Freitag, 26. Oktober 2012

Neues aus Altensteig – Geocaching forever



 Als der Baumeister den Beschluss der Schildbürger, ein neues repräsentatives Rathaus zu bauen, in die Tat umsetzte, da hat er bei der Bauausführung doch glatt die Fenster vergessen. Als Konsequenz war es im Rathaus dann leider stockfinster. Um dem abzuhelfen, versuchten die Schildbürger das Sonnenlicht in Eimern einzufangen und in das Rathaus zu tragen.

Weil Vögel aus dem frisch eingesäten Gemeindeacker die Samen aus der Furche pickten, beschloss der Gemeinderat, dass diese Samenräuber zum Wohl der Gemeinde durch den Gemeindevorsteher vertrieben werden sollten. Damit er dabei aber nicht die Saat zertrampelt, wurde er von vier starken Männern auf einer hölzernen Plattform über das Feld getragen.

Das sind nur zwei der bekannteren Schildbürgerstreiche, über die man sich seit 1597, als im Lalebuch die ersten  „wunderseltsamen, abenteuerlichen, unerhörten und bisher unbeschriebenen Geschichten und Taten“ veröffentlich wurden, köstlich amüsiert.

Seit ein paar Tagen kann man die Schildbürgerstreiche aus dem fiktiven Ort Schilda um einen ganz realen Streich aus der real existierenden Gemeinde Altensteig im nördlichen Schwarzwald ergänzen.

Der Schriftzug „Geocaching Forever“ war ein von einem Team von vier Cachern ausgelegtes Landmark im nördlichen Schwarzwald, das 19 Wanderrunden von je 5 – 10 km Länge auf insgesamt 130 km Wegstrecke mit 286 Caches umfasste.
Ein Teil der meist am Rande der Waldwege an Baumstümpfen befestigten oder locker in einem Baum hängenden Petlinge lag auch auf Altensteiger Gemeindegebiet.
Der Ansturm der Geocacher sorgte, wie der Schwarzwälder Bote am  23.05.2012 berichtete, für „Unmut vor allem bei Jägern, die durch die Aktivitäten der Geocacher die Ruhe des Wildes und die Unversehrtheit der Natur bedroht“ sahen. Der Bürgermeister sah die Gefahr, dass Jagdpachtverträge gekündigt würden und darüber hinaus noch das Risko, „dass das allgemeine Betretungsrecht  (des Waldes) eingeschränkt wird, und dann müssen alle drunter leiden“. Und so folgte der Rat  mit einer einzigen Gegenstimme dem Vorschlag ihres Bürgermeisters, auf den Flächen der Stadt Altensteig das Geocachen zu verbieten.

Kein halbes Jahr später kann man im Schwarzwälder Boten erneut über Altensteig und Geocaching lesen. Diese Mal wird über eine Ratsversammlung berichtet, bei der die Mitglieder des Gremiums über die positiven touristischen Impulse durch Geocaching informiert werden. Andere Städte der Schwarzwaldregion hätten ihre Geocaching-Angebote intensiv beworben und damit sehr gute Erfahrungen im touristischen Bereich gemacht.
Auf Antrag der Verwaltung votieren die gleichen Gemeinderäte, die fünf Monate vorher fast einstimmig das Cacheverbot erlassen haben,  mit 18 Ja-Stimmen (2 Nein, 4 Enthaltungen) dafür, dass ein „Anbieter“ für 10.600 Euro sechs Geocaching-Touren entwirft und auslegt.
Wenn man die auf anderen Gemarkungen von ihm bereits ausgelegten durchaus attraktiven Runden als Maßstab nimmt, werden auf der Gemarkung Altensteig dadurch etwa so viele Dosen liegen, wie vorher bei den zwangsentfernten „Geocaching Forever“ Runden.

Mit einem einzigen Unterschied: Bei Geocaching Forever wurden die Runden durch engagierte Cacher kostenlos ausgelegt und gewartet. Jetzt kostet das „Basispaket“  - was immer das bedeutet - den Bürgern 10.600 Euro. Vielleicht fallen da auch noch laufende Wartungskosten an.

 Man sollte – die Eingangsstory aufgreifend - Bretter zum Plattformbau nach Altensteig schicken. Eigentlich könnte man sich das aber auch sparen, wenn die Verantwortlichen in einem lichten Moment Fenster aus den Wänden des stockfinsteren Rathauses herausbrechen. Dann könnte man die Bretter vor dem eigenen Kopf erkennen und sie dann kostengünstig zum  Plattformbau nutzen.

Kommentare:

  1. Herrlich, die "besten" Geschichten schreibt doch immer das Leben. Ein echter Schildbürgerstreich. Danke für deinen Bericht.

    hustelinchen

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  2. Toller Artikel. Wo ist hier die Applaus-Taste? ;-)
    Vielen Dank dafür und herzliche Grüße vom Lechfeld,
    Martin alias Zwischenamhlzeit

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