Donnerstag, 17. November 2011

Mishaps: Auto aufgebrochen und bestohlen

Der Manuka Gorge Hwy war vom nächtlichen Regen noch feucht, als wir am frühen Morgen von Dunedin nach Te Anau aufbrachen. Wenig Verkehr auf der landschaftlich beeindruckenden Verbindungsstraße vom Osten in den Westen der Südinsel Neuseelands. Wo sollten die Autos auch herkommen bei den wenigen Orten auf dem Weg und einer Bevölkerungsdichte von gerade mal vier Einwohnern pro Quadratkilometer.
Die beiden Caches am Mount Stuart Tunnel waren als eine willkommene Unterbrechung der Fahrt geplant und so steuerten wir den am Waldrand gelegenen Parkplatz an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Land durch viele Eisenbahnstrecken erschlossen, die bis auf wenige dann wieder stillgelegt wurden. Die Schienen und Schwellen wurden abgebaut und die Natur holte sich im Laufe der Jahre das Schienenbett zurück. Was geblieben ist sind die Tunnels als Lost Places. So auch der 1875 gebaute 442 m lange und mit knapp über zwei Meter recht schmale Mount Stuart Tunnel der Tokomairiro Lawrence Railway.
Der im September 2003 ausgelegte Cache ist bis zu seiner Archivierung im Dezember 2008 in 5 ¼ Jahren nur von 28 Cachern gesucht und gefunden worden. Eine wirklich sehr einsame Gegend!
Auf unserem Weg vom Parkplatz zum Tunneleingang hatten wir einen unerwarteten Begleiter, der nicht von unserer Seite wich. Der Fantail, ein kleiner Vogel der seine Schwanzfedern fächerartig spreizen kann, lebt von kleinen Insekten. Und weil wir auf dem schmalen Pfad wohl einige Insekten aus dem Gebüsch aufscheuchten, musste er sich heute bei der Futtersuche nicht anstrengen und schwirrte furchtlos mit 1 – 2 Meter Abstand den ganzen Weg um uns herum.
Wir sahen ein paar Glühwürmchen bei der Tunneldurchquerung und nach Suchen, Finden und Loggen am anderen Tunnelende ging es wieder zurück zum Parkplatz.
Was wir dort fanden ließ unsere Stimmung dann aber prompt in den Boden sinken. Sie muss wohl daheim, auf der anderen Seite der Erde wieder rausgekommen sein, so tief war sie gesunken.
Das Fenster unseres Cachemobils war aufgebrochen und die Rückbank sah, abgesehen von einem Haufen Glassplittern und „non-valuables“, ziemlich leer aus. Von den beiden Rucksäcken keine Spur. Den Daytrip-Rucksack für kurze Wanderungen mit DigiCam, Trinkflaschen, MP3-Stick, Führerschein und Sonnenbrille meines Reisekameraden, ein paar US-Dollar und anderem Kleinzeug war nicht mehr am angestammten Platz und der andere Rucksack als Pulloverdepot und mit sonstigen Kleinigkeiten fehlte auch. Gott sei Dank waren Reisepässe, Kreditkarten und mein kleines Vaio sicher im Kofferraum verstaut, sodass sich der materielle Schaden doch in Grenzen gehalten hat. Der ideelle Schaden durch den Verlust von Souvenirs und persönlichen Erinnerungsstücken war größer.
Noch recht geschockt machten wir uns auf dem Weg ins nächste Dorf, um eine Police Station ausfindig zu machen. Im Infocenter von Lawrence erklärten uns zwei ältere Ladies den Weg dahin, aber dort war leider niemand aufzufinden. Auch Polizisten haben ein Wochenende.
Über die Notrufnummer 111 wurde uns geraten die Reise fortzusetzen und uns in Te Anau bei der Polizei zu melden. Diesem Rat folgend machten wir uns also auf den Weg. 54 km und gerade mal eine Ortschaft weiter sahen wir in Tapanui am Rande eines Wohngebiets eine kleine Polizeistation und schauten dann doch, ob die Station besetzt war – das Polizeiauto stand jedenfalls in der Einfahrt.
Aber auch hier war das Büro geschlossen und als wir schon wieder umkehren wollten, riefen zwei im Garten des Nachbarhauses spielende Boys nach ihrem Vater. „Dad, someone for you!“ und kurz darauf tauchte Dad auch aus dem Wohnhaus auf. Sandfarbenes T-Shirt, verwaschene Kakhi-Short und barfuß: Senior Constabler John von der New Zealand Police, Leiter und einziger Mitarbeiter der kleinen Polizeistation von Tapanui.
Etwas nervös schilderten wir unser Erlebnis. Er schaute sich ohne grösseren Kommentar das Auto an und nahm dann im kleinen Büro der Station den Schaden auf. Er stellte ergänzende Fragen, wir beschrieben das Verlorene und nachdem diese Formalitäten erledigt waren, ging es zurück ans Auto.
Der Bereich am Fenster und an der Tür wurde auf Fingerabdrücke untersucht. Pulver wurde aufgetragen, mit einem Pinsel verstrichen und mit der Lupe gesucht. Zwei hat er gefunden und archiviert. Die werden jetzt mit den im Polizeicomputer zentral gespeicherten Abdrücken abgeglichen. Der Vorfall hat auch John betroffen gemacht. "So etwa, bei uns im Süden! Wahrscheinlich waren es Diebe von der Nordinsel oder vielleicht doch eher Australier" erklärte er uns sachlich und überzeugend seine Vorurteile.
Allmählich redeten wir uns warm und auch John wurde gesprächiger. Als die offizielle Prozedur fast abgeschlossen war, verklebte er noch mit Folie provisorisch unser Fenster und dann kam auch Jane seine Frau dazu. Die Familie war jetzt inkl. einem freundlich wedelnden streichelbedürftigen schwarzen Familienhund fast komplett. Jetzt wurden wir zu einem Kaffee ins Haus eingeladen.
Eine schöne offene Wohnlandschaft mit Sitzecke und Fernseher, dazu eine Küchenecke mit Essbereich, in dem Bridget, die Tochter mit einigen Freundinnen saß und ein Kater, vor dessen Krallen der arme Hund großen Respekt hatte. Wir bekamen nicht nur Kaffee und Cookies, sondern auch eine Lektion in Cricket-Regeln zu dem im Fernsehen laufenden Spiel – fundiert und auf den Punkt. Zumindest über dieses bis zu fünf Tage dauernde Sportevent wissen wir jetzt besser Bescheid, auch wenn uns die Begeisterung für diesen Sport weiter unverständlich bleiben wird.
John war eigentlich nicht im Dienst. Er ist für den Nachtdienst in Gore, dem „World Center of Trout Fishing", ca. 30 km entfernt von Tapanui, eingeteilt und der beginnt erst in einigen Stunden. Sein Bruder lebt in Kaliforniern und da waren sie auch letztes Jahr im Urlaub.
Ja, es gab viel zu erzählen von beiden Seiten, während wir uns noch am Kaffee, den Cookies und der uns entgegen strömenden Herzlichkleit labten und dabei die Unbillen des Vormittags fast vergaßen. Jane war zwischendurch verschwunden und hat unser ganzes Auto mit Staubsauger, Kehrschaufel und Besen von den Glassplittern gereinigt. Später setzte sie sich noch zu uns und wir redeten und lachten und waren alle etwas traurig, als wir dann auf unserem Weg durch Neuseeland wieder aufbrechen mussten.
Nach Te Anau und einem Ausflug zum Milford Sound mit Übernachtung auf einem Segelboot in der Tasmanischen See wechselten wir auf der nächsten Etappe in Queenstown problemlos in 10 Minuten unser Cachemobil.

Über den Schaden sind wir hinweg gekommen. Von den Rucksäcken haben wir nichts mehr gehört und die Diebe wurden nie gefasst. Was aber bleibt ist die warmherzige Erinnerung an Constabler John und seine Familie.
Eines haben wir gelernt: Auch wenn es nur ein leerer Rucksach sein sollte, auf der Rückbank des Autos bleibt nichts mehr liegen. Das ist zu einladend für potenzielle Diebe und in jedem Land gibt es diese „Menschen von der Nordinsel“, die keinen Respekt vor dem Hab und Gut Anderer haben.

Kommentare:

  1. Da habt Ihr ja fast noch ein wenig Glück im Unglück gehabt, zumindest bleibt eine schöne Erinnerung an eine außergewöhnlich nette Begegnung. Wenn ich da an eine ähnliche Situation in einer deutschen Großstadt zurückdenke, die uns vor einigen Jahren wiederfahren ist. Wir kamen gerade aus der Stadt zurück zu einem P&R-Parkplatz und die linke vordere Scheibe war eingeschlagen, der Fahrer-Airbag geklaut und das Autoradio war beim Versuch es auszubauen erheblich beschädigt worden. Wir sind dann auch umgehend zur nächsten Polizeistation.

    Erst mal wollte sich der Beamte nicht in seiner Mittagspause unterbrechen lassen und hat uns sagenhafte 45 Minuten warten lassen, während er im einsehbaren Nebenraum seinen Kaffee schlürfte und mit Kollegen quatschte. Da wir dann immernoch an der Theke standen, bequemte er sich doch eine Anzeige aufzunehmen.

    Obwohl deutliche Fingerspuren auf Amaturenbrett und Radio erkennen zu ware, wollte der Beamte nicht mit raus kommen, weder um das Fahrzeug zu begutachten, noch um Spuren zu sichern. "Aus Erfahrung sag ich Ihnen, das bringt eh nichts., da spare ich mir die Arbeit. Habe noch genug zu tun." Das waren ungefähr seine Worte.

    AntwortenLöschen
  2. Mit Verlaub, aber wie kann man so blöd sein seine Klamotten offen sichtbar in Auto liegen zu lassen,
    wenn man es egal wo abstellt?

    AntwortenLöschen
  3. Es ist Euch sicherlich kein Trost...
    Aber meiner Cousine und ihrem Freund wurde in Neuseeland das Wohnmobil auf dem Parkplatz eines Restaurants aufgebrochen. Zum Glück sind die beiden um die Ecke gekommen, als der Typ gerade in den Wagen wollte. Somit ist nix abhanden gekommen - aber ärgerlich ist es schon.
    "Aus Erfahrung sag ich Ihnen, das bringt eh nichts., da spare ich mir die Arbeit. Habe noch genug zu tun." Das waren auch in etwa die Worte des Polizisten, mit dem die beiden deswegen zu tun hatten.

    AntwortenLöschen
  4. Die Geschichte über den Diebstahl schreckt mich nich ab, das kann einem überall passieren.

    Aber was sonst aus dem Bericht zu lesen ist und die Bilder lassen ein neues Reiseziel begehrlich erscheinen - wenn nur der lange Flug nicht wäre.

    AntwortenLöschen