Donnerstag, 12. Januar 2012

Getestet: Unterhosen für Geocacher

Wer fast jede Minute seiner Freizeit bei der Schatzsuche im Freien verbringt, der weiß die Vorteile moderner Funktionswäsche zu schätzen. Sie ist topmodisch, hat die perfekte Passform für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und unterstützt durch das geringe Gewicht beste Cacheergebnisse. Hochfunktionell wird sie nach dem Manufakturprinzip aus edelsten Materialien hergestellt. Die atmungsaktiven schnell trocknenden Fasern sorgen für einen effektiven Feuchtigkeitstransfer von der Haut weg und schützen so vor einem unangenehmen Tragegefühl im Schritt. Weil die Feuchtigkeit nach außen transportiert wird schützen sie vor Unterkühlung aber auch vor übermäßigem Schwitzen. Beschichtet mit Silberionen wird Schweißgeruch und Bakterienwachstum im Keim erstickt.
Die geraute Innenseite und die Flachnähte – reduziert durch eine 3-D Konstruktionstechnologie - ergeben ein angenehmes Gefühl auf der Haut. Die Griffleiste – auch als Sonderfertigung für Linkshänder – und der breite Gummibund sorgen für zusätzlichen Komfort. Diese hochfunktionelle Funktionswäsche von ….


Halt!
Jetzt müssten so beiläufig Hersteller, Bezugsquellen und Richtpreise folgen und dann wäre die Schleichwerbung perfekt.
Im Pressekodex hat sich die deutsche Presse zur Trennung von Werbung und redaktionellen Beiträgen verpflichtet. Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken müssen so beschaffen sein, dass ihr werbender Charakter von den Angesprochenen als solcher erkennt werden kann. So steht es auch in § 4 des Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.
Aber nicht nur in den Printmedien wird häufig dagegen verstoßen. Bei vielen kleineren und speziellen Fachzeitschriften wird die Veröffentlichung eines redaktionellen Beitrags über ein Produkt von der Schaltung einer Anzeige durch den Herstellers abhängig gemacht.
Es funktioniert aber auch anders herum: Da wird ein Produkt für den Endverbraucher einem Journalisten zum Testen – natürlich ohne Rückgabepflicht – zur Verfügung gestellt und das Ergebnis ist mitunter ein ganz neutral gehaltener positiver Testbericht für einen neuen DVD-Player, ein Smartphone, einen Laptop oder was auch immer.
Was im Großen bei bundesweiten Medien funktioniert, das klappt auch bei Bloggern eine Nummer kleiner. Da wird eine neue Funzel, ein GPSr-Modell, ein Buch oder ein Rucksack zum Testen zur Verfügung gestellt und schon kann sich der Hersteller ein paar Tage später über einen positiven „Testbericht“ freuen. „Coinware“ oder andere kleine Gefälligkeiten mögen einen unbekannten Online-Shop bekannt machen und durch einen begeisternden Blogbeitrag zu einer preiswerten Werbung helfen. Ein solcher Beitrag ist ja auch glaubwürdiger als direkte Online-Werbung.
„Cui bono“ - „Wem nützt es“. Diese Frage ist nicht erst seit Cicero aktuell. Man sollte schon kritisch mehrere Quellen studieren und Fachleute und Freunde befragen, bevor man sich zum Kauf eines bestimmten Produkts entscheidet.
Ich möchte dabei aber auch nicht ausschließen, dass die meisten Empfehlungen nicht auf Basis von Sachzuwendungen, sondern tatsächlich aus ehrlicher Überzeugung und einer positiver Erfahrung abgegeben werden. Aber weiß man es?
Ich habe nicht die Absicht mich in die Reihe der Tester einzureihen und da ich immer noch erfolglos auf mein Unterhosen-Care-Paket warte, bleibt der Hersteller der Funktionsunterwäsche ungenannt. So wird es wohl ein ewiges Geheimnis bleiben, wie es unter meiner wasserdichten und robusten, für jedes Wetter geeigneten aus Texapore Taslan hergestellten und durch elastische Einsätze und Belüftungs-Reißverschlüsse geradezu optimalen Trecking- und Wanderhose mit großer Bewegungsfreiheit und höchstem Klimakomfort von Jack Wolfskin aussieht.

Kommentare:

  1. Sehr schöner auf den Punkt gebracht.

    Ich finde es regelmäßig peinlich, für welch' geringen Preis sich einige Blogger regelrecht glauben verkaufen zu müssen.

    Da reichen schon zwei Freiexemplare eines Buches oder zwei Taschenlampen, um extrem wohlwollende Produktempfehlungen zu verfassen.
    (Von "Test" kann man häufig nicht sprechen, so wenig wie die Schreiber sich fachlich mit der Materie auszukennen scheinen... naja Bürgerjournalismus at it's best...)
    Wer möchte sich eigentlich im übernächsten Jahr noch an solche Texte erinnern? Oder heisst es dann "Ich war jung, ich brauchte das Geld"?

    Abgerundet wird die Peinlichkeitsnummer dann mit einem "Gewinnspiel", bei dem eines der Freiexemplare verlost wird unter allen FB- und Twitter-Usern, die das Blog im Gegenzug bewerben müssen.

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  2. Da ich sonst keine Blogs lese, kann ich diesbezüglich nichts Sinnvolles beitragen. Aaaber was z.B. "Fachzeitschriften" angeht, habe ich schon das Gefühl, dass dort die Grenze zwischen verkappter Werbung und Redaktionellem Beitrag des Öfteren arg verschwimmt. D.h., ich als "mündiger Leser" fühle mich veräppelt. Bsp.: Geocaching Magazin.
    Oder z.B. Magazine aus dem Outdoor-Bereich, wie MTB oder "Alpin", die völlig selbstverständlich und unkritisch über Jacken berichten, die 800 Euro kosten oder Schuhe für 350 Euro, dann denke ich, ich bin im falschen Film....Sind denn alle so reich....?

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