Montag, 13. Februar 2012

Wird der älteste Cache archiviert ?

Was hat The Kansas Stasher wohl motiviert, in dieser einsamen Gegend am 11. Mai 2000 mit Mingo den – nach Owner Info - weltweit 7. Cache und heute ältesten noch aktiven Cache auszulegen?

Es ist ein langer Weg von Denver in Colorado nach Kansas City am östlichen Rand des Staates Kansas. Fast 1.000 km fährt man auf der Interstate 70 nach Osten auf einer Straße, bei der man mit am Limit gesetztem Tempomat und zur Unterhaltung eingelegtem Hörbuch möglichst schnell Strecke macht. Es ist eine langweilige Strecke, denn wenig lenkt das Auge ab von der eintönigen Prärielandschaft und dem Doppelband der breiten Interstate. Zwischen Colby und Oakley nach etwa 400 km Fahrt kann man wenigstens eine Windfarm in der Ferne sehen, deren drehende Rotoren eine für das Auge willkommene Abwechslung darstellen.
Ausgerechnet in so einer Gegend, wo man das Gaspedal eher etwas tiefer drückt, um schneller voran zu kommen, hat er den Cache versteckt. Immerhin haben bisher fast 2.100 Cacher in dieser Einöde einen Stopp eingelegt, um den heute ältesten aktiven Cache GC30 zu suchen. Die 457 Favoritenpunkte gelten dabei wohl eher seiner historischen Bedeutung und weniger der Dose selbst oder der Schönheit der umgebenden Landschaft. Jetzt droht Mingo die Archivierung und nach der letzten Reviewer-Note zu urteilen, tickt bereits die ablaufende Uhr.

An einer Abfahrt von der I-70, die zu den wenigen Häusern von Mingo führt, hat The Kansas Stasher an einer Zaunecke vor einem Holzpfosten ein Loch gegraben, darin ein Rohr eingebuddelt und mit einer Abdeckhaube versehen, die ca. 10 cm aus dem Boden herausragte. Im Rohr selbst steckte dann der Cachebehälter mit Logbuch als abgedichtetes PVC Rohr mit dünnerem Querschnitt. Solche Verstecke kann man ja mitunter auch bei uns finden.

Über 10 Jahre hat der Cache so gut geschützt die Jahreszeiten überstanden und auch eine sporadische Überflutung hat ihm nicht geschadet. Dann loggte Leaky Spoon am 26. Juni 2011 eine traurige Geschichte: Der Cache war verschwunden und im Loch tummelten sich nur noch Käfer und Insekten. Sie fuhren weiter nach Colby und nach erfolglosem Versuch, mit dem Owner Kontakt aufzunehmen, handelten sie. Sie beschafften eine geräumige Plastikdose, Logbuch und kleinere Sachen zum Tauschen und machten sich mit einem Pflasterstein zum Beschweren der Box auf den Rückweg. Groß war aber dann die Überraschung vor Ort. Das Loch war inzwischen mit Erde vollständig aufgefüllt worden. Etwas die Erde aufgekratzt und so plazierten sie den neuen Behälter, der in der Folgezeit auch mehrfach gefunden wurde.
Aber auch die Plastikbox verschwand und heute scheint die Location zubetoniert mit einem Eisenstab und einem blauen Fähnchen „Do not disturb“.
Fundlogs für den später von anderen Cachern an den Zaun gehängten Ersatz-Micro wurden vom Reviewer gelöscht, denn „Mingo is not Mingo unless it is a regular-sized container“. Auch die vielen Notes im Cachelisting wurden von ihm gelöscht und seitdem findet die rege Diskussion im GC Forum statt.

Ist Mingo überhaupt noch der Originalcache und als ursprünglicher GC30 gerechtfertigt?
Einer der Diskussionsteilnehmer meint, dass ein Cache durch folgende Kriterien definiert ist: die Location, den Cachebehälter, Difficulty und Terrain. Wenn sich mehrere dieser Kriterien ändern, dann sollte man den Cache neu anmelden und den alten archivieren. Ich würde als 5. Kriterium noch das Listing hinzufügen.

Die coords von Mingo - aktuell „temp. disabled“ - haben sich bisher nicht verändert. An der Stelle wird man wohl keine Dose mehr plazieren können und man muss wohl einen nahe gelegenen neuen Platz finden.
Der Cachebehälter hat sich vom PVC-Rohr über eine Plastikbox zu einer Bisontube entwickelt. Das hat mit dem ursprünglichen Cache auch kaum mehr etwas zu tun.
Auch das Listing muss angepasst werden. Solange der Owner Änderungen ohne Eingriff eines Reviewers selbst vornehmen kann, wäre das IMHO immer noch der alte Cache. Doch dazu gibt es im GC Forum auch die unterschiedlichsten Meinungen.

Jetzt ist der Owner gefordert. Sollte er nicht aktiv werden, wird der älteste noch findbare Cache wohl endgültig archiviert werden. Historisch sicher schade, aber als drive-by Cache wohl kein besonders großer Verlust.
The Kansas Stasher hat ja mit seinem GC31 Arikaree in der Nähe der Grenze von Kansas zu Nebraska auch schon bewiesen, dass er es besser kann. Gleich neben seinem Cache - # 7 der noch aktiven, ausgelegt am 30.05.2000 – gibt es auch seit Juni 2011den Earthcache Arikaree Breaks
Ein durchaus interessante Gegend.

Wenn Mingo archiviert wird, dann wird GC12 5/12/2000
in Oregon zum ältesten aktiven Cache. Der scheint nun abgelegen in einem Wald eine wirkliche Herausforderung und kein drive-by zu sein. Walkabout 44 beschreibt in seinem Log vom 07.11.2011 sehr plastisch seine vier Anläufe bis zum „Got it!“.

Schade, dass ich den GC12 damals bei meiner Oregon-Tour übersehen habe. Knapp 10 Kilometer bin ich daran vorbei gefahren. Aber, noch existieren ja sieben aktive Caches aus dem Mai 2000, dem Monat in dem Geocaching das Laufen lernte: Fünf in USA und je einer in Australien und Neuseeland. Obwohl, am GC46 dem Geocache by Kevin Anderson bin ich in Neuseeland auf dem Weg von Wellington nach Norden auch schon ziemlich nahe vorbei gefahren. Da werde ich in Zukunft wohl mein Roadbook besser ausarbeiten müssen.

Kommentare:

  1. Man sollte es kaum glauben, das sich in so einer Einöde anscheinend jemand an dem Doserl gestört hat.
    Schade drum.

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  2. Der Cache wurde in letzter Zeit nach wie vor gelogged.

    The Kansas Stacher hat ihn wohl auch nochmals hergerichtet und gerade heute wieder offiziell freigegeben.

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