Sonntag, 19. August 2012

„Beifang“ ist kein gutes Wort


Wer eine größere Runde für eine Cachingtour vorbereitet, der lädt bei einem Powertrail meist nicht nur die Koordinaten der zur jeweiligen Runde gehörenden Caches auf sein GPS herunter. Über die große Karte in der Cachebeschreibung, über Google Maps oder als PQ mit definiertem Umkreis, Rechteck oder entlang einer Route wird geprüft, ob andere Caches nahe der geplanten Route ausgelegt wurden, die man dann in seine geplante Runde integrieren kann.

Gerade bei Wanderrunden gibt es oft eine Reihe von interessanten zusätzlichen Verstecken zu finden, da zeitlich früher gelegte ältere Caches auf dem Weg liegen und wegen der Abstandsregel dem Ausleger einer Runde manche geplante und vorgesehene Position blockieren.

In manchen Beschreibungen habe ich schon gelesen, dass man bei der Runde auf solchen „Beifang“ achten soll und manche Cacher – so auch ich – verwenden dieses Wort dann auch unreflektiert in ihren Logs. „Gefunden x Caches der Runde und y Caches als Beifang“. Das klingt ja ziemlich cool, wird aber den Ownern dieser „Beifangcaches“ kaum gerecht.

Die haben sich die Mühe gemacht, eine interessante Location zu finden, häufig eine nette und originelle Dose oder ein sonstiges Versteck gebastelt und dann einen Cache ausgelegt, der oft origineller und „werthaltiger“ ist, als die später von einem oder mehreren anderen Cachern platzierten Petlinge oder Filmdosen.

Nach Veröffentlich folgt meist ein Ansturm auf die Powerrunde und damit auch auf den früher ausgelegten Einzelcache. Dass der Owner jetzt häufiger das Logbuch wechseln muss und der Weg zum gut versteckten Cache durch den schnell entstandenen Cachertrail auch ohne GPS bald deutlich erkennbar wird mag er ja noch verschmerzen. Den Cache aber in den Logs als „Beifang“ zur xy-Runde bezeichnet zu finden, das würde mir als Owner weh tun. Besonders dann, wenn der Log für diesen Cache nur aus dem x-ten Copy & Paste Log der Runde besteht, mit der dieser Cache ja nun wirklich nichts zu tun hat.

„Beifang“ mag für manchen ein cooles Wort sein. Nur geht es komplett an der Sache vorbei, wenn man damit einen im Rahmen einer anderen Runde gesuchten Cache meint.

In der Fischerei, woher dieses Wort ja stammt,  wird als Beifang der Teil der Fische und anderer Meerestiere bezeichnet, die beim Fischen mit Massenfanggeräten nicht das Fangziel sind, sondern ungewollt im Netz hängen bleiben und meist als Abfall tot oder sterbend wieder zurück ins Meer geworfen werden. Manchmal gehören sogar Meeresschildkröten, Seevögel und sogar Delfine zu diesem Beifang.

Diese außerhalb der Runde existierenden und gefundenen Caches sind aber durchaus ein „Fangziel“, ungewollt werden sie ja nicht gefunden und als Abfall würde sie wohl auch niemand bezeichnen.

Nicht nur mit der Bezeichnung liegt man völlig daneben.  Es ist auch ein Gebot der Höflichkeit diesen Cache-Ownern gegenüber, die falsche Bezeichnung „Beifang“ zu vermeiden und seinem Cache durch einen vernünftigen individuellen Log gerecht zu werden.
Ich jedenfalls gelobe Besserung und habe das „Beifang“ aus meinem Wortschatz gestrichen.

Kommentare:

  1. Guter Artikel!

    shapeshifter79

    AntwortenLöschen
  2. > 'Beifang' mag für manchen ein cooles Wort sein. Nur geht
    > es komplett an der Sache vorbei, wenn man damit einen im
    > Rahmen einer anderen Runde gesuchten Cache meint."

    Wenn ich einen bestimmten Cache mache und auf dem Weg dorthin oder weil man dran vorbeikommt, liegt irgendeine Dose, für die als solche ich sicher nicht dorthin gekommen wäre, dann wird die schon mal "mitgenommen".

    Wenn die dann was kann, bekommt sie natürlich auch ein individuelles und ausführliches Log. Stellt sie sich als das heraus, was leider immer häufiger wird, nämlich eine belanglose Dose an einem belanglosen Ort, dann nenne ich sie auch "Beifang", denn genau das ist sie dann und mehr auch nicht.

    > Es ist auch ein Gebot der Höflichkeit diesen Cache-
    > Ownern gegenüber, die falsche Bezeichnung 'Beifang' zu
    > vermeiden und seinem Cache durch einen vernünftigen
    > individuellen Log gerecht zu werden."

    Nö. Es wäre ein Gebot der Höflichkeit von Ownern gegenüber Suchenden, keine belanglosen Caches an belanglose Orte zu legen. Das ist nämlich im Gegensatz zu dem, was manche meinen, KEINE Leistung, für die man Respekt verdient hat, ganz im Gegenteil. Wenn ich eine solche Dose dann noch als 'Beifang' bezeichne, dann IST das schon höflich. Wer Mist legt, muss nämlich auch damit rechnen, dass es Mist genannt wird.

    > Ich jedenfalls gelobe Besserung und habe das „Beifang“
    > aus meinem Wortschatz gestrichen."

    Ja, eigentlich hast du recht... eigentlich ist 'Beifang' zu freundlich, jednefalls für das, was ich so nenne. Ich werde mich bessern und deutlicher werden. ;-)

    Nur um nicht missverstanden zu werden: Ich besuche keine "Powertrails" und ich hoffe, dass das Pack, das diese legt, sch bald einem neuen Hype zuwendet, bevor der Ruf von Geocaching endgültig ruiniert ist. Und wenn einer meiner Caches bei GC-Vote dauerhaft unter 3 sinken würde, würde ich ihn schlicht wegräumen. Aus besagter Höflichkeit gegenüber Suchenden und gegenüber anderen Ownern, die vielleicht was Besseres in die Gegend legen würden.

    Altcacher

    AntwortenLöschen
  3. Eigentlich gehts mir da wie mit dem Mohrenkopf - eine Wortvermeidung oder - beschönigung ist keine Behebung des Missstandes.

    Die wirkliche Frage ist, ist der "Beifang" der alte Tradi oder die neue "Runde" (würg)? Ich würde da eher letzteres als "Beifang" bezeichnen - und dafür auch ganz gezielt die Bezeichnung wählen - Mist (da versagt zugegebenermaßen das Gleichnis vom Fischen) der wieder über Bord geht. Bzw. gar nicht geloggt und gesucht wird.

    Es sollte schon klar sein:

    Man legt keine PTs in Gebiete, wo schon alle 500 Meter ein interessanter Ort be"tradiet" ist - und erst recht keine Micro-Orgien entlang eines schon bestehenden Multis.

    Eine Frage des Respekts.

    Aber DAS Fass aufzumachen, dafür ist das Hobby schon 5 Jahre zu viel runtergekommen.

    Gruß Zappo

    AntwortenLöschen
  4. Beifang ist für mich:
    Einfache Mikros ohne Story, ohne Anspruch und ohne Location, wie sie beim ersten Sonnenstrahl zu Dutzenden an die erstbeste freie Stelle geworfen werden, total anonyme Massenware eben, ganz nett, aber nichts, wofür man außer als Hardcore-FTFler oder Statistiker extra rausfährt, was man aber nebenbei, daher der Name loggen kann, wenn man eh genau dran vorbeikommt, sonst nicht.
    Richtig dreist ist es aber, eine ältere Dose mit Listing, Location, größer als Filmdose in der Nähe der eigenen Belanglos-Leitplankenrunde als Beifang zu bezeichnen,
    da werden die Tatsachen verdreht.

    Gruß
    MadCatERZ

    AntwortenLöschen
  5. Sommerloch ist auch kein schönes Wort.

    AntwortenLöschen
  6. Besonders gefreut haben wir uns kürzlich über Massen von Zufallsfunden unseres Multifinals, seit ein neuer Nachtcache rausgekommen ist.
    So Texte wie "die anderen Stationen sind bestimmt auch schön, wir sind nur zufällig über das Final gestolpert" lassen das (Owner-)Herz echt höher schlagen.
    Grund: der Neu-Owner hat schlicht und einfach die Abstandsregeln lieber komplett ignoriert und da es ja nur eine UV-Station war, über die man beim Finden unseres Finals nicht stolpern würde, hat er angenommen, daß das umgekehrt genauso sein würde, aber 5 m sind dann doch etwas wenig.
    Wir haben zum Glück für alle Beteiligten eine einvernehmliche Lösung des Problems finden können. Jetzt ist unser Multi immerhin eine kleine Entspannungsrunde zur Verkürzung der Wartezeit bei einer der Nachtcache-Stationen. ;-)

    AntwortenLöschen
  7. Ups, da ist man mal kurz im Urlaub und schon gehts hier wieder hoch her!?
    Albatros, kannst Du Gedanken lesen? Genau so gehts mir oft mit meiner "Lesemunition", die lange vor dem FoF hier lag und, weil man ein Stück Laufen muss, recht selten besucht wird. Eine Munbox zum Bücher Tauschen. Das bedeutet Vorbereitung, und einige der wenigen Finder bis dato hatten dennoch wohl nix zum Tauschen dabei. Seit das FoF da ist, wird dieser lt. Logs häufig mit einem der FoF Caches gleichgesetzt und bekommt den gleichen Paste und Copy log wie die 30 anderen. Das finde ich tatsächlich schade und es wird dem cache nicht gerecht.
    Die Art der Top-Cacher-Arroganz von Altcacher gegenüber belanglosen Dosen finde ich allerdings nicht so toll. Auch da muss man sagen, dass diese nichtssagenden Petlinge etc. anhand der Beschreibung bei der Vorbereitung einer Tour durchs Raster fallen sollten. Man muss die nicht machen und dann auch keine abwertenden Logs schreiben. Wenn man sie doch macht, der Punkt zählt ja genauso, widerspricht man sich. Sicher weiß man das nicht vorher wirklich bei jeder Dose, aber allgemein gilt das schon.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Man muss die nicht machen und dann auch keine abwertenden Logs schreiben."

      Man muss nicht, aber man sollte. Wie soll ein Owner sonst erfahren, dass das, was er da gebaut hat, als Mist empfunden wird? Der eine oder andere ist ja vielleicht doch lernfähig...

      Altcacher

      Löschen
  8. Das Wort "Beifang" passt doch eigentlich perfekt: Der Fischer hätte die seltene Meeresschildkröte nicht gefangen, wäre der olle Fischschwarm nicht in der Nähe gewesen. Der Powercacher hätte den Qualitätstradi nicht gemacht, wäre der Trail-Schwarm in der Nähe gewesen...

    AntwortenLöschen
  9. Ich bin Owner eines Caches am Rande des Ruhrgebietes. Eine Dose an einem idyllischen Ort mit Historie. Der Cache ist sehr gepflegt und pfiffig versteckt, das Listing beinhaltet alle wesentlichen Infos über die Geschichte des Ortes.

    Als der Tradi gepublished worden ist, waren die Logs zumeist voll des Lobes: "Eine tolle Location, kannte ich bislang noch gar nicht, obwohl ich gleich um die Ecke wohne!" oder "Hier waren wir schon oft, aber die Geschichte des Ortes war uns gänzlich unbekannt!" waren keine Seltenheit in den Logs.

    Dann wurde im Winter in unmittelbarer Nähe ein schöner Nachtcache veröffentlicht. Der ist wirklich toll und er hat jedes seiner blauen Schleifchen verdient. Allerdings änderte sich von da an das Logverhalten an meinem Tradi merklich: das Unwort "Beifang" musste ich seither öfter schon lesen und es war jedes Mal ein Schlag in die Magengrube für mich... :-(

    Sicherlich steht jeder Cache in Relation zu anderen. Aber hier werde ich das Gefühl nicht los, dass die (leider nicht wenigen) Cacher sehr gedankenlos loggen -wenn sie überhaupt das Listing gelesen haben! :-/

    Es braucht also gar keinen Powertrail. Unreflektiertes Logverhalten geht auch so. Vielleicht kommen ja einige beim Lesen deiner Zeilen ins Nachdenken!?! Ich würde mich jedenfalls darüber freuen und danke dir für diesen Beitrag!!

    Arno Nym

    AntwortenLöschen
  10. Das mit den kurzen, eher nichts sagenden Logs liegt auch mit daran, habe ich mir sagen lassen, dass mehr per Smartfone direkt vor Ort geloggt wird und das fällt dann wg. der kleinen Tasten etc. eher kurz aus. Aber es stimmt schon, man freut sich über jeden längeren log, der das Thema des Caches etwas aufgreift und nicht nur den Punkt konsumiert.

    AntwortenLöschen