Montag, 25. Februar 2013

Hat Geocaching seine Unschuld verloren?


Bisher war es ein unschuldiges Spiel, ein Hobby oder für manche ein Sport und jeder spielte es auf seine Weise.
Die einen suchen Einzelcaches oder Multis, andere konzentrieren sich auf Mysteries, erfreuen sich an Earthcaches, klettern zur Dosensuche auf Bäume, gehen nachts auf Tour oder besuchen Lost Places. Es gibt Cacher, die wandern gern auf ausgelegten Waldrunden und wieder andere finden in Powertrails mit 50 und mehr Dosen, die man abwandert, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto abfährt ihre Erfüllung. Geocachen ist vielschichtig und man kann es auf so vielfältige Weise betreiben.

Wie auch immer man seinen eigenen Schwerpunkt setzte und auf Dosensuche ging, eines galt  – nach meiner Einschätzung – bisher immer noch: Man ist Mitglied in einer kleinen, zwar immer größer werdenden, verschworenen Gemeinschaft, in der man sich, trotz mancher mitunter vorhandenen Eigenheiten des Einzelnen, akzeptierte und auch über den eigenen Cacher-Bekanntenkreis freundschaftlich miteinander umging.
Auch wenn man für die Vorlieben anderer nicht unbedingt immer Verständnis aufbrachte, über manchen Cache den Kopf schüttelte oder sich auch im Forum heftig darüber ausgelassen hat – es blieb stets eine interne Angelegenheit.
Da wurde über Nachtcaches diskutiert, die in Wäldern mit Lärm und Störungen des Wilds und der Jägerschaft verbunden sind, es gab Aufregungen über Lost Places, bei denen Cacher von Mauern oder Dächern herunterfielen und verunglückten oder Diskussionen um Caches abseits der Wege in Naturschutzgebieten und vieles andere mehr. Die Öffentlichkeit war bei diesen „Auseinandersetzungen“ stets außen vor.
Mit dem  Ratzetown Reloaded Powertrail hat sich das jetzt wohl geändert.

Was war geschehen?
Im Norden der Republik wurde vor einigen Tagen ein Powertrail mit 311 Dosen auf einer Strecke von 65 km ausgelegt, die lt. Owner „am besten mit dem Mountainbike oder zu Fuß zu bewältigen“ ist. 95 % der Strecke sollen dabei für PKWs gesperrt sein.
Dieser Powertrail – als Nachfolger einer 1. Version, die von vielen besucht, aber von wenigen beanstandet wurde - rief heftige Reaktionen in der Community hervor. Cache # 1 zeigt vier „Found“-Logs und 17 Notes sowie drei NA-Logs innerhalb von nur drei Tagen.

Ein „Needs Archived“ gibt mir allerdings zu denken:
"Schaalsee" gibt sich in seinem Log als Zweckverband Schaalsee zu erkennen, ist entrüstet über die Menge der ausgelegten Caches  und bittet den Owner um Kontaktaufnahme unter einer angegebenen Telefonnummer. Wörtlich heißt es eingangs des NA-Logs: „An dieser Stellen vielen Dank an die hilfreichen Mitglieder des Geoclubs für die bereitgestellten Information und die Möglichkeit sich hier trotz Beschränkungen einschalten zu können.“

Es scheint, als hätten Cacher, die sich sonst im internen Geoclub-Forum austauschen und die diesen Powertrail missbilligen, nicht davor zurückgeschreckt, Behörden zu kontaktieren und auf die ihnen missliebige Serie, mit welchen Informationen auch immer, hinzuweisen. Damit wurde bei einer Auseinandersetzung um die „Qualität“ eines Caches oder eines derartigen Powertrails wohl erstmalig ein Weg in die Öffentlichkeit beschritten, dessen Auswirkungen noch nicht abzuschätzen sind. Ob sich „die hilfreichen Mitglieder des Geoclubs“ mit ihren Informationen an den Zweckverband nicht selbst ein Bein gestellt haben?

Die Schwelle, einen nicht genehmigten LP-Cache oder einen Klettercache jetzt an zuständige Behörden zu melden, ist nach diesem Präzedenzfall wohl geringer geworden. Bei vielen Caches, vor allem bei Lost Places und Klettercaches wird man – sofern man Interesse hat – Gründe finden, die für eine Archivierung sprechen. Und wenn man die Information an die interessierten Behörden mit hilfreichen Hinweisen „how to do“ weitergibt, dann gibt es bald "Strike and Counterstrike" bei der Cachearchivierung.

Ob man jetzt diesem inzwischen archivierten Powertrail mag, ihn einfach ignoriert oder ihn als einen unerwünschten Auswuchs verdammt – eines hätte man nicht tun dürfen: Die Auseinandersetzung durch Information der zuständigen Behörden in die Öffentlichkeit tragen.

Vielleicht ist es aber auch nur einer der „Gegner“ dieses Powertrails, der sich einen Scherz erlaubt hat, ein neues Account "Schaalsee" eröffnet und seinen „Needs Archived“ Log mit der echten Telefonnummer des Zweckverbands garniert hat, um dem Owner etwas Angst einzujagen, ihn zu verunsichern und ihn - erfolgreich - zur Archivierung des Powertrails zu bewegen.
Die Diktion des Logs, die darin enthaltenen Rechtschreibfehler, die fehlende Unterschrift und Amtsbezeichnung könnten ja durchaus für diese Variante sprechen. 
Und die wäre mir dann wirklich noch die angenehmere Version.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Steinkreuze


Man findet sie am Straßenrand, an Feldwegen und Wegkreuzungen,  an Waldrändern oder auch mitten im Wald. Sie sind meist aus Sandstein, Kalkstein oder Granit, haben die unterschiedlichsten Formen und - sofern es sich nicht um jüngere Exemplare handelt - gehören sie zu den ältesten Flurdenkmälern: Steinkreuze, Sühnekreuze und Mord- und Gedenksteine.

Sühnekreuze sind wohl die ältesten Denkmäler dieser Kreuzkategorie.
Als Sühne für einen Mord oder Totschlag wurden sie in Erfüllung eines Sühnevertrages zwischen den betroffenen Parteien aufgestellt, um eine Blutfehde zu beenden. Texte oder Jahreszahlen findet man selten auf diesen Kreuzen aus dem 13. – 16. Jahrhundert. Der einfache Mensch war ja noch Analphabet. Ihm half man mit der in den Stein gemeisselten bildlichen Darstellung der Mordwaffe oder eines typischen vom Opfer in seinem Beruf genutzten Geräts. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als private Abmachungen nicht mehr geduldet wurden und solide rechtliche Regeln sie ersetzten, wurden keine Sühnekreuze mehr errichtet.

Jetzt begann die Zeit der Steinkreuze, die als Grenzmarkierungen, als Pilgerkreuze für Prozessionen, Wetter- oder Pestkreuze errichtet wurden. Über ein Dutzend verschiedener  Typen werden unterschieden. Von der griechischen Kreuzform mit vier gleich langen Armen, der lateinischen Kreuzform mit längerem Schaft bei kürzerer Armbreite bis zum Malteserkreuz, dem Kruzifix mit plastisch ausgeformten Corpus oder dem Steinkreuz mit ausgehauener Nische als Mischform zwischen Steinkreuz und Bildstock reicht das Spektrum.

 Interessant sind auch die Mord- und Gedenksteine, die auf einen Unfall, ein bedeutendes und dramatisches Ereignis hinweisen und bei denen meist mit Text und Jahreszahl das Ereignis erklärt wird. Da haben sich mitten im Wald zwei Metzger gegenseitig erschlagen oder ein Kaufmann wurde auf seiner Wanderung erstochen, der letzte Wolf der Gegend an dieser Stelle erschossen oder ein Knecht vom Ochsengespann überrollt. Und weil diese Ereignisse häufig in einer entlegenen Gegend oft mitten im Wald stattfanden, haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Spukgeschichten um den Hintergrund der Steine entwickelt.

Über 6.000 dieser Kreuze und Flurdenkmäler sind bei Sühnekreuz erfasst und dokumentiert. Neben einem Foto wird das Material und die Form beschrieben, die Geschichte und die Sagen um dieses Kreuz erzählt und neben Quellen- und Literaturangaben gibt es sogar die Koordinaten in der uns bekannten Dezimalform. Die Datenbank lässt sich nach Bundesländern und Landkreisen durchforsten und wer sich interessiert, hat hier eine ausführliche Dokumentation zur Verfügung.

Wenn man bei Geocaching.com nach „Sühnekreuz“ und „Steinkreuz“ sucht, dann wird man heute etwa 200 Mal fündig. Die meist abgelegene Location bietet sich für ein Versteck an und so liegen die Filmdöschen oder Petlinge häufig durch einen Stein oder ein Holzstück abgedeckt in den meisten Fällen am Boden hinter dem Kreuz. Eine Herausforderung sind solche Caches meist nicht und so fallen viele nach meinem Geschmack unter die Kreuz-Variante der Leitplankencaches. Trotzdem dokumentieren sie interessante historische Ereignisse, wenn man sich die Zeit nimmt, diese Denkmäler auch zu betrachten.

Vor ein paar Jahren gab es ganze Serien wie „Pfälzer Steinkreuze“ und andere, die als Wanderung von Kreuz zu Kreuz und von Cache zu Cache führten. Im F-U-Z-Y-Land im Landkreis Heilbronn, benannt nach seinem fleissigen Cache-Ausleger, brauchte man teilweise nicht einmal ein GPS oder eine Cachebeschreibung. Man konnte davon ausgehen, dass, wo immer man ein Steinkreuz erspähte, sich auch ein Döschen dahinter verbarg.

Als Persiflage auf diese Überfrachtung wurde dann auch die „Keinkreuz“-Serie geboren und fleissig ausgelegt. Die Idee zu dieser Serie stammt, wie in allen Beschreibungen nachzulesen ist, von Prof. Dr. G. O. Faex, der gerade durch die Gegend fuhr und zufallig am Straßenrand Keinkreuz sah. „In den darauf folgenden Tagen verfestigte sich sein Wunsch diese Serie zu verwirklichen und so wurden bei nächster Gelegenheit bei einem Geheimtreffen in einem Verrenberger Kellerverlies weitere Überlegungen angestellt, und die Möglichkeiten dieser Serie erörtert. Immer mehr Plätze kamen ins Gespräch an denen man Keinkreuz bestaunen kann und dennoch bis dato kein Cache gelegt wurde. Wer hatte es nicht schon mal gesehen - ob beim Spaziergang, bei der Fahrt ins Büro oder sogar beim Einkaufen: Keinkreuz hier, Keinkreuz da, und Keinkreuz auch dort. Diese Serie schien enormes Potential zu haben und ungeahnte Möglichkeiten zu bieten.“

Und so entstand eine Serie von bisher rund 50 Keinkreuz Caches. die sogar eine eigene Webpräsenz außerhalb von Geocaching.com haben.
Wer Interesse hat, sich auch für die Nachwelt mit einem Keinkreuz-Cache zu verewigen oder Grundsätzliches zu diesen Caches, die die Welt nicht braucht, mit Prof. Dr. G.O. Faex zu diskutieren, der hat dazu beim Döner’s Event 2013 der Aussenstelle Hohenlohe am 28.03.2013 eine gute Gelegenheit. Er wird anwesend sein, was für F-U-Z-Y, dem King of Stone Crosses, leider nicht gilt. Der hat sich bisher nicht angemeldet und ist wohl mit dem Auslegen von Caches oder deren Archivierung beschäftigt.


Mittwoch, 13. Februar 2013

Die Doline … dann bin ich mal weg!


Es war damals schon ein aufregendes Ereignis, als ein paar Spaziergänger bei einer kleinen Wanderung Anfang Mai 2010 bei Seckach im Neckar-Odenwald-Kreis statt dem gewohnten sanft abfallenden Acker plötzlich ein tiefes Loch entdeckten, das am Tag zuvor noch nicht existierte. Über Nacht ist urplötzlich eine Doline mit einem respektablen Durchmesser von rund acht Metern und einer Tiefe von sechs Metern entstanden.
Schnell sprach sich dieser Vorfall herum und viele interessierte Zuschauer machten sich auf den Weg, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. An der nahen Kreisstraße oder in den abzweigenden Feldwegen parkten stets ein paar Autos und manche wagten sich übermütig und unvorsichtig sogar bis an den brüchigen Rand des tiefen Lochs.
Damit niemand unfreiwillig den Grund der neu entstandenen Doline erforschte, wurde das Gelände mit weiß/roten Plastikbändern abgesichert und an den Befestigungspfosten Schilder mit „Betreten verboten“ und „Vorsicht Lebensgefahr“ befestigt.
Der Landwirt als Eigentümer der Fläche hatte keine große Freude an seiner Doline mitten im Acker und nach Abstimmung mit der Gemeinde, dem Landratsamt und den Naturschutzbehörden wurde beschlossen, das Loch schnellstmöglich wieder aufzufüllen. Bevor es jedoch soweit war und vorsichtig an die 500 – 600 Kubikmeter Erde verfüllt wurden, bekam das Geologische Landesamt die Möglichkeit, diese außergewöhnlich große neue Doline zu untersuchen.

Foto by matthiashn FlickrID 4604167540 Licence: non Commercial Share Alike
Auch Geocacher zeigten sich plötzlich stark an dieser Doline interessiert.
Vier Tage nach dem unerwarteten Vorfall war bereits ein Earth-Cache Doline freigeschaltet und wurde in den nächsten Tagen und Wochen rege besucht.

Foto by matthiashn FlickrID 4604167540 Licence: non commercial Share Alike

Entstanden ist die Seckacher Doline durch Oberflächenwasser, das versickerte, unterirdisch am Hang abströmte und dabei im karstigen Untergrund einen Hohlraum ausgewaschen hatte, der dann einstürzte. Vom sicheren nahe gelegenen Feldweg oder der höher gelegenen Kreisstraße aus gab es einen interessanten Einblick in das Loch. Den Grund des Erdlochs konnte man von diesen Standorten aus nicht sehen.

Ab August 2010 war dann kaum noch etwas zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war das Loch schon wieder verfüllt und die Doline beseitigt. Man konnte die Stelle nur noch an dem etwas anders farbigen eingefüllten Erdreich erahnen.
Und damit hat eigentlich auch der Earthcache seine Berechtigung verloren. Trotzdem wird der EC noch gesucht und geloggt.. In Kürze wird darüber wohl – im wahrsten Sinne des Wortes – Gras gewachsen sein.

Foto by Steinfreund in seinem Log vom Januar 2013

Dolinen sind in Karstgebieten keine extrem seltenen geologischen Gebilde. Wenn man bei der Cachesuche nach Namen „Doline“ oder „Dolina“ eingibt, werden an die 30 Earthcaches und über 70 weitere Tradis angezeigt, die zum Besuch einer solchen Doline einladen. Alle sind geologisch älter als das Seckacher Exemplar und bereits seit Tausenden, wenn nicht sogar Millionen Jahren existent.
Von den  Dolinen im Schwarzwassertal in Vorarlberg, die man als Minidolinen und kleine Vertiefungen im Gelände kaum wahrnimmt, bis zur Doline near Obruk in der Türkei, einem wassergefüllten Prachtexemplar mit einem Durchmesser von 200 – 230 m und einer Tiefe von 145 m reicht das Spektrum. Ein ähnlich tiefes Exemplar und eine nahe gelegene Höhle gibt es mit Skicjan Doline in Slowenien zu bewundern. Wenn es an Durchmesser und Tiefe fehlt, so macht es die Anzahl der zu besichtigenden Dolinen wett. Bei den Dolinen im Wald in der Gegend von Ulm kann man gleich deren fünf besichtigen
.

Es gibt größere und tiefere Dolinen als das Grünloch in den steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen. Aber in einer Hinsicht ist dieses Loch einmalig: Durch die besonderen Bedingungen vor Ort wurde hier 1932 mit minus 52,6 Grad die tiefste jemals gemessene Temperatur in Mitteleuropa dokumentiert. Einen Besuch des EC im Winter mit einer 10-stündigen Schneeschuhwanderung zu dem Punkt auf nur 1.270 m Seehöhe würde ich zu dieser Jahreszeit aber doch lieber den Meteorologen überlassen, die darüber in der Online Zeitung der Universität Wien eindrucksvoll berichtet haben.

Häufig wird bei Earthcaches nach dem Unterschied zwischen Dolinen und Erdfällen gefragt. Sich hier sachkundig zu machen und die Antwort zu finden, soll dem suchenden Cacher vorbehalten bleiben. 

Nur auf eine dritte leicht zu verwechselnde Art, dem schon der Künstler Heinz Breloh zum Opfer fiel, will ich noch hinweisen. Wie beim Tradi  Dolinenkunst nachzulesen, wollte er im Rahmen eines Land-Art Wettbewerbs ein Kunstwerk auf dem Grund einer Doline erschaffen. Dass es sich bei dieser „Doline“ allerdings um einen Bombentrichter aus dem 2. Weltkrieg handelte, hat der 2001 verstorbene Künstler wahrscheinlich nie erfahren.

Samstag, 9. Februar 2013

In den USA da cacht man anders


Etwa 44 % oder knapp 877.000 der bei Geocaching.com gelisteten weltweit etwa zwei Millionen  aktiven Caches sind auf dem Gebiet der USA versteckt. Was die Anzahl von Caches betrifft, belegt Deutschland mit etwa 266.000 Caches oder einem Anteil von rund 13 % den 2. Platz in der Hitliste der Länder.
Für Groundspeak ist Deutschland ein bedeutender Markt und das zeigt sich auch in den häufigen Besuchen aus Seattle bei deutschen Mega-Events und anderen Veranstaltungen. Inzwischen haben die Besucher aus dem Geocaching-Headquarter sicher auch bemerkt, dass sich die deutsche Cachercommunity anders zusammensetzt als in den USA und deutsche Cacher etwas anders ticken als ihre amerikanischen Kollegen.

Die Unterschiede zeigen sich schon bei einem etwas genaueren Blick in die Statistik der ausgelegten Caches.
40,5 % der USA Caches haben eine D/T Wertung bis 1,5. In Deutschland sind er gerade mal 32,5 %. In den Staaten bevorzugt man die schnellen und einfachen Caches, die möglichst mit den Auto angefahren werden können.

Ein LP im Hint deutet auch nicht auf einen Lost Place hin, sondern bedeutet Lamp Pole, einen den Leitplanken-Caches vergleichbaren schnellen Statistikpunkt. Auf den großen Parkplätzen der Einkaufszentren gibt es davon meist mehrere. Möglichst nahe an der großen Peitschenleuchte geparkt, muss man nur aussteigen und die Abdeckschürze der Leuchte aus Plastik oder Blech möglichst geräuschfrei anheben, loggen und weiter geht es zur nächsten Lampe.
Wenn die D/T Caches mit 4,0 und höher in USA mit 0,52 % gegenüber 0,28 % in Deutschland stärker vertreten sind, so liegt das wohl an der subjektiven Einordnung durch den Owner. Allgemein wird die Schwierigkeit und das Gelände höher eingeschätzt als bei uns. Das bedeutet aber andererseits, dass auch die 2,0 Caches in den USA bei uns wohl eher einen niedrigeren Wert hätten, was den 40,5 % Anteil weiter erhöht und auch die > 4,0 Caches reduziert.

89 % aller in den USA versteckten Caches sind Traditionals und nur 6,6 % Mysteries. Da zeigt sich, dass bei den Cacheverstecken Deutschland das Land der Denker ist. Bei uns sind 22,2 % aller Caches Rätselcaches und 60,1 % Traditionals. Mit fast 59.000 Mysteries in deutschen Landen übertreffen wir sogar zahlenmässig die in den USA ausgelegten 57.600 Rätsel- und Challengecaches.
Mit Multis haben unsere amerikanischen Cacherkollegen noch weniger am Hut. Knapp 25.000 aktive Multis oder 2,8 % aller aktiven Caches gehören zu dieser Kategorie, während bei uns die ausgelegten rund 41.500 Multis einem Anteil von 15,6 % an der Gesamtzahl der aktiven Caches bedeuten.

Der hohe Anteil von leichten und schnellen Tradis liegt wohl an den vielen Powertrails, die inzwischen jeden US-Staat durchziehen und die von Extremcachern auch gerne abgefahren werden. AlamoGul hat inzwischen über 82.000 Caches gefunden und fünf weitere  US-Cacher haben eine Fundzahl von über 50.000.

Beim Besuch des GeoWoodstock VII in Bell Buckle, Tennessee haben wir im Viererteam eine 8 Meilen lange Wanderung mit einigen Caches am Ufer des Stones River absolviert. Auf schmalen verwachsenen Pfaden ging es durch dschungelartiges Gelände, immer den sich schlängelnden Fluss entlang. Trotz ein paar Tausend Cacher, die vom GeoWoodstock in der Umgebung ausschwärmten, waren wir die einzigen, die diesen Trail machten. Nicht nur an diesem Tag: In fast vier Jahren gab es auf der Runde nur 36 Finds – vier davon waren von uns. Heute ist die Runde archiviert, dafür gibt es Powertrails auf den nahen Highways 170 und 171.

Auch mit dem Archivieren sind die Amerikaner schnell bei der Hand. Bezogen auf die aktiven Caches sind in den Staaten 63,7 % weitere Dosen d.h. etwa 555.000 Caches archiviert. Das sind über doppelt so viel Caches als es in Deutschland an aktive Caches gibt.
Döschen werden auf der Durchreise ausgelegt und früher oder später – meist wenn der Logstreifen voll ist – vom Owner archiviert.
Aber auch bei uns ist es nicht mehr immer üblich seine ausgelegten Caches zu pflegen und zu warten und sie so langfristig am Leben zu erhalten. 58,2 % bezogen auf die aktiven Caches beträgt die Quote der archivierten Dosen bei uns. Hier nähern wir uns  amerikanischen Verhältnissen mit kurzlebigen, mit dem Auto abzufahrenden, Powertrails, die nach ein paar Monaten nicht mehr verfügbar sind. Allerdings gibt es auch Wanderrunden, die zum Schutz der Natur von den Ownern nach einer gewissen Lebensdauer stillgelegt werden – und das ist gut so.

Sonntag, 27. Januar 2013

Wo Felsen wachsen !


Die Jahresniederschlagsmenge für alle Festlandflächen beläuft sich auf ca. 37.000 Kubikkilometer, die den Flüssen für ihre jährliche geologische Tätigkeit zur Verfügung steht.

Durch abfließende Niederschlagswasser wurden durch Erosion Rinnen, Flüsse, Canyons, V-förmige Täler oder Kerbtäler geschaffen. Durch Wasser werden die weicheren Bodenschichten flächenmässig abgetragen und die härteren bleiben zurück. So werden wetterbeständige Gesteine allmählich aus der Umgebung herauspräpariert und können beeindruckende Formationen bilden.
Bei fließenden Gewässern entstehen Gleithänge, bei denen sich die als Schwebfracht oder Bodenfracht im Wasser mitgeführten Partikel ablagern, während sie von der Uferböschung an den gegenüberliegenden Prallhängen abgetragen werden.
Zu Eis gefroren hat Wasser ein 9 % höheres Volumen und kann Felsen und Gesteine sprengen.

Wasser ist ein gewaltiger Landschaftsformer. Aber nicht immer wird dabei Material zerfurcht, abgetragen oder verfrachtet. Unter gewissen Voraussetzungen können durch Wasser auch Felsen wachsen.
Wenn die Niederschläge auf einer höher gelegenen Fläche langsam durch den Muschelkalk versickern, reichert sich das Wasser mit den darin enthaltenen Kalkanteilen an. Am Fuße eines Hügels tritt das Wasser als Quelle – meist mit relativ geringer Schüttung – aus. Durch die Druckentlastung und Erwärmung des Wassers wird die Fracht an gelöstem Kohlendioxid (CO2) rasch abgegeben. Durch den Entzug des gasförmigen Kohlendioxids entsteht das nur gering lösliche Kalziumkarbonat, das als poröser Kalktuff ausgeschieden wird und so die Felsen wachsen lässt.


In Süddeutschland gibt es einige Earthcaches, bei denen man das Phänomen wachsender Felsen besichtigen kann. Die Steinerne Rinne bei Usterling in der Nähe von Landau an der Isar ist wohl am beeindruckendsten. Am  Growing Rock of Usterling fließt  das austretende Quellwasser in einer bis zu fünf Meter hohen Rinne aus Kalktuff, die sich im Laufe der Jahrtausende gebildet hat. Hier tragen Moose und Pflanzen zusätzlich zum Entzug von Kohlendioxid bei und so wächst die Steinerne Rinne jährlich immer noch um einige Millimeter.Vom Parkplatz an der Straße aus ist dieses geologische Highlight nach wenigen Minuten Fußmarsch zu erreichen.
Im Winter wächst in Usterling wenig

Bei Laufen am Neckar kann man nach einem kurzen Fußweg zwischen Weinbergen und dem Neckar den Kirchheimer Tuff-Felsen bewundern. An dieser Stelle tropft ständig rieselndes Wasser über Kalktuff, das mit Moos bewachsen sind, und bildet so größer werdende „Nasen“.
Auch am Schreckberg bei Mosbach gibt es eine langsam schüttende Karstquelle, die die Felsen um 1-2 mm/Jahr wachsen lässt. In einem kleinen Infohäuschen am Schreckhof kann man sich über die Geologie der Gegend informieren.
Auch in Schwabsoien zwischen Schongau und Kaufbeuren in Bayern kann man einen Kalktufffelsen besichtigen. Aber alle diese Earthcache-Locations halten einen Vergleich zur Steinernen Rinne bei Usterling nicht stand. 
In dieser EC-Kategorie ist der Growing Rock of Usterling - von allen, die ich kenne - meine 1. Wahl.

Weil im Januar 2004 - vor neun Jahren - der 1. Earth-Cache veröffentlicht wurde könnte man ja, weil Eis und Schnee, trübes Wetter und kurze Tage noch das „traditionelle Cache-Erlebnis“ behindern, sich vielleicht auf den einen oder anderen EC konzentrieren. 
Die wachsenden Felsen sollen dazu eine Anregung sein. 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Cachen im Winter Wonderland


 Cachingtouren im Januar haben einen besonderen Reiz.

Ich denke dabei aber nicht an ein paar Caches, die man in der Stadt auf geräumten und gestreuten Wegen sucht oder bei einer vorher geplanten Tour mit dem Cachemobil abfährt, um an der Location gerade mal auszusteigen und die letzen 50 m zum Final zu gehen, schnell zu loggen, um dann wieder im warmen Auto zum nächsten Cache weiterzufahren.

Cachingtouren im Januar sind für mich Winterwanderungen auf verschneiten Feld- und Waldwegen, mitunter bei klirrender Kälte, wo man nach 10 – 15 Kilometer oder 4 – 6 Stunden dann auch froh ist, sich bei der Heimfahrt im Auto aufwärmen zu können. Wenn einem das Gesicht bei den Minusgraden langsam erstarrt, die Finger – zur Bedienung des GPS meist ohne Handschuhe - klamm und gefühllos werden und erst später wieder mit einigen Bizzeln wieder richtig auftauen. Wenn man die Cap gegen eine warme Wollmütze tauscht und man vom Kapuzenpulli die Kapuze richtig hochzieht, wenn der von den Bäumen geblasene und in der Sonne flirrende Schnee in den Nacken fällt -  dann ist das Cachen im Winter Wonderland.

Im Januar 2012 waren es die Runden von „Geocaching Forever“, wo selbst Temperaturen bis zu minus 18 Grad Celsius viele Cacher – so auch mich - nicht vom Abwandern einzelner Buchstaben abhalten konnten. Aber auch nach der Zwangsarchivierung dieser Runden gibt es für den, der an solchen Touren seine Freude hat, andere Runden zum Wintercachen.

 „Warte mal“ von den 4 Schwoba ist so eine. In der Nähe von Schlat bei Geislingen an der Steige in Baden-Württemberg haben sie im Oktober 2011 eine Tradirunde ausgelegt, die bei inzwischen 500 Logs immerhin 126 Favoritenpunkte bei # 01 aufweist. Eine Tradirunde mit 43 Petlingen, die hauptsächlich vom Frühjahr bis zum Herbst in Angriff genommen wird.
Rund um Schlat, auf den Wasserberg und ums Fuchseck führt die rund 18 km lange Runde. Die im Listing genannten 15 bis 16 km sind, wie die erwähnten "unbedeutenden Anstiege" etwas untertrieben. Schon meine Teiltour endete bei 14 km und 686 Höhenmetern. Aber mit den traumhaft schönen Aussichten haben die vier Schwaben recht.

Knackig kalt war es, als ich mich am Morgen auf den Weg machte. Im Wald noch einigermaßen geschützt, sank die gefühlte Temperatur durch den eisigen Wind im freien Gelände von den minus vier Grad um ein paar weitere gefühlte Grad ab und es wurde bissig kalt. Die an einigen Stellen verschlammten Wege mit tiefen Spuren waren in den letzten Tagen zugefroren und damit schön wanderbar. Mit drei bis fünf Zentimeter Schnee war es kein Problem, die richtigen Pfade und Weg zu finden.
Der vom Wetterbericht angekündigte leichte Schneefall blieb aus. Stattdessen präsentierte sich die Schwäbische Alb über weite Strecken im strahlenden Sonnenschein.


Die Tage im Januar sind noch recht kurz und gegen 17 Uhr setzt schon die Dämmerung ein. Bei meiner Startzeit und dem Wandertempo hätte ich die Runde wohl erst gegen 19 Uhr bei völliger Dunkelheit abgeschlossen. Das sollte man den Tieren, aber auch den Ownern, die bei Dämmerung und nachts um Rücksicht und Cacheabstinenz bitten, nicht antun.
Ich habe meine Tour rechtzeitig abgebrochen und so bleibt für einen sommerlichen Ausflug noch ein Anreiz, für den Rest und ein paar weitere Caches zur Schwäbischen Alb aufzubrechen.


Sonntag, 23. Dezember 2012

Auf Dosensuche von Flensburg bis nach Basel


Der Weg von der dänisch/deutschen Grenze bei Flensburg bis zur Schweizer Grenze bei Basel ist nach Google Maps 966 km lang. Wer sie in einem Stück über die A 7 und A 5 durchfährt, braucht dazu rund 8 ½ Stunden, sofern keine Baustellen und Staus ihn aufhalten.

2012 war ich diese Strecke auf der Suche nach den Tupperdosen und Petlingen unterwegs.
Nicht dass jetzt jemand auf den Gedanken käme, dass ich in Etappen öde neben der Autobahn entlang gewandert bin. Es war eine virtuelle Wanderung, für die ich mir Anfang 2012 das Ziel gesetzt hatte, Deutschland auf diese Weise vom Norden nach Süden zu durchqueren.
Etwa 90 einzelne Wanderrunden habe ich vom Parkplatz meines Cachemobils bis zur Rückkehr an den Startpunkt getrackt, die Wegstrecke festgehalten und Runde für Runde aufaddiert. Mit der 4,6 km Runde Raupe Nimmersatt am 19. Dezember in Malsch bei Ettlingen habe ich mit 967,5 km die Schweizer Grenze überschritten.

Zwischen 2,5 km – einem kleinen Spaziergang – bis zu 24,9 km lang waren die Runden, bei denen ich 2012 zwischen Niedersachsen und Niederbayern, zwischen der Uckermark im Osten und dem Saarland in Westen zu Fuß unterwegs war. Mehr als 2,5 – 3,0 Kilometer pro Stunde habe ich selten geschafft. Das Suchen, Loggen und Wiederverstecken braucht seine Zeit und manchmal griff meine 15-Minuten-Regel. Wird der Cache in dieser Zeit nicht gefunden, dann geht es mit einem DNF weiter.
Bei 25 km an einem Tag erreiche ich dann schon meine Obergrenze als Tagesstrecke und wenn es an drei aufeinander folgenden Tagen 60 Kilometer werden, dann war erst einmal Muskel- und Gelenkpflege angesagt. Man hat so seine Grenzen, ab denen es weh tut.

Zum Ende des Jahres geht mein Dank an alle Owner dieser Wanderrunden, die mir meine Touren erst möglich gemacht haben. Über ein paar der Runden, die mir besonders gut gefallen haben, habe ich auch gebloggt, damit auch andere mit ähnlichen Caching-Vorlieben darauf aufmerksam gemacht werden.

Für 2013 ist meine virtuelle Reiseroute bereits geplant.
Von Basel geht es über Zürich, St. Gallen, Feldkirch in Vorarlberg, Innsbruck, Kufstein, Salzburg, an Linz und Wien vorbei nach Bratislava in die Slowakei. Das sind nach Google Maps wieder 933 km, die Tour für Tour virtuell erwandert werden.
Dabei geht es nicht allein um die Zahl der gefundenen Caches oder die zurückgelegten Kilometer. Entlang der virtuellen Strecke werden Besonderheiten und spezielle kulturelle oder touristische Highlights hinterher ergoogelt, der Weg wird vertrauter und so hat man, neben den realen Erlebnissen bei einer Wanderrunde ganz woanders, noch sein zusätzliches Vergnügen.

Ein ganzes Jahr für knapp 1.000 Kilometer!
Wenig im Vergleich zu einem der wohl längsten Wandercaches, die es in Europa gibt. Der Multi München – Venedig führt auf 28 Tagesetappen und einer Strecke von 560 Kilometern bei 20.000 Höhenmetern vom Marienplatz in München zum Markusplatz in Venedig. Das sind die „echten“ Wanderer, die diese Tour in einem Stück oder in mehreren Teiletappen gegangen sind. 36 Cacher haben diese Herausforderung bereits erfolgreich bestanden.
Ich bin nur einer der 637 Cachern, die ihn auf der Watchlist haben und fast schon voll Ehrfurcht die geloggten Reiseberichte lesen und die Erlebnisse beeindruckt mitverfolgen.
„Langsam Laufen. Viel Trinken. Gut Essen. Ausreichend Schlafen. Und von vorne.“ So steht es im Hint dieses Caches von  DerPate zu lesen.
Aber das gilt ja nicht nur für München-Venedig, sondern auch für alle anderen Wandertouren. Ich werde es auch beherzigen, wenn ich mich 2013 auf meine virtuelle Tour machen werde.


Allen, die meinen Blog regelmässig oder unregelmässig mitlesen, positiv oder kritisch kommentieren oder mir auch mal Korrekturen oder aufmunternde mails im Blog oder als PM senden,  wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest, ein paar ruhige und besinnliche Tage und für 2013 viele schöne Cache-Erlebnisse - wo und wie auch immer und welche Döschen sie auch immer suchen mögen.