Samstag, 10. Oktober 2015

Where the eagles fly

Schurz, im Nordosten von Nevada an der US 95 gelegen, ist ein kleines Nest mit kaum mehr als 300 Häusern und gerade Mal 658 Einwohnern. 550 davon sind „Native American“, wie die Indianer politisch korrekt genannt werden. Es ist die einzige nennenswerte Ansiedlung in der „Walker River Indian Reservation“, wo der Walker River Paiute Tribe mit 853 Natives ansässig ist.

„Agai-Ticutta“ nennen sie sich in der Paiute-Sprache. Das heißt „Trout-Eaters“ oder „Forellen-Esser“. Die scheint es ja im Walker River ausreichend gegeben zu haben. Im semi-ariden Klima des Reservats mit 10 mm Niederschlag pro Monat und mit Durchschnittstemperaturen von 34 Grad am Tag und 10 Grad nachts kann ja kaum etwas anderes Essbares gedeihen.

Daran konnte auch der Paiute-Prophet Wovoka nichts ändern. Der in Schurz begrabene Wovoka sollte die Fähigkeit gehabt haben das Wetter zu beeinflussen. Mit Regen und Schnee soll er eine Dürre beendet haben und an einem heißen Sommertag soll auf seine Intervention hin ein Eisbrocken aus dem Himmel gefallen sein.

Bekannter wurde Wovoka um 1890 als Erfinder des Geistertanzes, der meist fünf Tage dauerte. „Die Personen beim Geistertanz halten sich alle bei den Händen. Zuerst kommt ein Mann, dann eine Frau und so weiter. Auf diese Weise entsteht ein sehr großer Kreis. Sie tanzen in diesem Kreis unaufhörlich, bis einige von ihnen so müde werden und erschöpft sind, daß sie besessen werden und schließlich wie tot umfallen“ berichtet George Sword, ein Oglala Sioux. Die alte Welt ohne den weißen Mann würde wiederkehren und dicht an dicht würden Büffel die Ebenen überfluten und die Adler am Himmel kreisen.

Wer nicht gerade an der Geschichte der bis heute anerkannten 567 „Nations“ interessiert ist, dem wird der Ort Schurz, die Paiute-Indianer und Wovoka kaum was sagen.

Vereinzelt mögen ja noch Adler über Schurz ihre Kreise ziehen. Aber es ist ein anderer, ein bodenständiger Adler, der heute das Interesse auf sich zieht. „The Eagle Geoart“ ist ein vom Team SageBrushers ausgelegtes Geoart-Kunstwerk eines fliegenden Adlers besthend aus 650 Tradis, die östlich von Schurz in den Wüstenboden gezaubert wurden. Keine Mysteries, die dann bequem an einer Landstraße liegen und wie all die nahegelegenen Powertrails einfach als Drive-In eingesammelt werden können. Dieser Eagle muss mühsam erwandert werden.


Das mag der Grund sein, dass es bei dem im März 2014 ausgelegten Adler bisher nur 72 Fund-Logs gibt. Im Vergleich zum in der Nähe gelegenen E.T-Trail mit über 1.300 Funden seit August 2011 ein Nichts. Den E.T.-Trail kann man bequem abfahren, den Adler muss man im weichen Sand mühsam ablaufen. And that makes all the difference!
3-carver, ein Geocacher aus der Urzeit, der die Dosensuche Ende 2002 begann, hat das im August 2015 gemacht. Vom Eagle001 bis zum Eagle650 war er an fünf Tage insgesamt 44 Stunden unterwegs und ist dabei 100,1 Meilen d.h. 161 Kilometer entlang der Konturen gewandert. „Man kann sich schwer vorstellen, wie groß das ist, bevor man es nicht abgewandert ist.“

Der tiefe Sand und Sagebrush, die Sträucher des Wüstensalbeis - der aromatisch duftet, aber das Fortkommen behindert - sind schon besondere Herausforderungen. Ohne feste Schuhe kann man sich durch den eindringenden Sand auch schnell Blasen laufen. Dafür sieht man unterwegs Hasen, Eidechsen und Klapperschlangen und mit etwas Glück auch Coyoten oder Wildpferde. Und wenn man seinen Blick nicht auf den am Boden ausgelegten Adler fixiert, dann kann man auch mal einen Gold Eagle durch die Lüfte segeln sehen.


Was der sich wohl über die Geocacher, die hier ihren mehrtägigen Geistertanz absolvieren, wohl denkt?

Sonntag, 4. Oktober 2015

Mishaps: Wenn das Cachemobil plötzlich stottert

Kühl und frisch ist die Luft am Morgen. Allmählich gewinnt die Sonne an Kraft und es wird wärmer. Der Himmel klar und nur einzelne kleinere Cumulus-Wolken verlieren sich und erscheinen wie weiße Wattebäuschchen im tiefen Blau. Die Blätter der Buchen, Birken und die vieler Sträucher sind schon gelb und rot eingefärbt und reflektieren das Sonnenlicht. Das sind Herbsttage und Stimmungen, die man aufsaugt und die in der Erinnerung haften bleiben.

Die Caching-Tour in die Oberpfalz hat sich gelohnt. Drei Wanderrunden mit insgesamt knapp 19 Kilometer bin ich an diesem außergewöhnlich schönen Herbsttag abgelaufen und mich dabei in 40 Logbücher eintragen können. Rundum zufrieden war ich nach einem Zwischenstop in Niederbayern von meiner traditionellen Übernachtungs-Relais-Station jetzt auf der A 3 auf dem Heimweg.

„Werkstatt aufsuchen“ und ein Symbol für ein Batterieproblem zeigt plötzlich mein Display an. Wie kann das sein? Erst vor drei Wochen wurde die alte Batterie erneuert. Falsch angeschlossen oder irgendein Verbraucher, der unkontrolliert den Saft aus der neuen Batterie saugt? „Komfortsysteme abgeschaltet“ - auch diese Folgemeldung machte mir noch keine übermäßigen Sorgen. Dann kam es dicker: „Sofort stoppen - Kühlflüssigkeit überhitzt“. Tatsächlich war die Anzeige der Kühltemperatur am oberen Ende der Skala. Gleichzeitig fiel die Servolenkung aus. Jetzt war der Tag urplötzlich nicht mehr so schön.

Die 500 Meter bis zu einer Ausfahrt bin ich noch ausgerollt und konnte mein Cachemobil etwas ratlos auf einer Standspur neben der Autobahn zwischen Ausfahrt und Einfahrt abstellen. Hier steht sonst wohl meist nur die Polizei mit einem mobilen Blitzer. Knapp 30 Minuten würde ich wohl warten müssen, meinte der freundliche Mensch vom ADAC. So stand ich neben meinem langsam abkühlenden Cachemobil und sah den auf der anderen Seite der Leitplanke vorbei fahrenden Autos zu. Nach 45 Minuten ein Anruf, wo ich denn stehen würde. Da hat der kleine Ort in der Nähe, den ich angab, doch tatsächlich zwei Ausfahrten. Auch das war schnell geklärt und nach einer Stunde war der Abschleppwagen endlich bei mir. Wie lange doch eine Stunde Wartezeit dauern kann!

Nach erneuter Schilderung der Batteriemeldung und der weiteren Folgen bat er mich die Motorhaube zu öffnen. Ich bin ja von Natur aus kein belehrender Typ, aber dass die Batterie bei mir nahe dem Radkasten der Hinterachse unter dem Kofferraum zu finden ist, das musste ich ihm dann doch mitteilen. Ein Lächeln des netten und gemütlichen Bayern und erneut die freundliche Aufforderung, die Motorhaube zu öffnen. Wie kann man da widersprechen? Und siehe da, der Keilriemen war gerissen und ziemlich zerfasert und damit Lichtmaschine zum Aufladen der Batterie, Kühlung und einige andere Systeme ausgefallen.

Auto huckepack auf den Abschleppwagen und ein paar Kilometer in die Werkstatt bzw. auf den Parkplatz der VW-Niederlassung. Dort waren die Formalitäten proffesionell und schnell erledigt. Statt, wie von mir erwartet, eine weitere Nacht in Niederbayern verbringen zu müssen, arrangierte er mit dem ADAC einen Mietwagen. Die Abholstation sollte mir noch telefonisch mitgeteilt werden. Mein Cachemobil selbst wird per „Sammler“in einigen Tagen an meiner heimatlichen Werkstatt abgeliefert werden. Keine schlechte Lösung. Jetzt weiß ich auch, was eine Plus Mitgliedschaft bedeutet. Mein netter Abschlepper war schon wieder auf Achse zum nächsten Schadensfall und ich stand allein im Hof.

Kurz klingelte mein Handy und dann gab es seinen Geist auf. Batterie leer. Manchmal kommt schon viel auf einmal zusammen. Das Autotelefon zeigte keinen entgangenen Anruf. Erst einmal das Handy über Kabel etwas aufgeladen - soviel Saft hatte noch die Autobatterie - und da war ein Anrufer mit unbekannter Nummer. War das der angekündigte Rückruf? Als nach weiteren 30 Minuten keine Nachricht vom ADAC kam, wusste ich, er war es. Erneuter Anruf über die Notfallnummer, Weiterleitung an die Leistungsabteilung und die gab mir die Adresse der Mietwagenstation: Knapp 500 m von meinem Startpunkt entfernt. Das von mir angerufene Taxiunternehmen empfahl, vorher dort anzurufen und zu klären, ob die Station auch am Feiertag geöffnet sei und mich dann erneut zu melden. Auch das klappte.

Auf der 20 km langen Rückfahrt zu meinem Ausgangspunkt lernte ich vom Taxifahrer viel über Amateur Motorradrennen, die Standfestigkeit der Reifen, über Federwege, den Pannoniaring und sonstige Rennstrecken, fehlende Sponsoren und anderes mehr. So interessant es auch war, ich war doch froh, endlich meinen Leihwagen übernehmen zu können.

Mit vierstündiger Verspätung kam ich dann endlich zu Hause an. Trotz allem: Eigentlich ganz gut gelaufen.

In der Erinnerung wird wohl eher der 2. Tag mit der Rückfahrt als die Cachingrunden in der Oberpfalz haften bleiben.

Sonntag, 27. September 2015

Geocacher sind doch treue Fans !

Als Kaplan in einer kleineren katholischen Seelsorgeeinheit war er bekannt und beliebt. Man schätzte sein humorvolles und offenes Wesen und auch in der örtlichen Gemeinde war er bestens vernetzt und eingebunden. Er war nicht nur Mitglied im örtlichen Skatclub „Kreuz Bube“, sondern auch im Angelverein „Flotte Rute“ aktiv.

Beim Angeln konnte er sich bestens von seiner aufreibenden Tätigkeit erholen. Um auch andere Menschen an diesem Hobby teilhaben zu lassen, wo man, wie er häufig betonte, seine Seele durchbaumeln lassen und zu einer inneren Ruhe finden könne, hatte er über seine Angelerlebnisse ein kleines Büchlein geschrieben. „Die Fliege, die Rute, die Forelle und ich“ sei zwar als Titel etwas holprig, wie der Verleger meinte. „Meine Rute und ich“ sei doch viel eingängiger und einprägsamer. Dies lehnte der Autor ab, weil es zu Mißverständnissen führen könne und vielleicht eine falsche Zielgruppe ansprechen würde. Unser Kaplan ließ sich nicht beirren und für den Verleger überraschend: Das Buch fand seine Abnehmer, wenn auch wenige. Nur sein 2. Werk „Seelenfischer“ fand zu seinem Leidwesen keinen großen Markt.

Vielleicht war es auch der fehlende Bekanntheitsgrad, der zu dem nur bescheidenen Erfolg führte. Immerhin war er auch überregional kein Unbekannter. Im SDR hatte er schon zwei Mal um 7 Uhr morgens die „Gedanken zum Tag“ gesprochen und einem prominenten Kollegen sogar den Text für das „Wort zum Sonntag“ verfasst. Das wurde zu seinem Leidwesen aber nie öffentlich bekannt.

Ab und zu gab er in Gemeindesälen auch Lesungen, wo er die nach seiner Meinung spannendsten Geschichten aus seinem Buch zum Besten gab. Viele Besucher verirrten sich nicht zu seinen abendlichen Veranstaltungen. Auch seine Freunde von der „Flotten Rute“, die Angler rührten nicht die Werbetrommel oder strömten enthusiastisch zu seiner Präsentation. So musste er die bereits vorher signierten Bücher meist einpacken und wieder mit nach Hause nehmen. Falsches Hobby!

Wie anders reagiert da doch die Geocacher-Gemeinde!
Er ist zwar kein Kaplan, aber mit seiner Arbeit auch in der Öffentlichkeit aktiv und ab und zu im Fernsehen - häufig als humorvolle Bereicherung von Quizsendungen - zu sehen. Das hat er unserem Prediger voraus. Über viele seiner humorvollen Beiträge habe auch ich herzlich gelacht, über manche auch mal mit „Naja“ den Kopf geschüttelt. Man kann es nicht allen recht machen.

2005 hat er Geocachen als entspannendes Hobby entdeckt und anfangs, meist auf dem Weg zu seinen Veranstaltungen, immer wieder einmal eine Dose gesucht und gefunden. Inzwischen sind es über 1.800 Caches, bei denen er einen Fund geloggt hat. Einmal konnte ich mich bei einem Cache sogar direkt nach ihm ins Logbuch eintragen. Huii, das war vielleicht aufregend! Es war aber keiner von den fast 100 T 5,0, die auf seinem Account stehen. Ich will da nicht so hoch hinaus. Und mit seinen Funden in 45 Ländern ist er mir auch knapp voraus.

Über seine Erlebnisse beim Geocachen hat er, wie unser Kaplan über seine Angel-Adventures, auch ein Buch geschrieben, dem inzwischen weitere gefolgt sind. Auf Einladung von Buchhändlern und anderen Organisatoren geht er immer wieder auf „Lesereise“ durch Deutschlands Städte. Anders aber als die Anglerfreunde kann er sich auf seine Geocacher-Community verlassen.

Sie strömen nicht nur in seine Leseabende, um seine Anektoden zu hören, im vertraulichen „Du“ ein paar Worte mit ihm zu wechseln - etwas lauter, damit mitgebrachte Verwandte und Bekannte in der Nähe es hören können, - vielleicht auch nur, um ihn erfurchtsvoll am Ärmel zu berühren. Da sind die Wangen vor Aufregung gerötet und die Pupllen geweitet. Dann wird eines oder mehrere seiner Bücher gekauft, die er geduldig und immer freundlich mit Widmung signiert.
Wenn er in die Stadt kommt, dann werden „Meet & Greet - Events“ organisiert und so ist ein Treffen mit ihm meist ein Highlight in manchem Cacherleben. So einer - und der macht das Gleiche wie ich - das verbindet.

Und auch unser Promi-Cacher ist mit der Heldenverehrung nicht unglücklich: Da rührt die örtliche Cachergemeinde die Werbetrommel und füllt den Saal. Neben dem Honorar des Veranstalters und möglichen Eintrittsgeldern fließen die Honoraranteile aus dem Buchverkauf und schließlich tut es ja auch gut, von so vielen quasi symbolisch anerkennend auf die Schulter geklopft zu werden.
Einer von uns!

Irgendwie finde ich das toll.
So überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch von meinen Anektoden und meinen Geschichten rund ums Geocachen eine Printversion herausbringen und dann auch auf Tournee gehen soll.
Und eine zusätzliche Lücke habe ich auch entdeckt: Bei mir würde es auch eine limitierte Albatross1901 Geocoin geben, deren Kauf - und Kaufpreis - im Eintritt zur Lesung praktischer Weise gleich enthalten wäre.


Für Angebote und Nachfragen ist meine Kontaktadresse ja bekannt.

Sonntag, 20. September 2015

Balti-Tour 2015: Von Riga nach Pärnu

 Die Via Baltica - weniger romantisch die E 67 - verbindet über fast 1.700 km das tschechische Prag mit Tallinn und über eine regelmässige 2-stündige Fährverbindung Helsinki in Finnland. Von Vilnius über Riga bis Tallinn hat sie durch die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland eine Länge von 620 km.
Auf der gesamten Länge durch die drei baltischen Staaten bildeten über eine Million Esten, Letten und Litauer am 23. August 1989 die längste Menschenkette, die es jemals gegeben hat. Es war der 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts, bei dem in einem Geheimen Zusatzprotokoll die drei Länder der Sowjetunion zuerkannt wurden. Durch alle drei damaligen Sowjetrepubliken standen sie, hielten Kerzen in den Händen und sangen, um gemeinsam für Freiheit und Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu demonstrieren. Was für ein Mut und was für eine logistische Leistung solch eine Menschenkette zu organisieren.
Die „Singende Revolution“ war erfolgreich. Im Frühjahr 1990 beschlossen die jeweiligen Parlamente die Unabhängigkeit von der UdSSR, die de facto mit dem Zerfall der Sowjetunion im August 1991 wirksam wurde. Bereits im Mai 2004 wurden die drei Länder in die Europäische Union aufgenommen. Sie sind Mitglied der NATO, des Schengener Abkommens und inzwischen ist auch der EURO als Währung eingeführt.

Auf dieser geschichtsträchtigen Straße fuhren wir von Riga an der Küste des Rigaer Meerbusens entlang bis nach Pärnu. In Estland gilt die Redensart, dass man alle seine Freunde, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat, im Sommer in Pärnu trifft.

Freunde in Pärnu zu treffen war nicht unser Ziel, aber Hineinschnuppern nach Estland, das wollten wir schon. Und unterwegs auch ein paar Döschen suchen und finden.
Es muss ja nicht gleich der Nelja Kuninga Tee -NKT „The Four King Road“ sein, der sich weiter im Norden durch Estland schlängelt und in etwa die Strecke markiert, die im 14. Jahrhundert von den vier vom Volk gewählten „Königen“ zurückgelegt wurde, um vom Deutschen Orden in Paide bessere Lebensbedingungen zu erbitten. Vom NKT 1 (GC3YY1T) bis zum NKT 467 (GC4D20G) ist dieser Powertrail durchnummeriert und seit Ende 2013 ist jeder der mit den am Weg liegenden ca.500 Caches an die 300 Mal geloggt worden. Häufig von finnischen Geocachern, die mit der Fähre nach Estland kommen und dann zwei Tage lang alle paar Hundert Meter anhielten, um einen schnellen Fund zu loggen.

Die Landschaft ist beeindruckend schön. Sandböden mit wenig anspruchsvollen Kieferwäldern, verstreute Häuser und Dörfer entlang der gut ausgebauten Via Baltica. Wen das anspricht, der hat mit dieser Tour eine gute Wahl getroffen, auch wenn die Straße nach unseren Verhältnissen eher eine einfache Bundesstraße und fast durchweg auf 70 km/h begrenzt ist. 
Da kommt man sich, so wie ich auf dem Bild, beim Cache Mazie Rakari vor dieser Landschaft ganz schön klein vor. Irgendwo oben ist der Cache. Ich habe es mir lieber unten gemütlich gemacht..

Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen aus dem Adelsgeschlecht derer zu Münchhausen aus Bodenwerder werden die Lügengeschichten des Baron Münchhausen zugeschrieben. Ob alle Münchhausiaden wirklich von ihm, dem phantasievollen Erzähler, stammen, sei dahingestellt. Gefreut hat er sich über den großen Erfolg der Veröffentlichungen nicht. Damals im Jahre 1795 war er aber schon 75 Jahre alt und nach einem ruinösen Scheidungsprozess von seiner 55 Jahre jüngeren Ehefrau sowieso ziemlich verbittert.
Glücklicher war er wohl in jüngeren Jahren, als er mit 19 Jahren bei den „Braunschwei-Kürrassieren“ in Riga diente und dabei auch von seinem Freund, dem baltischen Landadligen Georg Gustav von Dunten, häufiger zur Entenjagd eingeladen wurde. Dabei lernte ar auch dessen Tochter Jacobine von Dunten kennen und lieben. Sie heirateten 1744 und verbrachten sechs Jahre in Dunte, bevor er ins heimatliche Bodenwerder zurückkehrte und dort bis zu ihrem Tod weitere 40 Jahre glücklich mit seiner Frau lebte.

Dunte Manor beherbergt ein Baron Münchhausen Museum und - ungelogen - auch einen Cache, den zu finden wir nicht auf einer Kanonenkugel anfliegen mussten.
Münchhausen soll auch einem Wolf in den Schlund gefasst und sein Inneres nach außen gewendet haben. Gut zu wissen, dass er seit 1797 schon tot ist



ist einer der ältesten aktiven Caches in Estland.
Einen 18 m hohen Leuchtturm kann man schon in  Ainazi nahe der Grenze von Estland zu Lettland bewundern. Hier vor Ort einen zu suchen ist verlorene Liebesmühe, hier gibt es keinen. Auch das „Lighthouse Directory“ in dem über 18.500 Leuchttürme weltweit beschrieben sind muss hier passen. Der Name des Caches stammt vom nahegelegenen Ort Majaka (auf Deutsch: Leuchtturm) - that’s it! Aber auch wenn man keinen Leuchtturm findet, es ist schon etwas Besonderes und den kleinen Abstecher von der Via Baltica wert, die  kleine am 20. Mai 2001 ausgelegte Blechdose in der Hand zu halten. Immerhin: Auf dem Logbuch ist ein putziger Leuchtturm aufgezeichnet.

Von einem kleinen Parkplatz an der Via Baltica zweigt ein unscheinbarer Weg ab und der normale Tourist wird ihn beim Vorbeifahren vielleicht übersehen. Nicht so der Dosensucher! Der weiß aus dem Listing was ihn erwartet.
Quer durch den Wald und durch das Hochmoor ein längerer Plankensteg auf dem man, ohne sich durch das Gestrüpp durchkämpfen zu müssen oder der Natur zu schaden, entlang wandern und die Hinweistafeln studieren kann, um dann bei einem hölzernen Aussichtturm zu landen: Da kann man das Meer sehen!
Das sieht man auch an anderen Stellen und da gibt es sogar mit dem Auto bessere Zugänge. Aber dort gibt es dafür keinen „Sookolli aare“, den alten Cache aus dem September 2009 zu suchen und zu finden.
Und auf dem Weg liegt dann auch der „Tourist from east Germany“ (GCK6VM)

Versteckt im Juni 2004 ist auch das einer von den ganz alten Caches.
Ich hätte mir die Bilder anschauen sollen und dann die Dosen wahrscheinlich gefunden. Aber mein Augenmerk galt der Landschaft mit dem Hochmoor und zwei größeren Teichen beim etwa 3 Kilometer langen Plankenrundweg. Zwei DNFs und trotzdem happy, diese schöne Ecke dank Geocaching gefunden zu haben.


Die 1251 vom Deutschen Orden gegründete Stadt an der Mündung des gleichnamigen Flusses am Ausläufer des Rigaischen Meerbusens hatte bereits 1838 eine Badeanstalt und war ein beliebter Kur- und Badeort. „Sommerhauptstadt von Estland“, das ist sie auch heute wieder.
Nach einem Bummel durch die Innenstadt war Zeit für die Webcam. Nur alle fünf Minuten wird das Bild aktualisiert und beim ersten Mal stand ich außerhalb des Bildes. So einfach rumzustehen kann ganz schön lang werden, besonders wenn der Magen knurrt.
Wohin? Was wäre eine Reise ohne Smartphone und Internet. Schnell Tripadvisor kontaktiert und gleich um die Ecke gab es ein hervorragend bewertetes Restaurant. Seit unserem Besuch hat Hea Maa eine positive Bewertung mehr.

Geocaching in Estland begann im Januuar 2001 mit einem Bericht in einer Lokalzeitung. Am 10. Februar 2001 wurde der 1. Cache im Estland versteckt - etwa drei Monate nach Germany's First.  Die damalige Website geopeitus.ee ist noch immer aktiv und aktuell. Die damals gelisteten Caches werden heute immer noch vom Team der Owner „www.geopeitus.ee“ betreut und sind auf GC.com übertragen worden. Ohne die Handvoll engagierter Cacher würde es diese alten Caches vielleicht nicht mehr geben.




Samstag, 19. September 2015

Balti-Tour 2015: Mega Riga Power Trail

Das 1. MEGA-Event in Riga scheint gemütlich und überschaubar gewesen zu sein. Weniger als 350 Cacherteams haben im Juli 2013 für das MEGA RIGA 2013 ihr „Attended“ geloggt. Riga und die baltischen Staaten liegen doch etwas abseits von den Cacherhochburgen.
Beim Mega Riga 2014 im Folgejahr waren es dann nur 164 Teams die ihre Teilnahme loggten. Das sind Teilnehmerzahlen, die in Deutschland mitunter schon bei einem normalen Event erreicht werden.

Dabei hatten sich die lettischen Organisatoren schon 2013 solche Mühe gegeben, um ein interessantes Programm anzubieten: Vom Flash Mob bis zur Kletterwand, Konzerte, Fahrrad-Events, diverse Wettbewerbe, CITO und vieles andere mehr wurden in den drei Tagen angeboten. Und die Stadt selbst, 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt und 2014 als Kulturhauptstadt Europas gewürdigt, hat ja auch einiges zu bieten.

Ein Highlight der MEGA-Events war sicher auch ein Powertrail mit über 200 Caches in einem nahegelegenen Wald. Jeder Cache wurde einem lettischen Geocacher gewidmet und damit wollte Kagis, als Owner der Runde auch die Erinnerung an das MEGA-Event wach halten. Ein ausgelegtes „Field of Fame“, wo man sicher auch gerne mal seinen eigenen Cache sucht.
Vom Parkplatz aus führen zwei große Schleifen mit 97 und 116 ausgelegten Caches durch ein einsames Waldgebiet. Das Waldgebiet scheint aber der steigenden Zahl lettischer Geocacher nicht gewachsen zu sein, denn an anderer Stelle wurde 2015 ein zuusätzlicher Powertrail mit über 70 weiteren Petlingen ausgelegt.

Nach Riga zu fliegen und die baltischen Länder zu bereisen nur um Power-Runden abzufahren wäre wohl etwas einschichtig. Aber zumindest einen Tag für eine längere Wanderung durch die Wäder Lettlands, das war eingeplant. Dafür habe ich mir die westliche Schleife des Powertrails ausgeguckt und vorbereitet.

Von unserer Relaisstation unweit des Flughafens bis zum Startpunkt in Upesciems waren es nur knapp 25 km Fahrt. Was ich nicht bedacht hatte war die notwendige Durchquerung von Riga. Weil von den zwei Millionen Letten rund 700.000 allein in Riga wohnen, wurde aus der morgendlichen Anfahrt bei der Stadtdurquerung ein mühsames Stop and Go. Nach fast 90 Minuten für die kurze Strecke waren wir schon weit unserem Zeiplan hinterher.

Enttäuschend verlief auch der Beginn unserer Tour: Beim ersten Dutzend der Caches waren die Petlinge aus der Halterung verschwunden, nur noch beschädigte Halterungen vorhanden oder es fehlte Petling und Halterung. Sollte sich das abseits der Straße auch im Wald so fortsetzen? Dann wäre es zumindest eine interessante Wanderung mit magerer Cache-Ausbeute geworden. Das entspräche zwar nicht den Erwartungen, aber damit könnte man auch leben.


„ If a container is lost but you find the support, you are free to log it as found but please add a Needs Maintenance log so that I know which ones to visit and repair.“ So hatte es der Owner bereits in der Beschreibung des Treils beschrieben und im Gegensatz zu meinen sonstigen Log-Gepfligenheiten (Name im Logbuch = Cache gefunden) habe ich mich daran gehalten. Ohne Petling und ohne Support war ein DNF, Support mit Nachweisfoto ein Found.

Kaum der Zivilisation und den letzten Häusern entkommen wurde es besser. Trotz 700 und mehr Cachern, die zumindest die Caches auf dem von uns bewanderten Trail bereits loggten, waren sie gepflegt und in gutem Zustand. Fast alle auf Greifhöhe in Bäumen befestigt. Seniorengercht, denn Bücken musste man sich auf der ganzen Runde kaum. 
Manch einer scheint aber das Listing nicht genau durchgelesen zu haben. „Although almost all caches are next to a forest road you should be very careful if you are not driving a 4x4 - some of the roads are very sandy, others can turn into mud rivers, there is the occasional ditch that runs across the road." 

Die anfangs guten Forstwege mutierten unterwegs zu tiefen und weichen sandigen Pisten, die ich selbst mit einem Fahrrad nicht abradeln wollte. Und so häufen sich in den Logs die originellen Fotos von festgefahrenen Autos und den Bemühungen sie durch Schieben, Rausziehen, Ausgraben oder Unterlegen von Ästen wieder flott zu bekommen.

Dieses Problem blieb uns erspart, obwohl eine längere Wanderung über weiche Sandwege auch ganz schön anstrengend sein kann. Auf dem mageren Boden wachsen hauptsächlich Kiefern und Birken. Büsche und dichtes Unterholz wird man vergebens suchen. Vergeblich aber auch die Suche nach einer Bank, die zu einer gemütlichen Pause einlädt. Bei sonnigem Herbstwetter war es eine Genusswanderung, immer wieder unterbrochen von der kurzen Suche nach einem Petling. Auf der ganzen Tour haben wir nur fünf einsame Beerensammler gesehen. Aber zu einer überraschenden Begegnung ist es trotzdem gekommen.

Der einzige Cacher in den baltischen Staaten, zu dem ich Kontakt hatte, war Sandrius aus Litauen, der nahe seinem Wohnort Panevezys, knapp 200 km weiter südlich auf der aufgelassenen Schmalspurtrasse seinen Trail ausgelegt hatte. Ihn hatte ich vor der Reise mit ein paar Fragen kontaktiert. Wir freuten uns, als wir nach ein paar Stunden zwei Cacher trafen, die mit dem Fahrrad die Runde entgegengesetzt abgefahren sind.
Bei der etwas holprigen Plauderei in Englisch stellte es sich dann heraus, dass es sich um eben diesen Sandrius handelt, der ein paar Tage Urlaub im Nachbarland machte. Die Welt ist schon klein!



Wenn das Wetter auch noch so schön zum Wandern und die Wegführung durch den Wald auch noch so interessant und abwechslungsreich ist, irgendwann sehnt man sich dann auch nach dem Tagesziel.. Umso mehr, als die letzten Kilometer - zurück in die Zivilisation - nicht mehr so überwältigend waren. Nach 23,2 km und etwas weniger als acht Stunden waren wir wieder bei unserem Cachemobil am Parkplatz angelangt. Etwas müde zwar, aber voll von den Eindrücken, die wir heute in uns aufgesaugt haben.

Die Rückfahrt zu unserer Relais-Station ging um diese Zeit dann auch etwas flotter über die Bühne.


Dienstag, 15. September 2015

Balti-Tour 2015: Bushwhacking in Litauen

Wenn im Listing eines Caches in den USA „Bushwhacking“ steht, dann muss man sich auf verwachsene Wege, schwer durchdringbares Unterholz, dornenreiche Büsche und ähnliches einstellen. Ein „Bushwhacker“ d.h. ein Buschmesser oder eine Machete sind zwar nicht erforderlich, aber kurzbehost und mit dünnem T-Shirt sollte man so eine Runde lieber nicht angehen.

Sandrius, der Owner des NGRPJ - Powertrails in Litauen hat das Listing für die Wanderung auf der aufgelassenenen Trasse der Schmalspurbahn immerhin mit den Attributen „nicht Rollstuhltauglich“, „nicht im Winter“ und „Dornen“ ausgestattet und wenn man die Fotos in der Galerie der einzelnen Caches betrachtet, dann weiß man auch, was einem erwartet.

Listing Foto by Sandrius - So sieht es heute nicht mehr aus
Rund 160 km lang ist das Streckennetz der Schmalspurbahnen in Litauen. 1891 begann dort die Eisenbahngeschichte und schon 1899 wurde Panevezys, auf halber Strecke zwischen Riga in Lettland und der litauischen Hauptstadt Vilnius gelegen, an das Streckennetz angeschlossen.

Statt der bei uns üblichen Spurweite von 1.435 mm hatte man aus Kostengründen eine Schmalspur von 750 mm gewählt und Schritt für Schritt bzw. Schwelle für Schwelle das Streckennetz ausgebaut. Die Kosten für eine Schmalspurbahn betrugen nur rund 1/8 der Kosten für eine Normalspur, unter anderem weil der Rollwiderstand in Gleisbögen geringer ist und damit engere Kurvenradien realisiert werden können.

Als im 1. Weltkrieg Deutschland das Land besetzte, baute das Deutsche Reich aus Gründen der militärischen Infrastruktur weitere Strecken - allerdings mit einer Spurweite von 600 mm. Diese Strecken wurden in der kurzen Zeit der Unabhängigkeit Litauens von 1920 - 1938 auf 750 mm Spurweite umgebaut.

Heute sind in Litauen nur noch weniger als 70 km Strecke im Betrieb. Wo früher Güterzüge mit Quarzsand, Ziegel, Getreide oder Heizöl entlang tuckerten, da fahren heute haupsächlich noch Museumszüge.

Für die 36 km langen Strecke von Panevezys nach Joniskelis mit fünf Haltestellen brauchte der Zug 1:23 h und bei mehr als 11 Kesselwagen für den Heizöltransport musste eine 2. Lokomotive angekuppelt werden. Bei einer Konferenz wurde 1993 dann festgestellt, dass die hölzernen Schwellen teilweise verrottet und der technische Zustand der Strecke kritisch ist. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 15 km/Std. allein war es nicht getan und so wurde diese Strecke stillgelegt.

Als Nationales Kulturerbe wird die Strecke heute von fünf Mitarbeitern mehr schlecht als recht betreut. Gegen den Diebstahl von mitunter ganzen Gleisabschnitten sind sie ziemlich machtlos. Die sieben Brücken sind in einem miserablen Zustand. Da brechen schon mal Bohlen durch und Teile fallen nach unten. Mitunter auch Wanderer, so wie Anfang Juli 2015 ein 73-jähriger Mann, der acht Meter von der Eisenbahnbrücke Mazupe stürzte. Das war tödlich.

Vom Bahnhof Panevezys bis nach Mikoliskis, etwas mehr als der Hälfte der Strecke bis zur früheren Endstation in Joniskelis hat Sandrius den Powertrail NGRPJ ausgelegt. 102 Caches gibt es auf der etwa 25 km langen verwilderten und verwachsenen Trasse der Bahn zu finden. Das kann man nur abwandern, denn auch mit einem Fahrrad kommt man nicht durch. Diese anstrengende Wanderung ist vielleicht auch der Grund, warum in mehr als einem Jahr kaum mehr als 60 - 80 Funde geloggt wurden.

Wir haben unser Cachemobil am Bahnhof in Panevezys abgestellt und wollten mit einem Taxi zu unseren Einstiegspunkt fahren und dann zum Bahnhof zurück wandern. Die ganze Strecke wollten wir nicht ablaufen. Das wäre in dieser Jahreszeit auch schlecht möglich meinte Sandrius, den ich per e-mail kontaktierte und der uns auch einige Telefonnummern für Taxis aufgab.

Am neuen Bahnhof in Panevezys stehen nämlich keine. Das ist auch nicht verwunderlich, da pro Woche nur fünf Personenzüge ankommen. Mit dem ersten Anruf hatten wir Pech. Die waren auf Vilnius spezialisiert und auf die versprochene SMS mit Kennzeichen und Fahrername würden wir wohl noch heute warten. Auch der 2. Versuch scheiterte, aber nach fast einer Stunde waren wir mit # 3 erfolgreich. Der Fahrer, ein brummeliger Bär, sprach zwar auch Russisch, aber das konnten wir wiederum nicht. So wurde er mit dem GPS zum Startpunkt unserer Streckenwanderung gelotst. Selten habe ich bisher so ein erstauntes Gesicht gesehen, als wir auf einer sandigen Nebenstraße „in the middle of nowhere“ aussteigen wollten.

Um 13:20 h ging es dann entlich los. Schwellen oder Gleise waren mitunter überhaupt nicht mehr zu erkennen. Die Natur hat die Trasse zurück erobert und bauchhohes Gras, dichtes auch zwischen den Schwellen wachsendes Buschwerk machten jeden Schritt zum Abenteuer. Man musste aufpassen, nicht über die darunter verborgenen Gleise zu stolpern. Die Caches waren zwar fair versteckt, aber bei jedem einzelnen Cache musste die höher gelegene Trasse verlassen und im noch dichteren Unterholz ein paar Meter tiefer gelegen mühsam ein Zugang zum versteckten Döschen gesucht werden. Bei so wenig Cachern gibt es halt keine ausgetretenen Trails.

Dann kam der Regen! Erst leicht nieselnd, dann etwas kräftiger und bei dem Sonnenschein am Start lag die Regenjacke gut verstaut im Auto am Bahnhof. Gegen Ende und schon nahe der Zivilisation dann ein Gewitterguss, der sich gewaschen hat. Glücklicherweise in der Nähe einer Tankstelle, wo wir bei einem Kaffee das Ende des Wolkenbruchs abwarten konnten. 


Nach 10,2 Kilometer und gefundenen 35 Caches waren wir nach über fünf Stunden am Ziel, dem alten Bahnhof von Penevezys bei unserem Cachemobil angelangt und mit diesem Trail statt einem schnellen Drive-In-Cache irgendwo am Straßenrand der Via Baltica ist nun auch Litauen auf der Karte erinnerungswürdig eingefärbt.

Donnerstag, 6. August 2015

362 Found Logs in zwei Tagen - Wie machst Du denn das ?



Hallo Nachbar,

ich kenne Dich nicht persönlich, aber Du stehst mir trotzdem nahe!
Zwar nicht als Mensch oder geographischer Nachbar, denn nach NRW ist es aus der Kurpfalz, wo ich zu Hause bin, ein ganz schöner Weg. Die Nähe zu Dir hat ihren Grund in www.cacherstats.com und dem Ranking für Geocacher in Germany.

Das ist die Statistik, die ich ab und zu anschaue, um persönlich bekannte Caching-Buddies mit ähnlichen Caching-Vorlieben wie ich selbst, zu verfolgen. Da kann man bein Anklicken auf „Current Stats“ dann gegenüber dem letzten Update sehen, ob und - über das Profil auch - wo sie unterwegs waren. Gibt es neue Wanderrunden, die der andere entdeckt und man selbst übersehen hat und sind deren Logs einladend, um die Runde auf die to-do-Liste zu setzen.

Kurz: Es geht um Anregungen und weniger um Rangzahlen. Bei der Vielzahl der Drive-In Runden, die mit dem Auto abgefahren werden können, ist die Fundzahl ja auch schon lange kein Kriterium mehr, ob jemand ein „bemerkenswerter“ Cacher ist. Wenn jemand seinen Spaß an dieser Art der Dosensuche hat, dann soll er seinen Spaß haben. Es schadet ja keinen und auch ich habe mir schon einen Powertrail von über 150 Dosen abgefahrenen Dosen geleistet. Das war eine Erfahrung vor einigen Jahren, die mich nicht vom Hocker gerissen hat und als Experiment wird sie wohl einmalig bleiben.

In dieser Statistik bist Du mir nahe.
Seit April 2010 - in weniger als 5 1/2 Jahren hast Du mit aktuell 17707 sogar mehr Caches als gefunden geloggt, wie ich in fast 11 Jahren. Und ich dachte immer, ich wäre ein exzessiver Cacher. Dabei fast 6.900 Funde von Dir in einem einzigen Jahr oder umgerechnet jeden Monat vom Januar bis Dezember 575 Funde, das ist schon eine andere Liga als die, in der ich unterwegs bin. Und dabei warst Du nicht einmal am ET-Highway, Route 66 oder einer sonstigen Einsammeltour in den USA unterwegs. Für die USA zeigt Deine Statistik ja nur 29 Funde.

Dafür hast Du aber mit 1.552 Cache-Funde in Norwegen richtig zugeschlagen. 
Hrafn hat zu Logs deutscher Cacher im November 2014 im Forum folgendes gepostet:

"Hallo alle zusammen ,
in letzter Zeit mehren sich bei uns in Norwegen die Logs von deutschen Cachern ( Die Esels , BriscowMac83 , bcas008 , Lemmer und einige mehr ) , die nie im Logbuch vor Ort unterschrieben haben und dabei abenteuerliche Strecken an einem Tag zurueckgelegt haben wollen , die selbst fuer Einheimische nicht zu schaffen sind . Manche Logs werden ueber 2 Jahre zurueckdatiert und auch archivierte Cache werden geloggt , wo schon seit langer Zeit keine Dose mehr vor Ort ist . Auf Anfragen unsererseits kommt nie eine Reaktion .
Was bringt die Leute dazu wild querbeet zu loggen ? Ist es wirklich nur die Geilheit auf +1 im Zæhler , um dann spæter damit zu protzen ? Habt ihr diese Probleme in Deutschland auch ? Hier in Norwegen ist das ein neues Phænomen und betrifft auch nur deutsche Cacher , die teilweise ueber 20.000 Funde haben wollen."

Als ich diesen Beitrag vor kurzem erst gelesen hatte war ich richtig beruhigt, dass Dein Name in diesem Zusammenhang nicht genannt wurde. 

Heute habe ich wieder ins Ranking geschaut und da bist du mir, wie schon vor ein paar Wochen, erneut mit einem gewaltigen Sprung an Funden aufgefallen. Vom letzten Update am 4. August bis zum 6. August ist Deine Fundzahl um 362 Caches angestiegen. So viele Funde in nur zwei Tagen! Wie schaffst Du das?

Seit dem 27. Juli zeigt Dein Profil nur einen einzigen Tradi-Fund. Wo sind denn alle anderen versteckt?
Da hattest Du ja vielleicht einen gewaltigen Nachlogbedarf, der jetzt nachgeholt wurde - nicht zum ersten Mal. Wenn man Tradis als Deine hauptsächlich gesuchten Caches nimmt, dann kommen, gerechnet ab Anfang Juli, gerade mal 240 Funde zusammen. Liegen die anderen Funde noch weiter zurück?

An eine der von Dir geloggte Serien, die Speller Fahrrad Runde (GC4AD5Y) kann ich mich gut erinnern. Die bin vor zwei Jahren abgeradelt. Du warst da sicher nicht allein unterwegs, denn die Details dieser 43 „Premium Member Only caches“ wären Dir als einfaches „Member“ verborgen geblieben.
Am gleichen Tag waren nur zwei andere Cacher auf dieser Runde unterwegs und Eure drei Namen findet man bei allen Logs am 20. Juli auf dieser und auf anderen Runden meist hintereinander. Einer von der Truppe wird wohl Premium Member sein und das wäre ja die Erklärung, warum Du diese Caches suchen und finden konntest.

Bis auf Deinen einzeiligen Log - da unterscheiden sich die anderen zwei wohltuend mit ausführlicheren Logs - gibt es aber keinen Hinweis auf Dich. Der eine erwähnt nur den anderen als Mitcacher und der andere, den ich als netten Cacher auf einer Tour - bei meinem erwähnten Power-Trail - getroffen habe, der erwähnt namentlich auch nur den anderen. Er - und nur er - erwähnt ein „Teammitglied ?“. Solltest du das gewesen sein? Und warum wird Dein Name nicht erwähnt und Du selbst erwähntst auch nicht die anderen Teammitglieder, was ja schon die Höflichkeit gebieten würde?

Das Fragezeichen würde mich dann schon etwas ärgern, denn Du scheinst ja ein sozialer Typ zu sein: 212 Events bisher, das sind mehr als 3 Events pro Monat! Da sollte man Dich doch eigentlich kennen und Dich nicht hinter einem “?“ verstecken.

In einem Log steht etwas von der Reise entlang der Autobahn und einiger teils inaktiver Trails in NRW und Niedersachsen auf der Tour mit knapp 800 km und gefundenen ca.175 Dosen. Wenn Du bei dieser Tour dabei warst, wofür ja die hintereinander liegenden Logs sprechen, dann bleiben ja zu den 362 geloggten immer noch viele offen. 

Gibt es Funde bei den archivierten Caches, die man mit älterem Datum nachloggen kann und die ich nicht gefunden habe? Und steht Dein Name auf den Logstreifen auf einem vorbereiteten Aufkleber oder hast du Dich sogar selbst eingetragen? 

Mir wird Deine Statistik ein Geheimnis bleiben. Aber damit kannst Du sicher gut leben.

Auf weiterhin gute Nachbarschaft im „Ranking“, obwohl ich davon ausgehe, dass bei Deinen Logmethoden die Nachbarschaft bald ein Ende hat, womit auch ich gut leben kann.

Happy Caching
Albatross1901







 







Freitag, 12. Dezember 2014

GC 40 - Europas ältester aktiver Cache

Da liegt er also!
Kaum 10 Meter von der wenig befahrenen Landstraße N 835 entfernt, unter Holzscheiten und Wurzelresten in einem Buchenwald der belgischen Ardennen. Das ist also, der  GC 40 Geocache, der älteste aktive Cache in Europa, versteckt am 7. Juli 2000 und seitdem ununterbrochen aktiv.

3.568 Mal wurde er bisher gefunden, 1.440 Bilder wurden hochgeladen und 1.305 Favoritenpunkte verteilt. Ich gehöre seit einigen Tagen auch zu allen drei Kategorien.

Der Behälter, bunt bemalt mit dem Logo, der GC-Nummer, Auslegedatum und dem Ownernamen Speerpunt schmücken die relativ neue Munitionskiste. Das ist sicher nicht der Originalbehälter aus dem Jahr 2000.

Speerpunkt der Adoptivvater von GC40
Foto aus seiner Fotogallerie
Dem sympathisch aussehenden belgischen Cacher Speerpunt ist es durch seine Adoption des Caches zu verdanken, dass dieser historische Cache erhalten blieb.

Als vom Geocoin-Event in Köln aus ganze Charterbusse voll mit Geocachern sich zu einer 5-Länder-Tour auf den Weg machten und dabei auch den GC40 besuchten, da stand Speerpunt bereits erwartungsfroh am Versteck zur Begrüßung der einfallenden Hundertschaften. Speerpunt, der Wald und der Cache haben den Ansturm überlebt und außer einem kleinen Pfad sieht man heute nur noch wenig Spuren.

Auf meiner Ardennen-Tour war ich von meiner Relais-Station in Libramont die knapp 40 Kilometer über die N89 und N95 nach Gedinne gefahren und dann auf die Straße durch den Wald abgebogen. Kaum Verkehr und kein Mensch weit und breit an diesem nasskalten nebligen Wintertag.

Am Konfluenzpunkt, dort wo sich exakt die virtuellen Linien von N 50 und E 005 schneiden, habe ich ihn gefunden. Viele Möglichkeiten gab es ja nicht und auch ohne die Fotos stolzer Finder in der Fotogallerie ist er nicht zu übersehen. Die 12 DNFs für den D/T 1,0/1,0 Cache müssen wohl aus der Anfangszeit des Geocachens stammen. Nachgeprüft habe ich das nicht, denn durch alle Logs durchscrollen, das war mir dann doch zu zeitaufwändig und zu mühsam.

Vor Ort war es ein ähnlich erhebendes Gefühl an diesem Uraltcache zu stehen, wie damals beim "Tunnel of Light" , dem letzten – seit 2011 archivierten - APE-Cache am Snoqualmie Pass in Washington. Auch bei der am Versteck des allerersten Caches angebrachten  Original Stash Tribute Plaque in Oregon stand ich ähnlich beeindruckt und sogar etwas ergriffen vor diesem ganz speziellen Cache. 

Wie hat sich doch in weniger als 15 Jahren die Stash-Hunt entwickelt. Nicht immer zum Besten, aber wie er seinen Sport oder sein Hobby ausübt, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden und seine eigenen Ziele definieren.

Der GC40 habe ich als letztes Highlight dieses Jahres geplant und in eine Tour in die Ardennen eingebunden.

Auf der Anreise am Vortrag fand ich bei der Vorbereitung eine Wanderrunde von etwa 7,5 km bei Leglise im Bois des PendusEtwas Auslauf nach der längeren Autofahrt tut immer gut.

Nach dem GC40 am frühen Vormittag war ich auf dem Rückweg entlang des Le ruisseau de Pont le prêtre unterwegs. Eine schöne abwechslungsreiche Wegführung auf Forststraßen und Waldwegen und entlang des Baches, so richtig typisch, so wie ich mir die Ardennen vorgestellt habe. Das Wetter spielte mit und es war zwar kalt, aber trocken. 8, 3 km bei 247 Höhenmetern waren in knapp drei Stunden gemütlich zu bewältigem.

Weniger gemütlich ging es dann bei der Wanderrunde  Sanglochongs am späteren Nachmittag zu. Eine Wanderung von 7,1 km durch Wald und Flur, etwas weniger beeindruckend als die 1. Tour. Auf halber Strecke fing es kräftig zu regnen an und als ich nach 2:20 h wieder an meinem Cachemobil ankam, war ich ziemlich nass und durchgefroren.

Der einsetzende Schnee ist bis zum nächsten Vormittag geschmolzen und so konnte ich auf der Rückfahrt in Luxemburg bei manchmal sogar herausblitzender Sonne durch das Naturreservat Haard bei Dudelange wandern.  Hier haben Daddi&Bien ihre Haard Runde ausgelegt. Auf der 9 km langen Runde liegen nahe dem Weg leicht versteckte 21 Caches. Radfahrer werden sich über den 1. Teil der Runde freuen und beim 2. Teil eine Überraschung erleben. Da geht es auf schmalen Pfaden und über Treppen dem Final entgegen. Beeindruckend zu sehen, wie sich die Natur im Laufe der Jahre das ehemalige Eisenerzabbaugebiet zurückerobert.


Eine schöne Jahresabschlussfahrt war meine Tour nach Belgien und Luxemburg und zu einer anderen Jahreszeit und ohne Temperaturen um den Gefrierpunkt, bei nassem und kalten Wetter müssen die Wanderungen noch schöner sein. 
Die Gegend hat viel Schönes zu bieten und in 2015 …. Schau ma mal!

Sonntag, 26. Oktober 2014

10 Years after

Der 24. Oktober 2004 war ein sonniger kühler Herbsttag, als ich mich,  bewaffnet mit einem Screenshot von einem Kartenauszug von MagicMaps Baden-Württemberg, erwartungsvoll auf den Weg machte. Ein paar Tage zuvor bin ich beim Googeln zu Navigationsfragen zufällig auf  „Geocaching“ gestossen und hatte mich bei dem Thema festgebissen.
Jetzt war ich neugierig auf  der Suche von meinem allerersten Geocache.
Eine große Auswahl hatte ich ja nicht, denn in der Nähe waren gerade mal zwei Caches angezeigt worden und auf den nächsten 15 Kilometer Luftlinie war tote Hose und nichts zu finden.  Ich war schon ziemlich aufgeregt, als ich mit der Karte in der Hand im Wald den Hang hochkletterte und mein markiertes Zielgebiet absuchte. Nichts war zu finden und schon wollte ich enttäuscht abdrehen, als ich den ausgebleichten Schädel eines Tieres an einem Busch sah und bei näherer Untersuchung dann auch die etwas versteckt liegende Dose.
Logfoto Sumpfschnorchler 

Der Schädel liegt immer noch dort. Über die Jahre hat er durch die Witterung ziemlich gelitten, ist vermodert und teilweise zerfallen. Ähnlich wie die Dose und das zerfledderte Logbuch vom Cache GCGBK0 Mosbach Nr. 2wenn man den Logs der letzten Finder Glauben schenken kann. Aber er existiert seit Ende September 2003 immer noch, 11 Jahre nach dem Auslegen und 10 Jahre nach meinem Fund.
Das ist bemerkenswert, denn von den 15.667 Caches, die ich in den letzten 10 Jahren gesucht und gefunden habe sind bereits 6.407 schon wieder archiviert. Das sind immerhin fast 41 %. Manche Caches werden heute anscheinend nur noch für einen begrenzten Zeitraum ausgelegt.

Viel hat sich geändert in den vergangenen 10 Jahren. Man muss die Veränderungen hinnehmen, ohne über die „guten alten Zeiten“ zu lamentieren und bei seiner Auswahl der zu suchenden Dosen oder Runden eben die wählen, die am ehestens den eigenen Vorstellungen entsprechen.

In den Anfangsjahren gab es nur „Regular“ zu finden. Filmdosen oder Petlinge wurden noch nicht ausgelegt und schon gar nicht im Wald. Heute muss man froh sein, bei all den Micros auch einmal einen Cache zu finden, wo man einen TB oder eine Coin wieder ablegen kann.

Geocaching war eine geheimnisvolle Beschäftigung, bei der man extrem darauf achtete, von niemanden gesehen oder als Geocacher wahrgenommen zu werden. Die Gefahr war allerdings gering, denn in der Öffentlichkeit war dieses Hobby noch völlig unbekannt. Man lernte im Laufe der Zeit die Cacher der näheren Umgebung bei Events mit 10 – 15 Teilnehmern kennen und verfolgte ihre Logs, tauschte Logbücher auch bei fremden Caches aus und reparierte auch beschädigte Caches fremder Owner.  

Dann wurde mehr und mehr - auch mit Unterstützung mancher Cacher - in den Medien über Geocaching berichtet und aus der kleinen verschworenen Truppe wurde eine kopfmäßig immer stärkere Bewegung und später eine Trendsportart. Eine Kommerzialisierung griff um sich und wo man früher liebevoll Cachebehälter und Logbücher selbst gebastelt hatte, da entstanden online Shops, wo man fertig konfektionierte Logbücher und durchaus originelle Cachebehältnisse kaufen konnte. Es gab bald „Lehrbücher“ zu Geocaching und die amüsant zu lesenden Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers wurden zu einem Bestseller.

Auch die Locations wurden uninteressanter. Wo es früher das Bestreben war, dem Anderen einen interessanten Ort zu zeigen, da wurden die Döschen mehr und mehr lieblos in der Gegend verstreut.

Die größte Veränderung brachten aber die Geocaching Apps für Smartphones. Musste man bis dahin ein nicht gerade billiges GPSr erwerben, um auf die Suche nach der Tupperdose zu gehen, so war man jetzt mit ein paar Euro dabei und konnte mal ausprobieren.
Das mobilisierte Freizeitsucher, die mitunter ohne Respekt vor Naturschutzgebieten und der Natur durch die Wälder hasteten um herauszufinden, welchen Kick man bekommt, wenn man einen Cache findet. Die Beschwerden über volle Logstreifen und die Forderung, dass der Cacheowner sie schleunigst ersetzen soll, sind noch amüsant; die zerfledderten Moospolster an allen Baumstümpfen in großem Umkreis weniger.
Viele von ihnen haben es bald wieder aufgegeben und das ist auch gut so. Aber auch viele von den „Alten“ haben sich einem anderen Hobby zugewandt und die vermisst man.

Nach 10 Jahren bin ich immer noch dabei und verbinde Wandern mit Cachen, wobei ich das eine wohl kaum ohne das andere tun würde. Ich bin aber selektiver geworden und mich muß schon die Gegend überzeugen und die Runde reizen. Ein Blick auf das Ownerprofil und die bisherigen Logs, möglichst von Cachern, deren Art zu cachen ich schätze, folgt  und wenn ich dann überzeugt bin, dann wird das „Roadbook“ erstellt, bevor es irgendwann dann raus geht.

Auch, wenn sich Manches geändert hat – man findet sie noch, die schönen Runden, die einem dann im Gedächtnis haften bleiben, so wie meine Jubiläumsrunde mit meinem Cachingbuddy geomarcus. Mit ihm bin ich am 24.10.2014 – 10 years after – die16 km lange Operation Secret im Elsass abgewandert und wir haben bei unserer 5-stündigen Tour mehr Döschen gefunden als in den ersten sechs Monaten meiner Karriere als Geocacher. 
Die Zeiten ändern sich halt!

Dienstag, 9. September 2014

Wenn Grenzstationen zu Lost Places werden

„From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic an Iron Curtain has descended across the Continent“  formulierte Winston Churchill Anfang März 1946 um die Abschottung des Ostblocks gegenüber dem Westen zu erklären.

Gegenüber dem Westen wurden Grenzbefestigungen errichtet und im Laufe der Jahre ausgebaut, die je nach Standort mit Sperrzonen, Minenfeldern, Hundelauf-Anlagen, Schießbefehlen und zeitweise Selbstschussanlagen, Flüchtlinge von einer Grenzüberschreitung in den Westen abhalten sollten. Dieser Eiserne Vorhang zerstörte nachbarschaftliche Beziehungen und wirtschaftlich wurde die Region auf beiden Seiten des Vorhangs zu einer toten Grenze. Betriebe und als Folge viele Bewohner wanderten ab oder wurden zwangsweise umgesiedelt.

Am 19. August 1989 wurde mit dem Einverständnis der Regierungen von Österreich und Ungarn beim „Paneuropäischen Picknick“ das Grenztor symbolisch geöffnet. So wie 1956, nach dem ungarischen Volksaufstand, 70.000 Ungarn allein über die Brücke von Andau nach Österreich flüchteten, so machten sich etwa 50.000 Bürger der DDR über die österreich-ungarische Grenze auf den Weg in den Westen. Das war der Beginn vom Ende des unseligen 8.500 km langen Eisernen Vorhangs


Heute, nach 15 Jahren, hat man beim Grenzübertritt von Österreich in die Slowakei kein mulmiges Gefühl mehr. 2004 ist die Slowakei der EU beigetreten, 2007 wurden gemäß dem Schengen-Abkommen die Grenzkontrollen aufgehoben und seit 2009 ist der EURO das amtliche Zahlungsmittel.

Wenn es die langsam verrottenden Grenzkontrollanlagen an den Straßen nicht gäbe, dann würde man den Grenzübertritt kaum bemerken. So gammeln und rosten die Abfertigungsgebäude vor sich hin, die Fenster sind zersplittert und die teilweise noch vorhandenen Möbel zerschlagen. Wahre „Lost Places“, an denen der Verkehr mit einem kleinen Schlenker der Straße vorbeigeführt wird  Nur durch das  MEGA-Event Slovak GeoAwards 2014“ gab es an der Grenzstation etwas Besucherverkehr, denn den Lost Place – Border wollten sich manche doch nicht entgehen lassen.

Borderline heißt ein Powertrail mit 34 Caches, der sich entlang der slowakisch-österreichischen Grenze entlang zieht. In der Nähe der # 1 an der Donau gibt es den Fullfilled Dreamwo es im Gestrüpp noch verostete Stacheldrahtreste gibt, in denen auch die Dose versteckt ist. Auf einem Felsbrocken in der Nähe, mit Blick auf die träge dahin fließende Donau, kann man darüber sinnieren, wie froh und glücklich die Menschen wohl über den Fall dieser Grenze waren.

Meine Tour mit dem 21 Zoll Klapprad begann direkt an der aufgelassenen Grenzstation bei Borderline # 9
Auf gut ausgebauten Feldwegen ging es knapp 24 Kilometer der Grenze entlang, bei der man je nach Straßenzustand mitunter auch auf die österreichische Seite und wieder zurück wechselte. Die Maisfelder in Österreich und in der Slowakei unterscheiden sich nicht voneinander und nur die Grenzsteine und die angerosteten Hiweisschilder auf die Staatsgrenze, die alle paar Hundert Meter noch stehen, erinnern an die Grenze.

Es ist schon ein gutes Gefühl mitzuereleben, wie Europa zusammenwächst und wie problemlos sich Geocacher aus der Slowakei, Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und auch Deutschland und einigen anderen Ländern bei einem Mega-Event mit rund 1.200 Teilnehmern zusammenfinden können. 

Montag, 25. August 2014

Die Sachsen, die sind helle!

Ein paar Hundert Geocacher haben am 16. August 2014, vom Gelände des GIGA-Events im Olmypiastadion München aus, den Aufstieg auf den Olympiaberg gemacht, um die Einweihung vom  1. Münchner Geodätischen Referenzpunkt mitzuerleben. Den Staatssekretär Hintersberger und den Präsidenten des LDBV Dr. K. Aringer wird diese Resonanz gefreut und sie darüber weggetröstet haben, dass sie beim einsetzenden Platzregen wahrscheinlich ziemlich nass geworden sind.

Auf andere Art nass geworden ist wohl der sächsische Innenminister M. Ulbig und der Geschäftsführer des Staatstriebs Geobasisinformation und Vermessung Sachsen Dr. W. Haupt bei der Einweihung des geodätischen Referenzpunktes im Innenhof des  Geländes der GeoSN in Dresden.
„Diese Station bietet einen amtlichen Service, damit in Sachsen die Richtung stimmt.“ und damit meinte Innenminister Ulbig als Zielgruppe Wanderer, Kletterer, Fahrradfahrer und auch Geo-Catcher (Original-Schreibweise aus der Pressemitteilung) 
Woran man allerdings bei der Einweihung nicht gedacht hat, war eine wie auch immer geartete Einladung an die lokale Geocacher-Community und so scheint dieses Einweihung im Gegensatz zum Münchner Olympiaberg eine etwas einsame Veranstaltung ohne allzu viel Publikum gewesen zu sein.

Sollten die Sachsen vielleicht gar nicht so helle sein?

Der Ministerpräsident des Landes hat in einer Neujahrsansprache behauptet: „Die Sachsen sind helle, fleißig und sparsam. Unser Sachsen ist innovativ ..“
Das innovative sächsische Potential hat nicht nur die sächsische Hausfrau Melitta Bentz bewiesen, die 1908 den Kaffeefilter erfand. Innovativ ist auch der sächsische Geocacher Laufkaefer, der sich hinter dem schönen Namen „Souvenirfee“ versteckt hat mit X Geocacher betrachten einen GPS-Referenpunkt
und der für den 27. August 2014 zu einen gleich multi-funktionalen Event-Cache einlädt.

Am Standort des Geodätischen Referenzpunktes in Dresden liegt an diesem Tag von 17:00 bis 19:00 Uhr das Logbuch aus. Und „der geneigte Statistik-Cacher wird zudem feststellen, das (Original-Schreibweise aus dem Listing) hier zufällig noch ein paar weitere Fliegen mit derselben Klappe geschlagen werden können“.

Das August-Event-Souvenir
Wer seine sechs Caches für das 7. Souvenir von Groundspeak bisher noch nicht geschafft haben sollte, der loggt mit dem Event den „Socializer“ und damit vielleicht das letzte fehlende Teilstück zum „Achiever“.

Ein Event mit X
Irgendwann kommt die Event-ABC-Challenge – wie bereits existierende ABC-Challenges – und da scheint es schon vorteilhaft, einen seltenen Buchstaben in Reserve zu haben

Eine der selteneren D/TKombis
Da setzt man die D/T Wertung des Events von den üblichen 1,0 – 2,0 bei einem Treffen an einem weithin sichtbaren Steinquader in einem Innenhof auf beeindruckende 4,5/3,5 und schon hat mein ein außergewöhnliches Event, bei dem „die Anmeldezahlen die wildesten Erwartungen übertreffen“.

Es gibt ja auch nur 311 aktive Caches – etwa 0,1 % von allen - mit dieser D/T-Kombination in Deutschland. 255 sind Mysteries, 41 Multis und 11 Tradis. Letterboxen und WhereIGo sind mit jeweils zwei vertreten … und dann gibt es eben noch das Event in Dresden.

Nach den Guidelines entspricht D 4,5  einem schwierigen bis extrem schwierigen Cache. „Spezielle Fähigkeiten oder Kenntnisse und/oder sorgfältige Vorbereitung (sind) erforderlich, um den Cache zu finden. Es könnte mehrere Tag oder Anläufe kosten, um den Schatz zu heben“. kann man auf der deutschen Reviewer-Seite für D 4,0 nachlesen.
Und was die Terrain-Bewertung betrifft: Da scheint T 3,5 nur für erfahrene Outdoor-Enthusiasten zu sein. Es geht querfeldein und man muss auch mehr als 3 km (T3,0) oder weiter als 16 km (T4,0) gehen.

Mit dem GC591Q0 kommt man wirklich quick and easy zu dieser seltenen D/T-Kombination.

Die Sachsen sind schon helle und innovativ!
Aktuell werden 324 Teams beim Event den Innenhof stürmen, um sich dann auf die „Laber-Wiese“ zurückzuziehen, denn diesem Ansturm ist die Größe des Innenhofes nicht gewachsen.
Es könnten aber noch mehr Teilnehmer werden, denn von den nicht weit entfernten Bundesländern Sachsen-Anhalt (3 D/T 4,5/3,5 Caches), Brandenburg (6), Thüringen (10) und Berlin (6) ist der Weg nach Dresden für dieses multifunktionale Event nicht zu weit.


Die Werbetrommel für dieses Event habe ich mit diesem Blogbeitrag zumindest noch kräftig gerührt und mit diesem medialen Einsatz lässt man mich vielleicht aus Dankbarkeit sogar aus der Ferne mitloggen. 

Dienstag, 19. August 2014

1.300 Funde in nur zwei Tagen

Es muss schon ein besonderer Cache an einer außergewöhnlichen Location sein, wenn sich innerhalb von nur zwei Tagen über 1.300 Geocacher als erfolgreiche Finder ins Logbuch eintragen.
Schon allein von der „Loglogistik“ her ist das eine Herausforderung, denn um so viele Founds im Logbuch zu dokumentieren musste am 15. und 16. August 2014 an beiden Tagen über zehn Stunden lang im Minutentakt geloggt werden – und das bei mitunter heftigen Regenschauern.
Die bisher knapp 250 Favoritenpunkte zeigen aber auch, dass dieser Tradi etwas Besonderes ist. In nur zwei Tagen hat er es auf die Bookmarkliste von siggibär geschafft, der in seiner Liste etwa 450 Caches – etwa 1,4 % aller in Deutschland aktuell 325.000 aktiven Caches - mit jeweils über 200 Favoritenpunkten erfasst hat.

Aber der Tradi war auch ein Highlight bei einem außergewöhnlichen Ereignis: Project Munich2014 – Mia san Giga!, dem ersten GIGA Event weltweit, mit lt. Announcement vom 18.08.2014 des Orgateams 8.311 Teilnehmern aus 35 Ländern. Mit „Nachloggern“ könnten sogar 8.500 :Teilnehmer erreicht werden.

Als Owner des  GC54CNW 1. Münchner Geodätischer Referenzpunkt wird sich der Geometer und Geocacher noigez fichtenelch,  aktiv seit Januar 2008. über diese Resonanz freuen.Aber nicht nur er, denn dieser Cache ist der Bayerischen Vermessungsverwaltung (BVV) als Partner des GIGA-Events zu verdanken.

Am Gipfel des Olympiabergs wurde eine Dolomitstele aufgestellt auf deren Deckplatte die zentimetergenau amtlich ausgemessenen Koordinaten nach WGS84 und UTM und die Höhe eingraviert sind. Mit diesem Referenzpunkt kann man die Genauigkeit seines GPS oder seiner Smartphone-App überprüfen

1. Münchner Geodätischer Referenzpunkt am Gipfel des Olympiabergs
Foto copyright: Bayrische Vermessungsverwaltung

Geodätische Referenzpunkte sind in Bayern nichts Neues. Vor dem 1. Referenzpunkt in München gab es schon in zehn anderen Landkreisen Bayerns ähnliche Stelen und im Laufe der Zeit sollen alle bayrischen Landkreise mit einem Geodätischen Referenzpunkt ausgestattet werden. Was für eine tolle Idee einer Behörde, die doch Teil des Bayrischen Staatsministeriums der Finanzen ist.  Üblicherweise sind Finanzbehörden eher auf der einnehmenden und selten auf der gebenden Seite. 

Die Zuordnung des BVV zum Finanzministerium ist historisch bedingt. Nach dem Beginn der von Napoleon 1800 für militärische Zwecke initiierten Vermessung Bayerns kamen nach dem Abzug der Franzosen die Aktivitäten an der Herstellung einer genauen Karte des Landes zum Erliegen. Das 1801 vom späteren König Max I gegründete „Topographische Bureau“, das die Vermessung weiter verfolgte, hatte andere Ziele als Napoleon: Für eine „gerechte“ Besteuerung sollte das Land und alle Grundstücke genau erfasst werden. Und das ist auch der Grund, warum das BVV auch heute noch zur Finanzverwaltung gehört.

Zwischen München und Aufkirchen wurde eine Basislinie von 21,6 km Länge geschaffen, die eine mit heutigen modernen Instrumenten gemessene Genauigkeit hatte, die kaum vorstellbar ist: Nur 70 cm Abweichung auf die Gesamtstrecke waren eine Meisterleistung. Aber das ist eine andere Geschichte und über die  Basislinie der Bayern habe ich schon früher gepostet.


Am 16. August 2014 um 14:00 h wurde der 1. Geodätische Referenzpunkt in München vom Staatssekretär im Finanzministerium Johannes Hintersberger im Beisein einer wartenden Geocacher-Community enthüllt. Kurz danach setzte ein heftiger Schauer ein, was aber kaum einen davon abhielt, sich auch bei widrigen Bedingungen in das Logbuch einzutragen.

Anders als bei den bisherigen Referenzpunkten wurde eine mit zwei Nummernschlössern gesicherte Box in die Stele eingebaut, in der das „Gipfelbuch“ deponiert ist. Als ich mich am Eventtag gegen 18:00 h in einer Regenpause an den 60 m hohen Anstieg zum Gipfel machte, da war das Logbuch leider schon etwas zerfleddert. Bald dürfte dann nach 1.300 und weiteren Logs ein „Need maintenance“ mit der Bitte um Austausch folgen.

War schon der Referenzpunkt mit integriertem Cache eine für eine Behörde ungewöhnliche Idee, so wurde das während des Events noch weiter getoppt. Freundliche und sympathische Mitarbeiter erläuterten die an einem Stand vor dem Olympiastadium aufgebauten Vermessungsinstrumente. Tachymeter bis GNSS Empfänger wurden erläutert und demonstriert und Fragen geduldig beantwortet. Am Infostand im Gelände wurde der BayernAtlas vorgestellt und Dr. Klement Aringer, Präsident des LDBV, überreichte mit launigen Worten von der Eventbühne Rucksäcke und BVV-Karten an die Gewinner des Quiz.


Eine sympathische Präsentation bei einem in der Größenordnung bisher noch nicht da gewesenen Events. Auch wenn das GIGA jetzt Geschichte ist, wird der 1. Geodätische Referenzpunkt Münchens sicher noch weiter Geschichte machen und mancher Besucher mit einem fröhlichen „Auffi muaß I“ den Olympiaberg besteigen.


Montag, 14. Juli 2014

Danke Jungs !

Es war ein packendes Finale. 120 Minuten Spannung pur, mitfiebern und mitzittern. Und selbst als Mario Götze in der 113. Minute nach Flanke von André Schürrle für ein sehenswertes Tor und in ganz Deutschland für einen Jubelschrei sorgte, war es noch nicht ausgestanden, denn in den letzten Minuten konnte ja noch viel passieren.
Jetzt sind wir Weltmeister!

So wie die Namen Toni Turek, Max Morlock, Fritz und Ottmar Walter, Helmut Rahn und all die anderen aus der 1954er Mannschaft unvergessen sind und von jedem Fußballfan fast lückenlos aufgezählt werden können, so wird es auch den Spielern aus dem Team der Weltmeisterschaftsmannschaft 2014 ergehen.

Dafür werden sicher auch die fußballbegeisterten Cacher sorgen, die für ihre Helden von Rio schon bald kleine Runden mit einem Cache pro Spieler auslegen werden. Der Bonus sollte dann aber dem Bundestrainer gewidmet sein, denn er war es, der aus Spitzenkönnern ein Team geformt hat.

Eine Weltmeister-Runde gibt es ja schon seit Anfang Juni 2014 noch vor Beginn der Weltmeisterschaft im südlichen Hessen. Die  Fussball-Weltmeisterschaft 2014 besteht aus 12 Tradis und ist den Spielern der Finales gewidmet. Welch ein Zufall: Lediglich Sami Khedira war beim Endspiel Zuschauer, alle anderen sind korrekt aufgeführt. Da war der Owner Hexe5380 wohl sehr weitsichtig.


Diese Woche werde ich die 4,5 km lange Feldweg-Runde in der Nähe von Griesheim besuchen, um so für spannende Wochen und den 4. Titel quasi meinen Dank abstatten. Meine in den letzten Wochen gesammelten 50 REWE Spielerkärtchen aus Plastik – schlicht oder glitzernd – werden, sofern es der Platz in der Dose erlaubt, dabei ein neues Zuhause finden.


In der nächsten Zeit werden wohl einige „Helden von Rio“ oder „Weltmeister 2014“ Serien in Deutschland entstehen. Runden wie „Schnewittchen und die sieben Zwerge“, „Memories“ oder andere Themenrunden haben ausgedient. Jetzt gibt es Aktuelleres und wenn man nicht den ganzen Kader einschl. Trainer und Betreuer berücksichtigt, dann werden das auch keine Powertrails, sondern nette kleine Wanderungen.