Freitag, 17. Juni 2011

Philadelphia: Statt Independence Hall gleich ins Kittchen

Es gibt Orte, die Geschichte atmen. Die Independence Hall in Philadelphia ist so ein Ort.
Hier saßen sie im Herbst 1774 zusammen, die Delegierten der 13 Kolonien Nordamerikas und forderten den englischen König heraus. Hier wurde diskutiert und gestritten, bis endlich der Brief an ihn - unter Umgehung des britischen Parlaments - formuliert war.
1776 wurde im Versammlungsraum die von Thomas Jefferson ausgearbeitete Unabhängigkeitserklärung unter der Leitung von George Washington verhandelt, am 2. Juli von den 56 Delegierten unterzeichnet und am 4. Juli 1776 von den 13 Gründerstaaten der USA angenommen.
Aber auch die Bill of Rights, die Verfassung der Vereinigten Staaten hatte 1787 ihren Ursprung in der Independence Hall. Es gibt wohl kaum einen Ort, der solch eine historische Bedeutung für dieses Land hat.
Im Versammlungsraum stehen noch die Tische und Stühle so, wie sie beim 1. Kontinentalkongress 1774 angeordnet waren. Im Westflügel kann man das Schreibpult sehen, an dem die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. John Hancock war der erste, der die Urkunde unterzeichnete und das tat er in extrem großen Buchstaben. Noch heute heißt die Bitte um Unterschrift umgangssprachlich in USA „Please put your John Hancock here!“
Dieses historische Gebäude wollte ich wieder einmal besichtigen. Kostenlose Tickets für geführte Touren gibt es beim Independence Visitor Center

Aber ich war nicht der Einzige, der sich für die Wiege der amerikanischen Nation interessierte oder sich vielleicht auch nur die Schauplätze der auf dem Gelände gedrehten Filme „Vermächtnis der Tempelritter“ oder „Shooter“ anschauen wollte. „Sold out“ und so konnte ich nur die Liberty Bell zu bewundern, die am 8. Juli 1776 erstmalig bei der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung auf dem Independence Square geläutet wurde.
Dass John Stow und John Pass sie neu gegossen haben als noch vor der Aufhängung der Originalglocke ein Riss entdeckt wurde, ist ja seit dem Vermächtnis der Tempelritter allgemein bekannt.
Sehr erfolgreich waren sie allerdings nicht, denn inzwischen hat sie einen Sprung fast die halbe Höhe der Glocke hoch. Vielleicht hat man sie bei der Geburtstagsfeier von George Washington 1846 zum letzten Mal doch zu intensiv geläutet. Gestört hat das den guten George sicher nicht mehr, denn der war schon 47 Jahre vorher gestorben.
Wenn es mit der Independence Hall nicht klappt, dann, als Kontrastprogramm lieber gleich ab in Kittchen und dann natürlich in das ehemals teuerste und bekannteste in Philadelphia: Im Eastern State Penitentiary wurden, in dem an die Speichen eines Wagenrads erinnernden Bau, von 1829 bis 1971 nur die ganz harten Jungs untergebracht. Jeder Kontakt der Insassen untereinander war verboten und wann immer sie – extrem selten – die Zelle verließen, dann mussten sie eine Kopfmaske tragen, die jede Kontaktmöglichkeit unterband.
Der wohl bekannteste Insasse war Al Capone, der 1929 acht Monate einsaß. Allerdings war seine Zelle recht luxuriös mit Teppichen, Schreibpult und Telefon ausgestattet. Seine Verhaftung wegen unerlaubtem Waffenbesitz hatte es selbst provoziert und mit 20.000 Dollar Schmiergeld für eine „sanfte“ Festnahme gesorgt. Der Boden in Chicago mit all den Morden innerhalb der Gangs war ihm zu heiß und zu gefährlich geworden und im Eastern State Penitentiary fühlte er sich sicher.

Während der Eintritt in die Indepence Hall kostenlos ist muss man für den Gefängnisaufenthalt 12 Dollar zahlen. Aber der Besuch der Zellenblocks – möglichst mit Audio Tour – lohnt sich.
Auch hier atmet der Bau Geschichte und wenn man genug hat, dann dann gibt es den Cache Big House direkt vor dem Gebäude – und der ist kostenlos, wenn er nicht gerade gemuggelt ist.
Wenn es ums Cachen geht, dann ist Philadelphia anzahlmässig kein sehr ergiebiges Pflaster. Am Besten parkt man sein Auto irgendwo auf einem der Parkplätze und zahlt für den Tag seine 15 - 18 Dollar. Einen kostenlosen Parkplatz wird man im Zentrum kaum finden und drive-in kann man vergessen. Aber man kann die Stadt zu Fuß erkunden und ein paar alte virtuelle Caches und die eine oder andere Dose sind gute Eckpunkte, an denen man seinen Rundgang ausrichtet. Sie führen einem zu den interessantesten Plätzen der Stadt und das zählt allemal mehr als ein paar Statistikpunkte in Pennsylvania.

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