Sonntag, 27. September 2015

Geocacher sind doch treue Fans !

Als Kaplan in einer kleineren katholischen Seelsorgeeinheit war er bekannt und beliebt. Man schätzte sein humorvolles und offenes Wesen und auch in der örtlichen Gemeinde war er bestens vernetzt und eingebunden. Er war nicht nur Mitglied im örtlichen Skatclub „Kreuz Bube“, sondern auch im Angelverein „Flotte Rute“ aktiv.

Beim Angeln konnte er sich bestens von seiner aufreibenden Tätigkeit erholen. Um auch andere Menschen an diesem Hobby teilhaben zu lassen, wo man, wie er häufig betonte, seine Seele durchbaumeln lassen und zu einer inneren Ruhe finden könne, hatte er über seine Angelerlebnisse ein kleines Büchlein geschrieben. „Die Fliege, die Rute, die Forelle und ich“ sei zwar als Titel etwas holprig, wie der Verleger meinte. „Meine Rute und ich“ sei doch viel eingängiger und einprägsamer. Dies lehnte der Autor ab, weil es zu Mißverständnissen führen könne und vielleicht eine falsche Zielgruppe ansprechen würde. Unser Kaplan ließ sich nicht beirren und für den Verleger überraschend: Das Buch fand seine Abnehmer, wenn auch wenige. Nur sein 2. Werk „Seelenfischer“ fand zu seinem Leidwesen keinen großen Markt.

Vielleicht war es auch der fehlende Bekanntheitsgrad, der zu dem nur bescheidenen Erfolg führte. Immerhin war er auch überregional kein Unbekannter. Im SDR hatte er schon zwei Mal um 7 Uhr morgens die „Gedanken zum Tag“ gesprochen und einem prominenten Kollegen sogar den Text für das „Wort zum Sonntag“ verfasst. Das wurde zu seinem Leidwesen aber nie öffentlich bekannt.

Ab und zu gab er in Gemeindesälen auch Lesungen, wo er die nach seiner Meinung spannendsten Geschichten aus seinem Buch zum Besten gab. Viele Besucher verirrten sich nicht zu seinen abendlichen Veranstaltungen. Auch seine Freunde von der „Flotten Rute“, die Angler rührten nicht die Werbetrommel oder strömten enthusiastisch zu seiner Präsentation. So musste er die bereits vorher signierten Bücher meist einpacken und wieder mit nach Hause nehmen. Falsches Hobby!

Wie anders reagiert da doch die Geocacher-Gemeinde!
Er ist zwar kein Kaplan, aber mit seiner Arbeit auch in der Öffentlichkeit aktiv und ab und zu im Fernsehen - häufig als humorvolle Bereicherung von Quizsendungen - zu sehen. Das hat er unserem Prediger voraus. Über viele seiner humorvollen Beiträge habe auch ich herzlich gelacht, über manche auch mal mit „Naja“ den Kopf geschüttelt. Man kann es nicht allen recht machen.

2005 hat er Geocachen als entspannendes Hobby entdeckt und anfangs, meist auf dem Weg zu seinen Veranstaltungen, immer wieder einmal eine Dose gesucht und gefunden. Inzwischen sind es über 1.800 Caches, bei denen er einen Fund geloggt hat. Einmal konnte ich mich bei einem Cache sogar direkt nach ihm ins Logbuch eintragen. Huii, das war vielleicht aufregend! Es war aber keiner von den fast 100 T 5,0, die auf seinem Account stehen. Ich will da nicht so hoch hinaus. Und mit seinen Funden in 45 Ländern ist er mir auch knapp voraus.

Über seine Erlebnisse beim Geocachen hat er, wie unser Kaplan über seine Angel-Adventures, auch ein Buch geschrieben, dem inzwischen weitere gefolgt sind. Auf Einladung von Buchhändlern und anderen Organisatoren geht er immer wieder auf „Lesereise“ durch Deutschlands Städte. Anders aber als die Anglerfreunde kann er sich auf seine Geocacher-Community verlassen.

Sie strömen nicht nur in seine Leseabende, um seine Anektoden zu hören, im vertraulichen „Du“ ein paar Worte mit ihm zu wechseln - etwas lauter, damit mitgebrachte Verwandte und Bekannte in der Nähe es hören können, - vielleicht auch nur, um ihn erfurchtsvoll am Ärmel zu berühren. Da sind die Wangen vor Aufregung gerötet und die Pupllen geweitet. Dann wird eines oder mehrere seiner Bücher gekauft, die er geduldig und immer freundlich mit Widmung signiert.
Wenn er in die Stadt kommt, dann werden „Meet & Greet - Events“ organisiert und so ist ein Treffen mit ihm meist ein Highlight in manchem Cacherleben. So einer - und der macht das Gleiche wie ich - das verbindet.

Und auch unser Promi-Cacher ist mit der Heldenverehrung nicht unglücklich: Da rührt die örtliche Cachergemeinde die Werbetrommel und füllt den Saal. Neben dem Honorar des Veranstalters und möglichen Eintrittsgeldern fließen die Honoraranteile aus dem Buchverkauf und schließlich tut es ja auch gut, von so vielen quasi symbolisch anerkennend auf die Schulter geklopft zu werden.
Einer von uns!

Irgendwie finde ich das toll.
So überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch von meinen Anektoden und meinen Geschichten rund ums Geocachen eine Printversion herausbringen und dann auch auf Tournee gehen soll.
Und eine zusätzliche Lücke habe ich auch entdeckt: Bei mir würde es auch eine limitierte Albatross1901 Geocoin geben, deren Kauf - und Kaufpreis - im Eintritt zur Lesung praktischer Weise gleich enthalten wäre.


Für Angebote und Nachfragen ist meine Kontaktadresse ja bekannt.

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