bis eine Dose am Bordelleingang oder im Kontakthof versteckt wird.
(Ergänzung: der Velbert Cache wurde vom Owner inzwischen archiviert)

Ich kann mich nur FireFightersME4 anschließen, der in seiner Note vom 25.11.13 schreibt: 
"So langsam versteh ich die Welt nicht mehr! Muss man den an jedem Grashalm, jeder Mülltonne, jedem Stein und jeder Mülllagerstätte oder wo auch sonst wo immer einen Cache legen???
Denkt in dieser Welt den keiner mehr daran, dass auch Kinder dieses Hobby betreiben???
Ich hoffe nur das nicht noch mehr auf die Idee kommen an solch dubiosen Orten Dosen zu legen! Vielleicht sollten diejenigen sich eine eigene Plattform suchen, wo sie ihrem "schlüpfrigen" hobby fröhlich fröhnen können!
Und lieber Owner, du hast den Sinn einer HdH- oder Gotteshäuser-Serie nicht verstanden! Du solltest dir einmal starke Gedanken zu dem Sinn dahinter machen und dann deine Idee erneut überdenken! Ich an meiner Stelle würde mich bei dieser hier gelegten Dose zu einem SBA entscheiden!“

Nach den Owner Notes zur Verteidigung seines Caches scheint er weit von einem Überdenken – zumindest des Cache-Titels oder des Aufrufs zur Fortsetzung der Serie – entfernt zu sein.

Der Reviewer Erklaerzwerg, der beide Caches freigeschalten hat, ist ja erst seit Anfang September 2013 aktiv, recht neu in diesem Geschäft und vielleicht noch etwas unsicher was die Freischaltung von Caches betrifft.
 Als kleine Hilfestellung über die Locations ein Auszug aus den Richtlinien von Grounspeak:

Geocaches can be found all over the world. It is common for geocachers to hide caches in locations that are important to them, reflecting a special interest or skill of the cache owner. These locations can be quite diverse. They may be at your local park, at the end of a long hike, underwater or on the side of a city street.

Irgendwie kam dem Reviewer dann der Cache doch dubios vor, denn schon einen Tag nach Veröffentlichung hat er ihn wieder zeitweise stillgelegt. Vielleicht hätte er sich vorher mit seinen erfahrenen Reviewer-Kollegen abstimmen und auf eine Änderung der Bezeichnung und Streichung des Aufrufs zur Freudenhaus-Serie bestehen sollen.

Es macht sicher keinen guten Eindruck, wenn ein Cache von Seattle aus zwangsarchiviert wird.

Kommentare:

  1. Ich sehe da kein Widerspruch zu den Guidelines!

    Ganz im Gegenteil: du sprichst hier dem Cacheleger ab, diesen Ort für sich persönlich wichtig zu finden.

    Leben und leben lassen! Und nicht immer nur ereifern, bloß weil man selber mit seinen Moralvorstellungen was als schlecht erachtet.

    Gruß
    Ulf

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    1. Da Groundspeak das ganze als Familienhobby haben möchte, passen da Bordelle bestimmt nicht dazu, auch wenn Du das nicht in den Guidlines siehst. Wäre übrigens nicht der derste Cache der an so einer Stelle archiviert wurde.

      Gruß

      Henny-R

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    2. Dann leg doch einfach einen Satz Dosen an Spielplätzen und Schulen als Ausgleich...

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  2. Da bekommt der Begriff "Dosen suchen" gleich ne ganz andere Bedeutung.
    Aber mal im Ernst... den Hinweis auf "familienfreundlich" und "auch Kinder cachen" finde ich erklärend genug, warum ich einer solchen Serie nix abgewinnen kann.
    Oliver-HB

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    1. Was heisst hier "familienfreundlich" und kindertauglich? Das kann ich mir nicht vorstellen, bei dem Geschrei das jedes Mal wegen irgendwelcher Spielplatzdosen gamacht wird.

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  3. Bissel zu konservativ erzogen, wa?
    Der Ower ist nun mal gut zu Vögeln.
    Solange man das Logbuch nicht in Chantales Dose suchen muss, ist alles im grünen Bereich.

    Gruß von der Reeperbahn

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  4. Ich finde auch: So lange das nur "in der Nähe" ist... Schon mal in Hamburg auf der Reeperbahn gewesen? Wie viele Kinder da rumrennen? Ein wenig mehr Gelassenheit tut den Menschen wirklich mal gut.

    Ich persönlich kann aber zB die 1000. Kirche nicht nachvollziehen. Ich hasse Kirchen. Und? Rege ich mich drüber auf? Nein, ICH LASSE DIE DOSE LIEGEN UND GEHE WEITER. Bitte jedem das, was er machen möchte.

    Der Hinweis auf Kinder ist völlig unangebracht. Kinder dürfen nur nicht IN die Bordelle. Außen rum natürlich. Warum sollten sie da laufen dürfen und Werbetafeln lesen dürfen aber keine Dose suchen. Was die im Nachmittags-TV-Programm sehen, davon möchte ich nicht erst anfangen...

    Also: FAIL! Lasst jedem das machen, was er will. Die einen müssen sich religiös ergötzen und die anderen holen sich das eben in Bordellen. Macht mal nciht so einen Wind um nix!

    In Potsdam gab es zB bis vor kurzem einen Cache an (ok, einem ehemaligen) Bordell. Und zwar war das ein umgebauter Kondomautomat. Schon mit dem Titel FSK18, der Mystery ringsherum hat sich auch mit Bordellen und deren Geschichte befasst. Am Ende ein Hammercache, der nciht umsonst den Titel "Potsdamer Cache des Jahres" trug.

    Also nochmal: Bitte lasst mal schön die Kirche im Dorf und die Mädels im Bordell... Kinder werden schon nicht blind...

    Und als Abschluss: Am Ende ist es Aufgaben der Eltern, nachzuprügfen, was ihre Kinder in der Freizeit tun. Darauf achten, dass sie nicht LP-Cachen gehen und auf Brücken rumkraxeln gehört genauso dazu, wie eben Bordelle zu besichtigen, wenn sie das meinen. Und nicht die Aufgabe von anderen Cachern oder Reviewern. Und dann gibt es noch das Attribut "Für Kinder nicht geeignet" und gut...

    Ehrlich, ich verstehe die Aufregung keineswegs...

    Gruß S-Man42

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  5. Ich habe da mal zwei Anmerkungen im Blogbeitrag, die mir extrem unangenehm aufstoßen:

    -Zitat 1:-
    Der Reviewer Erklaerzwerg, der beide Caches freigeschalten hat, ist ja erst seit
    Anfang September 2013 aktiv, recht neu in diesem Geschäft und vielleicht
    noch etwas unsicher was die Freischaltung von Caches betrifft.
    -Zitat Ende-

    Der REVIEWER Erklaerzwerg mag ggf. noch nicht lange im Geschäft sein,
    allerdings der Cacher dahinter vermutlich schon.
    Ich finde es mehr als Anmaßend, jemanden derartig belehrend seinen Job
    erklären zu wollen und ihn nichtssagende, allgemein formulierten Quotes aus den
    englischsprachigen guidelines unter die Nase zu reiben.
    Letztendlich war die Entscheidung für den Publish nur auf den Fakten
    "Koordinaten in Ordnung, Attribute gesetzt etc." gefallen -falls da noch
    Persönliche Empfindungen mit reingespielt hätten, hätte es vermutlich
    einen Shitstorm wie bei einem Kölner Reviewer gegeben und das böse
    Wort "Willkür" wäre in diesem Kontext auch wieder gefallen.

    ________________________________________________________

    Dann noch das allseits beliebte Totschlagargument mit den Kindern,
    welches immer dann aus dem Hut gezaubert wird, wenn (überspitzt
    gesagt) die Regierung, Groundspeak oder die Weltwirtschaft nicht als
    Sündenbock herhalten kann.
    Kinder gehen mit ca. 6-7 Jahren in die Schule und lernen dort Lesen.
    Danach sind sie in der Lage sich selbst mit Informationen zu ihren
    Interessen zu versorgen.
    Mit ca. 10 Jahren findet in der GRUNDSCHULE der erste
    Sexualunterricht statt. Danach ist der Märchen vom Klapperstorch
    eh vom Tisch und die Kinder wissen, woher sie kommen. Gepaart mit dem
    bereits angesprochenen Nachmittagsprogramm und den noch vor beginn
    der Pubertät einsetzenden Wissensdurst nach dem neuen, spannenden,
    verbotenen Thema kann ich das Kinderargument nicht nachvollziehen.
    Klar möchte man seine Kinder nicht mit einem "verruchten Etablissement"
    wie einem Bordell in Verbindung bringen -und auch der Kontext zum
    Geochachen eröffnet sich mir nicht, aber ebenso wenig erschließt sich mir
    der Zusammenhang zwischen bereits angesprochenen Gotteshäusern
    oder Spielplätzen und dem Geocachen.
    Fakt ist: ein Cache IM Bordell liegt nicht aus, niemand wird gezwungen,
    den Cache zu machen und falls er persönliche, moralische
    Befindlichkeiten stören sollte, so kann man ihn doch ganz einfach auf die
    Inore-List schubsen, anstatt hier einen moralischen Feldzug zu starten.
    Letztendlich wird die Community entscheiden, wie der Cache ankommt
    und entweder haben wir eine weitere (ich nenne es mal "sinnfreie") Serie
    von Tradis an total unspannenden Orten oder die Idee ist so absurd, das
    sie in der Versenkung verschwindet.

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  6. Ich finde diesen Blogeintrag einfach nur peinlich und intolerant !!!
    Hier spielt sich jemand als Moralapostel auf, und will anderen vorschreiben was zu tun ist. Oberlehrerhaft und inakzeptabel !!!
    Desweiteren war er noch nichtmal in der Nähe des Caches und hat dementsprechend kein Ahnung (auch mit >13000 founds nicht !).

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