Dienstag, 3. Juli 2012

Das alte kranke Auto


Frohen Mutes und innerlich noch beseelt von der längeren Wanderrunde im Wald, mit ein paar - trotz cleverer Verstecke - gut gefundenen Caches, marschierte ich zurück zu meinem Cachemobil, das ich vor ein paar Stunden auf dem Wanderparkplatz nahe der Straße abgestellt hatte.
Während man sonst oft Probleme hat, einen den landwirtschaftlichen Verkehr nicht störenden Parkplatz an einer Wegekreuzung zu finden, gab es hier gleich zwei größere Parkplätze hintereinander. Genutzt werden sie werktags anscheinend wenig, denn ich war der einzige, der hier am frühen Nachmittag seinen fahrbaren Untersatz abgestellt hatte.
Es war schon dämmrig geworden und etwas müde von der Tour war ich auch auf den letzten Metern quer über den hinteren Parkplatz zu meinem mobilen Untersatz.

Dann sah ich es!
Ein etwas schmutziges, altes und krankes Auto. Fast versteckt stand es in der Ecke des hinteren Parkplatzes.
Schon an der etwas abgeschossenen, gräulichen Farbe hätte man erkennen müssen, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Es hatte heftige Schweißausbrüche, denn die Scheiben der Fenster waren stark beschlagen und blind. Wie bei einem Schüttelfrost wackelte und wippte es ständig hin und her. Die keuchenden Geräusche erinnerten mich an meinen älteren Nachbarn, der häufig unter Asthmaanfällen leidet. Gelegentliche helle Quietschgeräusche hatte ich bei ihm allerdings nicht in Erinnerung.

Eindeutig Fieber und dann so krank und so allein im Wald!
Da wäre doch ein Platz in der trockenen und warmen Garage daheim wohl besser gewesen und vielleicht hätte sich das Schnauferl dann auch wieder erholt und auskuriert.

Leider verstehe ich wenig von Technik und Autos. Aber solange sie treu ihren Dienst erfüllen, bin ich auch gut zu ihnen und manchmal putze und wasche ich mein Cachemobil auch liebevoll, wenn die getrockneten Dreckspritzer von nassen morastigen Wegen zu sehr die Originalfarbe verdecken.
Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte es gestreichelt und getröstet. Besonders, als ein letzter größerer Anfall mit einem tiefen Seufzer endete und das Wackeln plötzlich aufhörte. War das der Exitus?

Ohne die technischen Fähigkeit helfend einzugreifen, ging ich jetzt schwer in Gedanken versunken und etwas betrübt die letzten 200 Meter zu meinem treuen Fahrzeug um meine Utensilien zu verstauen und meine Wanderschuhe für die Heimfahrt zu wechseln.

Und siehe da: Das alte Auto hat überlebt!
Fröhlich tuckerte es aus seiner hinteren Ecke kommend an mir vorbei.
Der Mann am Steuer und die jüngere Frau am Beifahrersitz müssen wohl auch mitgelitten haben. Mit etwas geröteten Köpfen und anscheinend tief in Gedanken fuhren sie, starr nach vorne schauend und jeglichen Blickkontakt meidend, an mir vorbei. Hatten anscheinend doch ein schlechtes Gewissen das alte kranke Auto so einfach im Wald stehen gelassen zu haben.

Eines habe ich mir für die Zukunft aber vorgenommen:
Wenn ich wieder auf ein ähnlich krankes Auto treffe, dann werde ich in Zukunft vielleicht doch hilfreich eingreifen. Oft trägt es schon zur Linderung bei, wenn man liebevoll die Schweißperlen  von den Scheiben wischt, auch wenn man sonst kaum helfen kann.

Kommentare:

  1. Mein Auto lebt: es raucht, es säuft und manchmal bumst es auch! :-)

    AntwortenLöschen
  2. Was lernen wir hier? Unbedingt alle Verwendungseventualitäten bedenken - BEVOR man sich einen Travelbug-Aufkleber am Wagenheck platziert ;-)

    Liebe Grüße an den Owner dieses thematisch so herrlich breit aufgestellten Caching-Blogs!
    asla

    AntwortenLöschen